Bundesliga

Hertha und die fünf wichtigsten Fragen zum Rückrunden-Start

Gibt es neben Norwegens Nationaltorwart Rune Jarstein neue Spieler? Was wird aus Adrian Ramos und Pierre-Michel Lasogga? Die Morgenpost beantwortet die fünf wichtigsten Fragen zum Rückrunden-Start.

Foto: Thomas Eisenhuth / picture alliance / ZB

Schluss mit Urlaub in New York, vorbei die Erholung auf Sylt. An diesem Freitag, um 14 Uhr, bittet Trainer Jos Luhukay zum ersten Training im neuen Jahr. Wer meint, die Bundesliga-Mannschaft könne sich mal gemütlich einrollen, täuscht sich. Die WM im Sommer in Brasilien sorgt für einen straffen Zeitplan. Hertha bereitet sich 22 Tage vor, ehe es zum Start in die Rückrunde zu Eintracht Frankfurt geht (25. Januar). Die ausstehenden 17 Partien werden in 15 Wochen gespielt. Mit dem Spiel gegen Borussia Dortmund beendet Hertha die Saison 2013/14 am 10. Mai. Für Aufsteiger Hertha BSC stellen sich fünf entscheidende Fragen zur Rückrunde.

Bleibt es beim Ziel Klassenerhalt?

Ja. Obwohl die Mannschaft um Kapitän Fabian Lustenberger mit 28 Punkten und Rang sechs alle Erwartungen übertroffen hat, halten die Verantwortlichen den Ball flach. Hertha steht auf einem Europa-League-Platz. Rang vier, der zur Qualifikation für die Champions League berechtigt, ist nur vier Zähler entfernt. Doch Trainer Jos Luhukay lässt sich nicht locken. „Wir wissen, woher wir kommen. Für uns geht es für uns darum, Punkte für den Klassenerhalt zu sammeln.“ Luhukay steckt den Zeitrahmen ab, wann er bereit sei, über andere Ziele zu reden: „Wenn wir nach 30 Spieltagen noch so weit oben stehen, können wir darüber reden, was machbar ist.“

Wie wird die Spannung gehalten?

Realistisch betrachtet, fehlen Hertha noch acht, neun Punkte. Mit 36, 37 Zählern wird der Aufsteiger sicher die Bundesliga halten. Die ersten Gegner heißen Frankfurt, Nürnberg, HSV, Wolfsburg, Stuttgart und Freiburg – gut möglich, dass Hertha Ende Februar diese Hürde genommen hat. Doch Manager Michael Preetz verspricht: „Es gibt überhaupt keinen Grund für einen Spannungsabfall.“ Nach den drei Siegen zum Ende der Hinserie (Braunschweig 2:0, Bremen 3:2, Dortmund 2:1), „haben Trainer und Mannschaft unbändige Lust, ähnlich erfolgreich weiterzuspielen.“ Dafür werden in den ersten beiden Vorbereitungswochen in Berlin und ab dem 9. Januar im Trainingslager in Belek/Türkei die konditionellen Grundlagen gelegt.

Gibt es Abgänge?

Mal sehen. Die meisten, aber nicht alle 28 Hertha-Profis gehen mit guter Laune in die Rückrunde. So kamen Maik Franz und Ben Sahar in der Hinrunde auf exakt null Einsatzminuten, Peer Kluge erging es nicht viel besser (zehn von 1530 möglichen Minuten). Der Israeli Sahar hat die Zusage von Hertha ebenso wie Fanol Perdedaj, im Winter den Verein verlassen zu können, falls sich ein neuer Arbeitgeber findet. Und darüber hinaus? „Zwischen den Jahren war bei den Vereinen Pause“, sagte Manager Preetz, „jetzt nehmen alle die Arbeit wieder auf. Mal sehen, was bis Monatsende passiert.“ Bis zum 31. Januar 2014 ist das Winter-Transferfenster geöffnet. Energie Cottbus, Letzter der Zweiten Liga, hat bei Maik Franz angefragt.

