„Mehr lassen die Straßen von Berlin nicht zu“, sagt Mark Milde, der Renndirektor des Berliner Marathons, wenn er aufzählt, wie viele Teilnehmer er Sonnabend und Sonntag in Berlin begrüßen darf: 41.000 Läufer, 6000 Inlineskater, 200 Handbike- und Rollstuhlfahrer sowie 8300 Schülerinnen und Schüler beim Mini-Marathon werden an diesem Wochenende in der Hauptstadt unterwegs sein. Berlins Straßen werden voll sein – und Milde ist stolz darauf.

Allerdings müssen sich die vielen Teilnehmer auf einige Neuerungen einstellen. Nach dem Anschlag auf den Boston-Marathon im April dieses Jahres, bei dem drei Menschen getötet und 264 verletzt wurden, haben sich auch in Berlin die Sicherheitsvorkehrungen geändert. „Nach dem, was in Boston passiert ist, haben wir an verschiedenen Stellschrauben gedreht“, sagt Milde.

Die wohl auffälligste Neuerung ist die Einzäunung des Start-Ziel-Bereichs an der Straße des 17. Juni. Diese Maßnahme haben Polizei, Feuerwehr und Bezirk beschlossen. An den Eingängen zum Start-Ziel-Bereich wird jeder Läufer kontrolliert.

Verschärfte Sicherheitsvorkehrungen beim Berlin-Marathon 2013

Nur die Teilnehmer, die sich von Donnerstag bis Sonnabend auf der parallel stattfindenden Messe Berlin Vital im ehemaligen Flughafen Tempelhof ihre Startnummer und das dazugehörige Armband abgeholt haben, kommen am Sonntag in den Startbereich, wo außerdem nur der offizielle Kleidungssack mit hinein genommen werden darf. Auch die Ausgabe der Startnummern wird in diesem Jahr etwas strenger geregelt als zuletzt.

„Der Start beim Marathon ist ein höchstpersönliches Recht“, sagt Milde. Das heißt: Die Nummern und Armbänder (die dann bis zum Zieleinlauf getragen werden müssen) können nur noch persönlich gegen Vorlage eines Ausweises und der Anmeldebestätigung abgeholt werden. Das Abholen von Startnummern mit Vollmachten von Freunden oder Familienmitgliedern ist nicht mehr möglich.

Trotz dieser neuen Sicherheitsbestimmungen will Milde nicht, dass der Marathon zu einem Hochsicherheitsereignis wird. „Wir leben unseren Sport und unser Event, so wie es immer war.“

Alle Weltrekordler kommen zum Jubiläum nach Berlin

Dafür sollen auch die Ehrengäste bei diesem 40. Berlin Marathon sorgen. Zum Jubiläum kommen alle Läufer und Läuferinnen nach Berlin, die hier für Weltrekorde sorgten. Dabei sind Ronaldo Da Costa aus Brasilien, der 1998 die damals noch inoffizielle Weltbestzeit lief, und Paul Tergat aus Kenia, der 2003 den ersten vom Leichtathletik-Weltverband IAAF offiziell anerkannten Weltrekord lief.

Natürlich wird auch der in Berlin wohl bekannteste und beliebteste Marathonläufer seinen Nachfolgern zuschauen: Haile Gebrselassie. Der Äthiopier stellte erst 2007 in 2:04:26 Stunden auf dem Berliner Asphalt einen neuen Weltrekord auf, nur um ihn im Jahr darauf an gleicher Stelle noch einmal um fast eine halbe Minute auf 2:03:59 Stunden zu verbessern.

Und natürlich wird auch der aktuell schnellste Mann über die 42,195-Kilometer-Distanz am Rahmenprogramm des Berlin Marathons mitwirken: Patrick Makau aus Kenia, der 2011 nach 2:03:38 die Ziellinie überschritt. Eigentlich wollte Makau auch in diesem Jahr wieder an den Start gehen, doch eine Verletzung im Knie macht eine Teilnahme unmöglich. „Ich hatte gehofft meinen eigenen Weltrekord in Berlin angreifen zu können, muss mich aber jetzt darauf konzentrieren, die Verletzung erst einmal auszukurieren“, sagte Makau.

Marathon-Koryphäen Vahlensieck, Pippig und Dörre-Heinig

Doch auch ohne Makau dürfte das Rennen in Berlin wieder ein schnelles werden. Dafür wollen in erster Linie seine Landsleute Wilson Kipsang und Eliud Kipchoge sorgen.

Bei den Frauen freut sich Mark Milde besonders auf das Wiedersehen mit Naoko Takahashi. 2001 lief die Japanerin als erste Frau unter 2:20 Stunden. Wo? Natürlich in Berlin. „Sie hat unseren Marathon in eine neue Sphäre katapultiert.“ Als Takahashi 2002 in Sydney gar Olympiasiegerin wurde, buhlten anschließend alle großen Marathonevents um die Goldmedaillengewinnerin. „Wir haben uns durchgesetzt“, sagt Milde stolz. Sie gab Berlin den Vorzug und holte sich hier gleich noch einmal den Sieg.

Doch nicht nur aus dem Ausland reisen Marathon-Koryphäen an. Auch die Pionierin Christa Vahlensieck, die 1977 in Berlin Weltbestzeit lief, stattet der Hauptstadt einen Besuch ab. Dazu gesellen sich die dreifache Siegerin von Berlin, Uta Pippig (1990, 1992, 1995), und die Schnellste von 1994, Katrin Dörre-Heinig. All diese Marathon-Größen können schon am Donnerstag und Freitag auf der Messe in Tempelhof hautnah erlebt werden.

ARD berichtet live vom Berlin-Marathon

Bei solch prominenten Unterstützern dürfte sowohl bei den Profis als auch bei den Hobbyläufern für genügend Motivation gesorgt sein, wenn es wieder vom Brandenburger Tor zur Siegessäule, vorbei an Kanzleramt und Fernsehturm zum Südstern, zum Rathaus Schöneberg, zur Gedächtniskirche und zurück zum Pariser Platz geht.

Wobei sich bei der 40. Auflage nicht nur die Sicherheitsvorkehrungen, sondern auch die Startzeiten des Berlin Marathons geändert haben. Weil die ARD live berichten wird, starten die Läufer am Sonntag diesmal schon um 8.45 Uhr, die Rollstuhlfahrer legen um 8.20 Uhr los.

Dann werden Berlins Straßen wieder voll sein – mit Zigtausend Aktiven und Hunderttausenden Zuschauern. Ein großes Sportwochenende für die Hauptstadt.