Sami Allagui hatte am späten Donnerstagabend ein Goodbye getwittert: Ciao an den Urlaubsort Dubai mit seinen 25 Grad samt Fotos vom Strand, unter anderem mit Patrick Ebert, Jerome Boateng und Sejad Salihovic. Freitagmittag stand Allagui braun gebrannt und in bester Laune auf dem Trainingsplatz von Hertha BSC.
Der Aufsteiger hat mit seinen guten Leistungen in der Bundesliga-Hinrunde die Zuschauer neugierig gemacht. Rund 500 Fans pilgerten zum Schenckendorff-Platz, um die erste Übungseinheit des Jahres zu beobachten. Die hatte Trainer Jos Luhukay für 14 Uhr angesetzt – und alle waren pünktlich erschienen.
Thomas Kraft spricht mit dem Rivalen
Im Mittelpunkt stand der einzige Neue: Rune Jarstein, Nationaltorwart Norwegens und zum Jahresbeginn ablösefrei von Viking Stavanger gekommen. Der 29 Jahre alte Schlussmann (Vertrag bis 2016) soll den Konkurrenzkampf mit Stammtorwart Thomas Kraft zu befeuern.
Kraft weiß, dass nun auf ihn geschaut wird, und ging sofort nach vorn. Seite an Seite im intensiven Gespräch schritten Herthas Nummer eins und der Neue zum Trainingsplatz.
Exakt 90 Minuten dauerte die erste Einheit 2014. Früh verschwand Jarstein mit Torwarttrainer Richard Golz sowie Kraft und Marius Gersbeck auf einem der hinteren Plätze, wo das Torwart-Trio ein gesondertes Programm abspulte.
Jarstein, der vom großen Andrang überrascht war, präsentierte sich den Medienvertretern konzentriert: „Es war gut, die Kollegen und den Trainer kennenzulernen“, sagte der Norweger auf Englisch. Er habe Deutsch zwar in der Schule gelernt, „aber vieles wieder verloren. Das will ich jetzt auffrischen.“
Jarstein ist nicht für die Ersatzbank gekommen
Die Torwart-Position ist eine besondere, die Beteiligten wissen, dass der Konkurrenzkampf aufmerksam verfolgt wird. „Mein Ziel ist es zu spielen. Aber ich habe noch Zeit. Ich will erst mal alles kennenlernen. Wenn ich nicht spiele, werde ich Thomas unterstützen. Es ist wichtig, dass wir ein gutes Torwartteam haben“, so Jarstein.
Trainer Jos Luhukay sagte: „Rune kommt sympathisch und souverän rüber, mit viel innerem Antrieb.“ Neben Jarstein waren besonders Ronny und Adrian Ramos bei den Fans gefragt. Herthas Südamerikaner wurden schon auf dem Weg hin zum Training um Autogramme und Erinnerungsfotos gebeten.
Mit Sebastian Langkamp und Johannes van den Bergh waren zwei Spieler wieder dabei, die zum Jahresende verletzt fehlten. Marcel Ndjeng sagte auf die Frage, ob er mit Bangen auf das Trainingslager in der kommenden Woche in Belek in der Türkei schaue: „Überhaupt nicht. Wir haben guten Grund, positiv auf 2013 zurückzuschauen. Und ich hoffe auf ein erfolgreiches Jahr 2014. Die Grundlage dafür wollen wir im Trainingslager legen.“
Ben-Hatiras Teilnahme am Trainingslager unsicher
Hertha hatte das vorangegangene Jahr mit drei Siegen beendet und überrascht die Liga auf dem derzeitigen Tabellenplatz sechs. Die Frage, ob der Aufsteiger nicht ein neues Saisonziel formulieren müsse, beantwortete Ndjeng kopfschüttelnd: „Unser Ziel ist der Klassenerhalt. Solange der nicht erreicht ist, brauchen wir nicht über andere Ziele zu reden.“
Trainer Luhukay freute sich, „dass so viele Fans da sind, das ist bei Hertha nicht immer so.“ Doch wie schon in der Hinrunde plagen Hertha auch zum Trainingsbeginn wieder personelle Sorgen.
Ersatztorwart Sascha Burchert leidet an einer hartnäckigen Verletzung des Sprunggelenks. „Sascha fährt nicht mit in die Türkei. Es ist nicht abzusehen, wann er wieder trainieren kann,“, sagte Luhukay. Gravierender noch ist die Lage bei Änis Ben-Hatira.
Seit einer Trainingsverletzung Anfang Dezember plagen ihn Probleme am Sprunggelenk. „Änis arbeitet intensiv in der Reha. Es ist geplant, dass er kommende Woche mit leichtem Lauftraining beginnen soll“, sagte der Trainer. Es ist derzeit aber offen, ob der Edel-Techniker mit in die Türkei fliegen kann.
Baumjohann zurück im Training
Ein Lichtblick gibt es auch: Alexander Baumjohann ist nach seiner Kreuzband-Operation von Anfang September auf einem gutem Wege. Der Mittelfeldspieler fliegt mit nach Belek, auch wenn er dort nur individuell trainieren wird. Baumjohann will in dieser Saison „noch das eine oder andere Spiel“ absolvieren.
Zudem gab Luhukay bekannt, dass die Rangordnung der Torwarte sich geändert habe: Philip Sprint, 20, trainiert künftig mit der U23. „Sportlich ist das ein Schritt zurück für Philip, damit er hoffentlich insgesamt zwei Schritte voran kommt“, sagte Luhukay. Seinen Platz hat bis auf weiteres Marius Gersbeck, 18, inne, dem gegen Dortmund kürzlich ein gutes Bundesliga-Debüt gelungen war.





