Tobias Obermaier hat eine Handynummer von Robert Harting, ob sie noch stimmt, weiß er aber nicht. „Vielleicht rufe ich ihn einmal an“, sagt er und fügt hinzu: „Wenn es bei der EM in Berlin wirklich mit einer Medaille klappt.“ Er traut Harting jedenfalls zu, dass er bei den Europameisterschaften noch einmal auf den Sprung aufs Treppchen schafft. „Er ist ein absoluter Wettkampftyp, man darf ihn niemals abschreiben“, sagt Obermaier.

Hartings Talent war früh zu sehen

Das war damals schon so, als die beiden in der Jugend noch gegeneinander antraten. Das Talent von Robert Harting war früh erkennbar gewesen, als Jugendlicher war er nahezu unschlagbar. Doch Tobias Obermaier kann von sich behaupten, dass er Deutschlands wohl bekanntesten Leichtathleten schon einmal bezwungen hat. Bei den deutschen Winterwurfmeisterschaften 2003 in Leverkusen landete der Bayer nämlich vor Robert Harting.

Beide waren damals 19 Jahre alt. „Es war kalt und der Ring sehr rutschig, es gab viele Fehlversuche“, erinnert sich Obermaier an den Tag des Wettkampfs zurück. Harting lag zunächst in Führung, doch mit dem vorletzten Versuch zog sein bayerischer Konkurrent vorbei. Im letzten Durchgang warf Harting zwar noch einmal weiter, doch sein Wurf wurde ungültig gegeben.

Harting plagte sich schon immer mit Verletzungen

„Er war danach erst einmal stinksauer“, sagt Obermaier. „Aber genau das hat Robert damals schon ausgezeichnet: Dass er immer mit voller Emotion bei der Sache war.“ Sein Trainer Gerd Neubauer, inzwischen Präsident des Bayerischen Leichtathletik-Verbands, hätte deshalb schon früh gesagt, dass aus Harting einmal ein Großer werden würde. Zwar plagte sich dieser bereits damals mit einigen Verletzungen herum. Einmal, so erzählt Obermaier, soll er in seiner Freizeit über einen Zaun geklettert sein und sich dabei an der Wurfhand verletzt haben.

Doch Hartings körperliche Voraussetzungen sprachen trotz dieser leichten Anfälligkeit für Missgeschicke dafür, dass er den Durchbruch schaffen würde. „Er war zehn Zentimeter größer und gefühlt 30 Kilogramm schwerer als ich“, sagt der einstige Kontrahent. Was ihm an Kraft und Spannweite fehlte, versuchte Obermaier allerdings mit guter Technik wettzumachen. Bei der U18-WM 2001 war er einmal Sechster gewesen, doch den Sprung in den Erwachsenenbereich schaffte er trotzdem nicht. Nach hartnäckigen Schulterproblemen beendete Obermaier schließlich seine Karriere vorzeitig. Heute arbeitet er bei BMW als Ingenieur Steuer- und Regelungstechnik.

Der 34-Jährige weiß noch genau, wie er damals das erste Mal mit Robert Harting ins Trainingslager fuhr. „Er kam aus Cottbus, ich aus Bayern. Wir haben uns zwar unterhalten, aber wegen des jeweiligen Dialekts nicht immer alles verstanden“, sagt er. Überhaupt seien sie anfangs nicht gut aufeinander zu sprechen gewesen. „Erst waren wir Konkurrenten, aber mit der Zeit sind wir dann richtige Freunde geworden“, so Obermaier. Harting und er gingen gemeinsam feiern oder verbrachten die Abende im Bundesleistungszentrum in Kienbaum mit Billardspielen.

Einmal zerriss Obermaier nach einem Wettkampf sogar sein Vereinstrikot der LAC Quelle Fürth/München – fast so, wie es Robert Harting 2009 im Berliner Olympiastadion tat, als er dort zum ersten Mal Weltmeister wurde. Bei Tobias Obermaier war es jedoch nicht aus Freude, sondern der Frust trieb ihn zu dieser Aktion. Und anders als bei Harting kam sie auch nicht sonderlich gut an. Stattdessen gab es für den jungen Athleten später ziemlichen Ärger mit seinem Klub.

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