Bundesliga

Herthas große Pläne mit dem Norweger Rune Jarstein

1,90 Meter groß und stark im Strafraum: Rune Jarstein soll den Druck auf Herthas Stammtorwart Thomas Kraft erhöhen. Der Nationaltorwart von Norwegen sagt: „Mein Ziel ist es, zu spielen.“

Foto: Khan Tariq Mikkel / AP

Der Verein hatte auch die Details bedacht. Um 14.12 Uhr twitterte Hertha-Manager Michael Preetz eine Nachricht, die viele Fans überraschte: „Es ist fix! Wir haben Norwegens Nummer 1, Rune Jarstein (29), bis 2016 verpflichtet!“ Auf dem Foto wird der Moment dokumentiert, in dem Jarstein die Unterschrift unter den Vertrag setzt. Für Hertha unterschrieben Preetz und Geschäftsstellenleiter Thomas Herrich.

Die Herthaner, die dieser Personalie direkt betrifft, standen in jenem Momemt bereits auf dem Trainingsplatz. Trainer Jos Luhukay hatte seine Torwart-Crew um Thomas Kraft, Sascha Burchert und Marius Gersbeck vorab über den neuen Kollegen informiert, der seinen Job zum Jahresbeginn aufnehmen wird. „Ich wollte nicht, dass die Jungs das aus den Medien erfahren, sondern von mir direkt. Das gehört sich einfach so“, sagte Luhukay.

Jarstein ist 36-facher Nationalspieler

Jarstein, 29, hat von 2007 bis 2010 bei Rosenborg Trondheim gespielt und seither bei Viking Stavanger. Er hat 36 Länderspiele bestritten und ist derzeit Stammkeeper in seinem Nationalteam. Im vergangenen Sommer war ein geplanter Wechsel zu Fortuna Düsseldorf kurzfristig gescheitert.

„Als Hertha mich gefragt hat, konnte ich nicht Nein sagen“, sagte Jarstein der Berliner Morgenpost. „Die Bundesliga ist für mich eine echte Herausforderung. Ich habe mir das Stadion angeschaut und die Trainingsplätze, das ist alles sehr beeindruckend.“

Rekdal: Da hat Hertha einen guten Fang gemacht

Diese Personalentscheidung wird für Diskussionen sorgen. Denn mit 19 Gegentoren nach 16 Partien hat Hertha die beste Abwehr der Liga nach den Topteams. Torhüter Kraft hatte sich geärgert, dass er nach Patzern gegen Bayern und Schalke öffentlich in der Kritik stand. Luhukay beeilte sich zu versichern: „Thomas Kraft bleibt unsere Nummer eins.“ Auch Kraft äußerte sich gelassen: „Frisches Blut tut doch immer gut“. Druck verspüre er durch den neuen Konkurrenten nicht. „Ich muss mich als Sportler ohnehin jeden Tag beweisen, das ist nichts Neues.“

Dennoch bleibt die Frage, warum Hertha die Zusammensetzung im Torwartbereich ändert. Darauf gibt es mehrere Antworten. So ist Luhukay die Sache im Sommer grundsätzlich angegangen. Auf Wunsch des Trainers trennte sich Hertha im Mai vom langjährigen Torwarttrainer Christian Fiedler. Ein Vorgang, der den Klub 579.000 Euro kostete. Zum Nachfolger wurde Anfang Juni Richard Golz erkoren.

Golz sagte der Morgenpost noch im Herbst, frühestens in der Winterpause werde er mal ein Zwischenfazit ziehen. De facto jedoch machten Luhukay und Golz relativ rasch Bedarf aus. Jarstein weilte schon vor zwei Wochen in Berlin. Kjetil Rekdal, Ex-Teamkollege von Manager Preetz und derzeit Trainer von Valerenga Oslo, sagte der Morgenpost: „Da hat Hertha einen guten Fang gemacht. Rune ist gut in der Strafraumbeherrschung. Er holt Flanken und ist auch auf der Linie stark. Dazu ist er topfit und selten verletzt.“ Die Frage, ob Hertha sich bei ihm nach Jarstein erkundigt hat, beantwortet Rekdal mit einem Lächeln: „Natürlich.“

Manager Preetz lobt die Erfahrung von Jarstein

Am Dienstag wurde der Vertrag mit dem 1,90-m-Schlussmann unterschrieben. Manager Preetz sagte: „Wir freuen uns, dass wir Rune Jarstein für Hertha BSC gewinnen konnten. Er passt dank seiner Erfahrung perfekt in unser insgesamt ja noch sehr junges Torwartteam.“

Die Altersstruktur ist den Verantwortlichen nun seit anderthalb Jahren bekannt. Neben Kraft verfügt Burchert, 24, als einziger über ein wenig Erstliga-Erfahrung (fünf Einsätze). Philip Sprint, 20, und Marius Gersbeck, 18, haben noch nicht in der Bundesliga gespielt. Ohnehin war Sprint zuletzt außen vor. Seinen Platz hat sich U-19-Nationaltorwart Gersbeck erobert. Da aber Burchert seit Wochen wegen Fußproblemen ausfällt, erschien es Trainer Luhukay zu riskant, im Falle eines Kraft-Ausfalls nur einen Teenager als Alternative zu haben.

Kraft und das Problem mit dem Rücken

Ein weiterer Grund sind Rückenprobleme bei Kraft. Immer mal wieder leidet er unter Blockaden. In der vergangenen Saison musste er deshalb das Derby gegen Union (2:1) sausen lassen. In dieser Saison war sein Einsatz gegen Hoffenheimund gegen Braunschweig akut gefährdet. Auch deshalb habe er sich für Jarstein entschieden, sagte Luhukay. Das Präsidium stimmte dem Vorgang zu. Die Geschäftsführung hatte dargelegt, dass eine Jarstein-Verpflichtung nicht über die Etat-Planung hinausgehe, sondern aus den Mehreinnahmen in dieser Saison finanziert werde.

Und doch gibt es einen weiteren Grund. Kraft verfügt über ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein. Er hat besondere Qualitäten, etwa im eins-gegen-eins-Spiel, auf der Linie, in der aggressiven Ausstrahlung gegenüber gegnerischen Stürmern.

Vertrag von Kraft läuft bis 2015

Aber Kraft hat auch Defizite, bei der Strafraumbeherrschung oder der Spieleröffnung. Das Trainer-Team traut ihm eine weitere Entwicklung zu. Der Vertrag von Kraft läuft bis Juni 2015. Bisher war es so, dass der Torwart, der vom FC Bayern nach Berlin gekommen war, Hertha signalisiert hat: Es gefalle ihm gut in Berlin. Aber bevor man über eine vorzeitige Verlängerung rede, wolle er schauen, wie die Entwicklung des Klubs weitergeht.

Nun hat Luhukay den Spieß umgedreht: Hertha schaut, wie Kraft mit der neuen Konstellation zurecht kommt. Bisher war die Nummer 1 beim Aufsteiger konkurrenzlos. Das hat sich mit der Verpflichtung des Norwegers geändert. Jarstein sagte: „Ich gebe mir etwas Zeit, um anzukommen in der neuen Liga und der neuen Umgebung. Aber ich werde kämpfen. Mein Ziel ist es, zu spielen.“

Ab Anfang Januar ist der Konkurrenzkampf im Hertha-Tor eröffnet.