Der Weg war steinig, doch am Ende lief für die deutsche Handball-Nationalmannschaft überraschend doch noch alles nach Plan. Die Mannen von Bundestrainer Alfred Gislason haben mit dem 34:32 über Spanien nicht nur die Blamage des Vorrunden-Aus bei der Handball-Europameisterschaft abwenden können. Sie zogen durch die Schützenhilfe Österreichs gegen Serbien sogar mit 2:0 Punkten in die Hauptrunde ein. Das bedeutet:vier weitere Topgegner, die seit Dienstagabend auch feststehen und Dänemark, Norwegen, Portugal sowie Frankreich heißen.

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Handball-EM: Die Reihenfolge der deutschen Partien steht schon mal

Die Reihenfolge der Partien steht fest, in der Nacht zu Mittwoch legte der europäische Verband EHF auch die Uhrzeiten (15.30, 18 und 20.30 Uhr) der jeweiligen Paarungen fest. Die TV-Wünsche im Gastgeberland Dänemark spielten dabei eine entscheidende Rolle. Fakt ist, dass Deutschland am Donnerstag um 15.30 Uhr gegen Dänen-Schreck Portugal startet, das die Dänen am Dienstagabend sensationell 31:29 bezwang. David Späth freut sich schon aufs Duell mit dem Gastgeber am Montag (20.30 Uhr): „Für mich gibt es nichts Besseres“, sagt der DHB-Torhüter zur erwarteten Atmosphäre der 15.000 Zuschauer in der Jyske Bank Boxen von Herning. „Wir werden versuchen, die Energie der dänischen Fans aufzusaugen und sie für uns zu nutzen.“

Die frühe Anwurfzeit – bislang spielte das Gislason-Team immer abends um 20.30 Uhr, stets abwechselnd mit Dänemark – zwingt den DHB-Stab dazu, den Tagesablauf zu ändern. Statt der morgendlichen Aktivierung werde es einen Spaziergang geben, erklärte Nationalmannschaftsmanager Benjamin Chatton. Vor dem Spiel wird es nicht wie üblich ein Mittagessen geben, da die Mannschaft sich bereits um 13 Uhr auf den Weg nach Herning begibt, um sich auf das Portugal-Spiel endgültig vorzubereiten.

Was das Gislason-Team noch so erwartet in der Hauptrunde? Kleine Porträts der kommenden Gegner des olympischen Silbermedaillengewinners von Paris.

Handball-EM: Portugal und das Wunderkind Francisco Costa

Handball EM: Dänemark - Portugal
Die Sensation der EM: Portugal besiegt den Superfavoriten Dänemark in dessen Wohnzimmer und feiert diesen historischen Moment.© Sina Schuldt/dpa | Sina Schuldt

Portugal (Donnerstag, 22. Januar, 15.30 Uhr/2:0 Punkte): Bei der Erwähnung dieses Hauptrundengegners müsste jeder der deutschen Nationalspieler eigentlich der Schrecken durch die Glieder fahren. Bei der WM im Vorjahr war für das arg gebeutelte Gislason-Team im Viertelfinale Endstation gegen die Iberer. Portugal gewann in Oslo nach Verlängerung mit 31:30, zog statt der DHB-Auswahl ins Halbfinale ein.

Donnerstag

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Schon 2025 ein Topmann: Francisco Costa. Der rechte Rückraumspieler wird Mitte Februar erst 21 Jahre alt und ist bereits einer der Besten auf dieser Position. Was ihn unwiderstehlich macht: sein Antritt, mit den ersten zwei, drei Schritten schlängelt er sich in Windeseile um seine Gegenspieler. Ihm und seiner elf Tore im zweiten Gruppenspiel war es zu verdanken, dass Portugal nicht komplett eiskalt erwischt wurde von Nordmazedonien. Das 29:29 ließ das Team vom Balkan am Dienstag noch hoffen, statt Portugal die Hauptrunde zu erreichen. Doch nach dem dürftigen 24:23 war klar, dass die Tordifferenz (vor Spielbeginn 17 Tore zum Vorteil der Portugiesen) zugunsten des Teams um Costa reichen würde, dessen Wurfgeschwindigkeit von 132 km/h mit der von DHB-Scharfschütze Miro Schluroff Stand halten kann. Mehr noch: Portugal feierte mit dem 31:29 über die Hausherren die Sensation des Turniers. Ebenfalls aufzupassen gilt es auf: den zweiten Costa, Kikos Bruder Martim, die Kreiskolosse Victor Iturriza und Luis Frade sowie der linke Rückraumrecke Salvador Salvador.

