Für Mark Milde ist die Sache klar: „Die Hoffnungen für ein schnelles Rennen lasten auf Wilson Kipsang“, sagt der Renndirektor des Berlin-Marathon. Der Kenianer ist derzeit die Nummer zwei der Welt.

Eigentlich hätte auch die Nummer eins starten sollen, doch Kipsangs Landsmann Patrick Makau musste absagen. Eine Entzündung im Knie. Makau ist zweifacher Sieger des Berlin-Marathons. Hier stellte er 2011 den noch immer gültigen Weltrekord (2:03:38 Stunden) auf. Hier wollte er diese Zeit noch einmal unterbieten. „Ich hatte gehofft, meinen eigenen Weltrekord in Berlin angreifen zu können, muss mich aber jetzt darauf konzentrieren, diese Verletzung erst einmal auszukurieren“, erklärte Makau seinen Verzicht.

Nun ist also Kipsang der Favorit. Dass er fast genauso schnell ist wie Makau, zeigte er schon vor zwei Jahren. Damals blieb er beim Frankfurt Marathon nur einen Monat nach Makaus Weltrekordlauf lediglich vier Sekunden hinter der neuen Weltbestmarke zurück. Kipsang verbreitete direkt nach dem Rennen eine Kampfansage: Er sei auf dem Weg zum Weltrekord. Wo könnte das besser klappen als auf der „schnellsten Strecke der Welt“, wie Milde sein Rennen nicht ohne Stolz nennt?

Der kenianische Favoritenkreis beim Berlin-Marathon

Dass seine härtesten Konkurrenten dabei aus dem eigenen Land kommen, überrascht wenig. Allen voran Eliud Kipchoge, der ursprünglich von den kürzeren Strecken kommt, wird Kipsang attackieren wollen. 2004 holte Kipchoge über die 5000 Meter bei den Olympischen Spielen in Athen Bronze, 2008 in Peking über die gleiche Distanz gar Silber. Als der 28-Jährige sich im April 2013 erstmals auf die Marathonstrecke wagte, holte er in Hamburg prompt den Sieg und stellte mit 2:05:30 Stunden gar einen neuen Streckenrekord auf. „Kipchoge hat eine hohe Variabilität“, sagt Milde und adelt den Kenianer mit dem größten Lob, das ein Starter beim Berlin Marathon bekommen kann: „Er erinnert an Haile Gebrselassie.“

Kipsang sollte also vor Kipchoge gewarnt sein: Auf der Bahn liegt dessen Bestzeit über zehn Kilometer fast zwei Minuten unter der von Kipsang. „Das wird ein interessanter Zweikampf“, sagt Mark Milde, „das wird richtig spannend.“ Aber selbstverständlich fordert nicht nur ein Kenianer Wilson Kipsang heraus. Nein, es werden wieder viele Spitzenläufer aus dem ostafrikanischen Land vorne dabei sein. Im vergangenen Jahr erliefen sich kenianische Starter die ersten neun Plätze beim Berlin Marathon.

So wird auch wieder Kipsangs Namensvetter Geoffrey Kipsang auf sich aufmerksam machen wollen. 2011 triumphierte der damals erst 18-Jährige beim Berliner Halbmarathon. Zuvor war er bereits Crosslauf Junioren-Weltmeister geworden und sorgte dann auch beim Marathon in Berlin für Furore – als Tempomacher für die Spitzenläufer. Das klappte so gut, dass es am Ende für einen neuen Weltrekord von Patrick Makau reichte. Ein Jahr später lief Geoffrey Kipsang selbst weit nach vorne: In der Spitzenzeit von 2:06:12 Stunden wurde er Dritter. Als erfolgreichster Läufer, der nicht aus Kenia stammt, ist Marilson Dos Santos am Start. Der 36 Jahre alte Brasilianer reist mit einer Bestzeit von 2:06:34 an, gelaufen 2011 in London. Die Zeit reichte zu Platz vier, vor ihm: drei Kenianer. Doch auch Dos Santos weiß, wie es ist, ganz oben auf dem Siegerpodest zu stehen: 2006 und 2008 gewann er den Marathon in New York.

Deutsche Starter wollen EM-Norm knacken

Die schnellsten deutschen Starter sind André Pollmächer und Falk Cierpinski. Der 30 Jahre alte Pollmächer hat sich erst Anfang des Monats in Düsseldorf nach überstandener Oberschenkelverletzung in der Spitze zurückgemeldet. Über zehn Kilometer lief er mit 28:46 Minuten persönliche Bestleistung. Für ihn geht es in Berlin in erster Linie darum, „dass ich endlich mal wieder bei einem Marathon ins Ziel komme“, wie er dem Onlinemagazin des Deutschen Leichtathletik-Verbands verriet, und natürlich um das Unterbieten der erst kürzlich festgelegten Norm zur Qualifikation für die Europameisterschaften in Zürich im kommenden Jahr. Die liegt bei 2:13:30 Stunden. Pollmächer hat diese Zeit schon einmal geknackt: 2009 lief er 2:13:09 Stunden.

Falk Cierpinskis Bestzeit liegt exakt gleichauf mit der EM-Norm. Der Sohn von Marathon-Olympiasieger Waldemar Cierpinski war in diesem Jahr schon einmal auf Berlins Straßen unterwegs: Beim Halbmarathon im April lief er in 1:05:46 Stunden persönliche Bestzeit. Für ein schnelles Rennen werden die beiden an der Spitze natürlich nicht sorgen können, aber dafür ist ja jemand anderes zuständig: Wilson Kipsang aus Kenia.

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