Der 32 Jahre alte Innenverteidiger wäre ein weiterer Kandidat, dem Hertha keine Steine in den Weg legen würde. Fragt sich nur, ob Franz einen Interessenten findet, wo er in ähnlicher Größenordnung wie in Berlin verdienen kann. Energie-Trainer Stephan Schmidt antwortete Franz jedenfalls, er wolle sich bei Hertha durchsetzen. Bei Kluge hingegen wird sich erst mal nichts ändern. Hertha wird hier bis zum Sommer abwarten, ob es gelingt, den vom HSV ausgeliehenen Per Skjelbred endgültig zu verpflichten. Auch wenn es an dem einen oder anderen Stammtisch gefordert wird: Ronny bleibt. Während mancher Fan den Brasilianer als Enttäuschung verbucht, weist der Trainer auf die Zahlen: Ronny ist der effektivste Herthaner (vier Tore, drei Assists in 543 Minuten).

Gibt es Zugänge?

Mit Rune Jarstein, 29, beginnt ein Neuer heute seinen Dienst bei Hertha. Der norwegische Nationaltorwart, ablösefrei von Viking Stavanger geholt, sagte der Morgenpost: „Ich bin gespannt, meine neuen Kollegen kennenzulernen.“ Er freue sich auf die Aufgabe. „Ich hoffe, dass ich meine Chance bekomme.“ In jedem Fall wolle er seine Torwart-Kollegen unterstützen. Die Verpflichtung von Jarstein ist ein Signal an Stammkeeper Thomas Kraft. Mit dem Norweger hat Kraft erstmals in seiner Hertha-Zeit einen ernsthaften Konkurrenten.

Die Idee von Torwarttrainer Richard Golz und Trainer Luhukay ist, dass die Rivalität beide Torwarte auf ein besseres Niveau bringen werde. Marius Gersbeck, 18, reist nach seinem beherzten Liga-Debüt in Dortmund, mit ins Trainingslager. Hertha steht nicht unter Druck, jemand verpflichten zu müssen. Aber es gibt Bedarf für einen linken Verteidiger als Ersatz für Stammkraft Johannes van den Bergh. Im rechten Mittelfeld hat Hertha diverse Möglichkeiten (Allagui, Cigerci, Sjkjelbred, Ndjeng), aber keine 1A-Lösung.

Wie löst Preetz das Stürmer-Rätsel?

Der Wunsch vieler Fans ist es, mit Adrian Ramos (elf Tore) und dem derzeit an den HSV ausgeliehenen Pierre-Michel Lasogga (neun) für die kommende Saison zwei Topstürmer zu haben. Diese Variante ist nicht ausgeschlossen, aber unwahrscheinlich. Auch wenn Manager Preetz als Hertha-Position derzeit öffentlich ausgibt: Der HSV-Kollege Oliver Kreuzer könne sich wegen Lasogga „einen Anruf sparen“. Beide Stürmer haben Vertrag bis Juni 2015. Hertha hat sich entschieden, mit wem verlängert werden soll: Wie Adrian Ramos ausplauderte, sind die Verhandlungen längst im Gange. Ein neuer Kontrakt wird teuer.

Da käme den Berlinern eine hohe Transfereinnahme gelegen. Im Sommer wäre der logische Zeitpunkt, um Lasogga zu verkaufen. Um den Preis nicht zu drücken, wird kein Hertha-Verantwortlicher das öffentlich formulieren – ehe eine konkrete Offerte für Lasogga vorliegt. Da es um Summen im hohen einstelligen Millionen-Bereich geht, wird Lasogga unerschwinglich sein für den HSV, was die Verantwortlichen in Hamburg ihren Fans nur ungern einräumen werden.

Manager Preetz ist als Taktikfuchs gefragt. Er will einen Vertragsabschluss mit Ramos. Die Lasogga-Frage gilt es möglichst lange offen zu halten.

Alternativ ist ein weiteres Szenario denkbar: Gibt es keine Einigung mit Wunschkandidat Ramos, könnte Hertha im Sommer beide Angreifer verkaufen.