Jogger staunen nicht schlecht, Radfahrer wundern sich und Spaziergänger schütteln im Angesicht der unzähligen Stapel von Zaunelementen aus Metall den Kopf. Der Tiergarten wird in den kommenden Tagen zu einer Sicherheitszone, ab Donnerstag dürfen bestimmte Bereiche nicht mehr betreten und passiert werden.
Seit dem vergangenen Freitag errichten Arbeiter meterhohe Zäune in und um den Tiergarten. Nach dem Anschlag beim Marathon in Boston (USA) wurden die Sicherheitsstandards für den 40. BMW-Berlin-Marathon am kommenden Sonntag erhöht. Dazu gehört die Einzäunung des Tiergartens und die Kontrolle der Besucher.
„Das Bezirksamt Mitte als Vermieter und Genehmigungsbehörde hat uns als Veranstalter die Auflage erteilt, den Tiergarten einzuzäunen“, sagt Jürgen Lock, Geschäftsführer der SCC Events GmbH. „Es entsteht ein äußerer und ein innerer Sicherheitsring, die Sportler und Zuschauer kommen nur an bestimmten Eingängen auf das Gelände.“ Bevor sie den Marathon-Bereich betreten, werden sie von Mitarbeitern einer privaten Sicherheitsfirma stichprobenartig kontrolliert. Nur Läufer mit einer Startnummer und einem Armbändchen, das auf der Messe „Berlin-Vital“ fest angelegt wurde, dürfen passieren.
Die Sicherheit kostet viel Geld
Für den ungefähr fünf Kilometer langen Zaun zahlt der Veranstalter knapp 200.000 Euro zusätzlich. Der SCC rechnet mit zusätzlichen Kosten im sechsstelligen Bereich für Zaun und mehr Sicherheitspersonal. Eine Investition, an deren Zweckmäßigkeit beim SCC gezweifelt wird, denn der Anschlag von Boston hätte auch nicht mit einem Zaun verhindert werden können, heißt es. Lock fordert eine einheitliche Rechtsgrundlage, an die sich künftig alle Veranstalter zu halten haben. „Wenn wir einen Zaun errichten müssen, dann aber bitte auch bei allen anderen Veranstaltungen, die im Tiergarten stattfinden“, sagt er.
Es gibt am Veranstaltungstag nur zwei Zugänge zur Kleiderablage. Die befinden sich südlich des Bundeskanzleramtes an der Paul-Löbe-Allee und am Platz der Republik (Wiese vor dem Reichstag) gegenüber des Haupteingangs zum Reichstag. Aus Sicherheitsgründen dürfen nur offizielle Kleiderbeutel abgegeben werden. Lock weist daraufhin hin, dass der Start auf 8.45 Uhr vorverlegt wurde, Zugang zum Startgelände ist ab 6.30 Uhr.
Die Sicherheitsmaßnahmen dürften nicht bei allen auf Begeisterung stoßen, da sie – für Sportler wie für Zuschauer – doch mit gewissen Einschränkungen verbunden sind. Für gute Laune könnte allerdings das Wetter sorgen. Denn die Aussichten sind sehr gut. Auf „bestes Marathon-Wetter“, so Lock, lassen die Prognosen hoffen. Etwa elf Grad beim Start, Tageshöchsttemperaturen von 17 Grad, kein Regen, eine Witterung, wie sie sich die Läufer wünschen.
Allein 41.120 Läufer und Power Walker haben sich angemeldet, diese Zahl bedeutet Rekord. Zusammen mit Inline-Skatern (sie starten am Sonnabend um 15.30 Uhr auf der Straße des 17. Juni), Handbikern und Rollis haben sich 47.614 Teilnehmer vorgenommen, auf das 42,195 Kilometer lange Abenteuer durch die Hauptstadt zu gehen. Die Favoriten kommen wie so oft aus Kenia. Star bei den Männern ist Wilson Kipsang, dessen Bestzeit nur vier Sekunden unter dem bestehenden Weltrekord liegt. Bei den Frauen wäre alles andere als ein Erfolg von Florence Kiplagat überraschend. Sie kennt die Strecke gut: Die 26-Jährige gewann den Marathon vor zwei Jahren.
Autos an der Strecke werden abgeschleppt
Aber Berlin-Marathon bedeutet nicht nur Laufen: Von Donnerstag an ist die Messe „Berlin Vital“ auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof geöffnet, wo sich alle Teilnehmer ihre Startunterlagen abholen müssen. Dort findet am Sonnabend auch ein sportmedizinisches Symposium statt.
Motorisierte Verkehrsteilnehmer werden am Sonnabend und Sonntag wieder auf eine harte Probe gestellt. Die Strecke ist weiträumig abgesperrt. Die Polizei appelliert an die Verkehrsteilnehmer, die Innenstadt und die Straßen an der Strecke zu meiden. Polizeidirektor Andreas Retschlag formuliert die „inständige Bitte“, man möge die Beschilderungen für Parkverbote „ernst nehmen“. Im vergangenen Jahr mussten 670 Fahrzeuge abgeschleppt werden.
Im vergangenen Oktober waren innerhalb von dreieinhalb Stunden alle Startnummern für 2013 vergeben. Die Veranstalter haben sich nun für ein anderes Prozedere entschieden. Vom kommenden Montag an kann sich jeder Starter für den Marathon 2014 zwei Wochen lang online registrieren, danach werden die Plätze ausgelost. „So haben alle die Chance, dabei zu sein“, sagt Lock.