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Handball-EM: Norwegen und der ewige Sander Sagosen

Frankreich - Norwegen
Sander Sagosen (weißes Trikot, hier gegen Frankreich) führt noch immer Regie bei den Norwegern.© Stian Lysberg Solum/NTB/dpa | Stian Lysberg Solum

Norwegen (Samstag, 24. Januar, 20.30 Uhr/0:2 Punkte): Zweifelsohne ein unangenehmer Gegner. Nach der Pflicht gegen die Ukraine gab das dürftige 29:25 gegen Tschechien den Ausschlag, sich für die Hauptrunde zu qualifizieren. Auch wenn das Ergebnis im Spiel um den Gruppensieg letztlich mit 34:38 gegen Frankreich von der Differenz her relativ knapp ausfiel, zeigte es die Schwächen der Skandinavier auf: „Es war zeitweise frustrierend“, sagte Torhüter Thorbjörn Bergerud über die löchrige Defensive, die seit der EM 2016 keine 38 Gegentore mehr kassiert hatte. „Der Handball hat sich verändert“, sagte der 31-Jährige von Wisla Plock. „Es werden mehr Tore als vor zehn Jahren erzielt. Aber wirklich konkrete Erklärungen darüber hinaus habe ich nicht.“

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Norwegens Hoffnungen auf eine zweite EM-Medaille – die Ausbeute beschränkt sich auf das Bronze von 2020 – ruhen vor allem auf Sander Sagosen. Der 30-Jährige spielt bei Aalborg HB an der Seite von Juri Knorr, ist mit nun 215 Toren viertbester Schütze der EM-Geschichte nach dem Dänen Mikkel Hansen (296 Tore), Frankreichs Nikola Karabatic (295) und dem früheren Island-Star und heutigen Trainer des VfL Gummersbach, Gudjon Valur Sigurdsson (288). Sagosen traf gegen Frankreich neunmal. „Das war das beste Länderspiel seit Jahren von ihm“, freute sich Nationaltrainer Jonas Wille. „Er gibt diesem Team so viel Energie.“ Wozu das nun reicht nach dem Umzug des Co-Gastgebers von Oslo nach Herning? „Ich habe etwas gemischte Gefühle“, so Wille, der sich aber über die Leistungen des treffsicheren Linksaußen August Pedersen (17 von 20) freuen konnte. „Es gibt einige Situationen, über die wir uns ärgern.“

Handball-EM: Das Über-Team mit Gidsel, Pytlick undundund

Dänemark (Montag, 26. Januar, 20.30 Uhr/0:2 Punkte): Was wird einer Mannschaft bescheinigt, die einen Spieler wegen eines Kreuzbandrisses im Turnier nicht mehr einsetzen kann und dafür keinen Ersatz nachnominiert? Ganz sicher: grenzenloses Selbstvertrauen. Der EM-Triumph fehlt den Dänen noch, um alle drei großen Titel gleichzeitig inne zu haben. Weltmeister wurden sie im vergangenen Jahr, Olympiasieger 2024 durch einen Erdrutschsieg im Finale von Paris über Deutschland. Der bedauernswerte Spieler, der sich verletzt hat und nicht mehr an der EM-Mission mitwirken kann, ist übrigens der Flensburger Kreisläufer Lukas Jörgensen.

