Sieg gegen Dortmund

Hertha feiert die Torschützen Sami Allagui und Adrian Ramos

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Sebastian Fiebrig

Foto: Marius Becker / dpa

Vor rund 80.000 Zuschauern hat Hertha in Dortmund mit 2:1 gewonnen und beendet die Hinrunde mit bärenstarken 28 Punkten. Bejubelt wurden nicht nur die Torschützen, sondern auch Jung-Torwart Gersbeck.

Am Ende stand Marius Gersbeck wieder auf dem Zaun und jubelte über einen Hertha-Sieg. Doch diesmal war alles anders. Denn das 18 Jahre alte Torwarttalent stand auf der dem Platz zugewandten Seite des Zauns. Eine Hertha-Fahne wehte über sein leuchtend rotes Trikot.

Nicht er bejubelte die Mannschaft – sondern Gersbeck war der Grund für die grenzenlose Freude. Vor mehr als 80.000 Zuschauern gewann Hertha in Dortmund mit 2:1 und beendete die Hinrunde mit bärenstarken 28 Punkten.

Es lief bereits die achte (!) Minute der Nachspielzeit, der Aufsteiger aus Berlin verteidigte mit eisernem Willen seine Führung, als Gersbeck ein Zeichen setzte. Der Keeper setzte sich gegen BVB-Angreifer Robert Lewandowski im Luftkampf durch und schnappte dem Polen die Kugel vor der Nase weg. Der Top-Torjäger der Liga ging zu Boden, während der Hertha-Keeper mit beiden Füßen auf dem Boden blieb – was für ein Bundesliga-Debüt.

Gersbeck patzt nur zu Beginn

Mit Abpfiff der Partie rannte Gersbeck enthemmt vor die Gästekurve zu den rund 5000 mitgereisten Fans und schrie sich die Seele aus dem Leib. Das Glück, die unfassbare Freude über einen wahr gewordenen Traum mussten aus ihm heraus. Erst am Freitag mit dem feststehenden Ausfall von Stammkeeper Thomas Kraft (Innenbanddehnung im Knie), hatte der Nachwuchskeeper von Trainer Jos Luhukay von seinem Einsatz erfahren, da auch der zweite Torhüter Sascha Burchert verletzt ausfiel.

Dabei sah es zu Beginn danach aus, als würde das Spiel den prognostizierten Verlauf nehmen. Luhukay bot in seiner ersatzgeschwächten Verteidigung den Routinier Levan Kobiashvili (36) als Innenverteidiger auf und verschob den gelernten Rechtsverteidiger Peter Pekarik nach links. Die neu formierte Abwehr hatte mit Nervosität zu kämpfen. Fast folgerichtig fiel das erste Gegentor. BVB-Kapitän Sebastian Kehl schlug einen langen Ball weit nach links an die Strafraumkante. Gersbeck kam zwar heraus, jedoch nicht rechtzeitig, um das Spielgerät vor dem herannahenden Marco Reus zu klären. Der Nationalspieler schob den Ball unter Gersbeck ins Tor (7.).

Viel Zeit hatte der Keeper allerdings nicht, um sich Gedanken zu machen. Nur wenige Minuten später hielt er im Stile eines Handballtorwarts gegen Lewandowski, wehrte dessen Versuch mit einem schnellen Reflex der linken Hand ab. Locker bemerkte Gersbeck nach dem Spiel: „Fehler passieren. Den habe ich abgehakt. Es war ja nicht der erste Fehler, den ich als Torhüter gemacht habe.“

Doch statt sich in eine Niederlage zu fügen und sich von der Atmosphäre beeindrucken zu lassen, hielt Hertha dagegen. Der sehr auffällige Sami Allagui stand bei fast allen gelungenen Hertha-Angriffen im Mittelpunkt. So auch beim Ausgleich in der 23. Minute, als er dem 21 Jahre alten BVB-Außenverteidiger Erik Durm an der Mittellinie den Ball abnahm.

Der Rest war ein Konter aus der Luhukay-Schule. Mit Tempo lief der tunesische Nationalspieler die Außenbahn entlang, um dann einen scharfen Flankenball in den Strafraum zu spielen. Als einzig mitgelaufener Herthaner bugsierte Adrian Ramos die Kugel direkt ins Tor. Damit zog er in der Torjägerliste mit elf Treffern mit Dortmunds Lewandowski gleich.

Kurz vor der Pause legte Hertha noch einen drauf. Erneut Allagui eroberte den Ball, diesmal von Innenverteidiger Marian Sarr, 18. Allagui zog an dem BVB-Youngster vorbei, ließ mit einem Haken den heranstürmenden Roman Weidenfeller ins Leere laufen und schob den Ball direkt zur umjubelten 2:1 Führung ein. „Ich bin sehr stolz. Das war eine Krönung für eine Topleistung. Wie wir nach dem Rückstand mental dagegen gehalten haben, war unglaublich“, sagte Luhukay.

In der zweiten Halbzeit verteidigte Hertha mit Mann und Maus. Vor allem im Mittelfeld hielten die Berliner mit Hosogai, Cigerci und Skjelbred mit Härte in den Zweikämpfen dagegen. „Es war unsere Taktik, Dortmund im Zentrum wenig Platz zu lassen und sie nicht Tiki-Taka spielen zu lassen“, erklärte Skjelbred danach. BVB-Kapitän Sebastian Kehl maulte: „Die Berliner wollten in der zweiten Halbzeit keinen Fußball mehr spielen. Das ist nicht unser Anspruch.“

Luhukay lobt das Torwart-Talent

Bedanken konnte sich das Team am Ende aber bei Torhüter Marius Gersbeck. Er verteidigte die knappe Führung mit einer Glanzparade bei einem Hofmann-Schuss (66.).

„Marius hat noch nicht realisiert, was heute passiert ist“, befand Luhukay nach dem Spiel und war froh, den Youngster wieder im Team zu haben. „Als er auf den Zaun geklettert ist, dachte ich, dass er nicht zurückkommt.“ Am Ende feierte das gesamte Team laut singend in der Kabine eine grandiose Hinrunde.