Angeschlagen und trotzdem überragend: Dänen-Star Simon Pytlick.
Angeschlagen und trotzdem überragend: Dänen-Star Simon Pytlick.© AFP | Bo Amstrup

Zugegeben, mit dem 29:31 gegen Portugal hat niemand gerechnet. Trotzdem würde es zu weit führen, alle Stars aufzuzählen. Es reicht eigentlich, Welthandballer Mathias Gidsel und Simon Pytlick zu erwähnen. Dänemarks Rückraum-Torjäger (Gidsel hat 25 Tore, Pytlick 23 Tore) sind eine Klasse für sich. Aber: Zumindest Pytlick, der ab 2027 gemeinsam mit Gidsel bei den Füchsen Berlin zaubern wird, spürt noch immer die Folgen eines Unterarmbruchs. „Ich habe einen Arm, den ich nicht zu 100 Prozent drehen kann“, sagt der 25-Jährige. „Ich habe noch Schmerzen und weiß nicht, ob sie zu 100 Prozent verschwinden.“

Sollte es ausnahmsweise vorne nicht wie am Schnürchen laufen, kann sich Dänen-Trainer Nicolaj Jacobsen noch auf das starke Torhüter-Duo Emil Nielsen und Kevin Möller verlassen. „Wir sind überglücklich, die beiden zu haben. Jeder kennt Emil und seine Stärken. Aber wir wissen, dass auch Kevin noch sehr wichtig sein wird in diesem Turnier“, sagt Rasmus Lauge. Der 34 Jahre alte Rückraumspieler ist seit 2010 Teil der dänischen Nationalmannschaft und sagt über deren Entwicklung: „Es macht so viel Spaß, dieser Mannschaft bei ihrer Entwicklung zuzusehen. Als ich dazu kam, war unser Handball noch ein ganz anderer. Seit der Umstellung gab es nur ein Turnier, bei dem wir nicht um Medaillen gespielt haben. Das wird auch dieses Jahr wieder der Fall sein.“

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Handball-EM: Frankreich und die Gier nach der Titelverteidigung

Frankreich (Mittwoch, 28. Januar, 18 Uhr/2:0 Punkte): Wer an Dänemark und Deutschland denkt, darf Frankreich nicht vernachlässigen. Der Titelverteidiger ist eindrucksvoll in das Turnier gestartet, 126 Tore gegen Tschechien (42:28), die Ukraine (46:26) und Norwegen (38:34) sprechen Bände. So häufig wie die Equipe Tricolore gegen die Ukraine traf bislang noch nie eine Mannschaft in einem einzelnen EM-Spiel. „Wir sind schon gut, aber wir können noch besser sein“, sagt der Rückraum-Linke Elohim Prandi. Er fasst sich stellvertretend fürs Team selbst an die Nase, wenn die Franzosen das nächste Tor nicht abwarten können und ungeduldig werden: „Wir bringen uns dadurch manchmal selbst in Gefahr, mit diesen Situationen müssen wir noch besser umzugehen wissen.“

Frankreich - Norwegen
Frankreichs Star Dika Mem setzt sich durch.© Stian Lysberg Solum/NTB/dpa | Stian Lysberg Solum

Aber was soll man sagen? Im Tor zeigen bislang sowohl Charles Bolzinger als auch Remis Desbonnet ihre Klasse. Dika Mem, der ab 2027 für die Füchse Berlin spielen wird, führt im Rückraum Regie, bedient Nicolas Tournat am Kreis, Melvyn Richardson (ein blendender Siebenmeterschütze) auf Halbrechts und Dylan Nahi auf Linksaußen. Mit 17 Toren ist der Ersatz für den erst gegen Norwegen ins Turnier eingestiegene Hugo Descat bislang treffsicherster Spieler im Team von Nationaltrainer Guillaume Gille. „Dass wir mit zwei Punkten in die Hauptrunde gehen ist extrem wichtig“, sagt der 49-Jährige, der von 2002 an zehn Jahre für den HSV Hamburg in der Bundesliga spielte. „Uns erwarten ausschließlich Medaillen-, wenn nicht gar Titelanwärter. Da wird kein Fehler verziehen.“

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