Wer auf sinkende Bauzinsen hofft, könnte vorerst enttäuscht werden. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre Leitzinsen in diesem Jahr bereits zweimal erhöht. Zugleich sorgen hohe Staatsschulden für Unruhe an den Finanzmärkten. Das zeigt sich derzeit auch in Frankreich.
Steigende französische Anleiherenditen könnten über die europäischen Kapitalmärkte auch auf die Zinsen deutscher Baufinanzierungen durchschlagen, erklärt Finanzmarktexperte Rainer Eichwede von der Bausparkasse Schwäbisch Hall. Ob es dazu kommt, ist allerdings offen. Was das für die weitere Zinsentwicklung bedeutet und worauf Kreditnehmer jetzt achten sollten, zeigt der Zins-Check der Woche.
Dazu spannend: Der Baufinanzierungsvergleich zeigt die Zinsen im Oktober 2026. Der Kredit-Ticker verfolgt die neuesten Änderungen bei den Banken.
Bauzinsen: Warum Frankreichs Schulden eine Rolle spielen können
Hinter dem Zinsanstieg in Frankreich stehen wachsende Sorgen um die Staatsfinanzen. Nach Einschätzung von Peter Reichel, Investmentchef beim Vermögensverwalter Oddo BHF, erschweren schwaches Wachstum und politische Unsicherheit den Abbau des Haushaltsdefizits. Anleger verlangen deshalb eine höhere Verzinsung, wenn sie dem Staat Geld leihen.
Der Zins-Check der Woche:
Im Format „Zins-Check der Woche“ teilen Profis aus der Branche jede Woche praktische Tricks für Immobilienkäufer und aktuelle Entwicklungen auf dem Markt. Die wichtigsten Fragen rund um Baufinanzierung und Zinstrends diskutieren wir mit Immobilienprofis. Haben Sie auch Fragen oder Anmerkungen zu dem Thema? Schreiben Sie unserer Redakteurin, sie stellt sie unseren Experten.
Dieser Druck kann über Frankreich hinauswirken. Steigende französische Anleiherenditen könnten auch andere langfristige Zinsen in Europa nach oben ziehen, erläutert Eichwede. „Da sich Bauzinsen stark an diesen langfristigen Kapitalmarktzinsen orientieren, können Immobilienkredite dadurch ebenfalls teurer werden.“ Zwangsläufig sei das allerdings nicht. „Eine verlässliche Prognose ist aufgrund der Vielzahl an globalen Krisenherden derzeit kaum möglich“, sagt Eichwede. Der Profi rechnet grundsätzlich mit einer Seitwärtsbewegung bei den Bauzinsen, die jedoch mit „erheblichen Schwankungen“ einhergehen wird.
Für Kaufinteressenten bleibt die Entwicklung damit schwer kalkulierbar. „Wer eine Immobilie kaufen möchte, sollte deshalb nicht auf den vermeintlich perfekten Zeitpunkt warten“, rät Eichwede. Wichtiger sei eine Finanzierung, die auch dann ins eigene Budget passe, wenn die Zinsen länger auf dem aktuellen Niveau blieben.
Baufinanzierung: Was für die Zinsen in den kommenden Monaten entscheidend ist
Für die weitere Entwicklung kommt es laut Eichwede vor allem darauf an, wie sich die globalen Krisen auf Inflation, Wirtschaftswachstum und die Fähigkeit von Staaten auswirken, ihre Schulden zu bedienen. Auch die Haltung der EZB zu möglichen Stützungsmaßnahmen spiele eine Rolle. Dazu könnten etwa gezielte Käufe von Staatsanleihen gehören, um übermäßige Zinsausschläge einzudämmen. Solche Eingriffe sind allerdings an strenge Voraussetzungen gebunden und sollen Staaten nicht einfach die Folgen ihrer Haushaltspolitik abnehmen.
Auf ein schnelles Eingreifen der EZB zugunsten Frankreichs setzt Reichel demnach nicht. Solange die höheren Risikoaufschläge die Haushaltsprobleme und die politische Unsicherheit widerspiegelten, sehe er dafür keinen Anlass. Ein Eingriff wäre aus seiner Sicht vor allem dann denkbar, wenn die Marktbewegungen die gemeinsame Geldpolitik im Euroraum beeinträchtigten.
Baufinanzierung: Was Käufer außer dem Zinssatz verhandeln können
Wenn niedrigere Bauzinsen nicht planbar sind, lohnt sich der Blick auf andere Einflussfaktoren der Immobilienfinanzierung. „Viele Kreditnehmer schauen zuerst auf den Zinssatz“, sagt Baufinanzierungsexpertin Kathrin Raach von der Bausparkasse Schwäbisch Hall. „Dabei gibt es weitere Stellschrauben, die mindestens genauso wichtig sein können: etwa die anfängliche Tilgung, die Dauer der Zinsbindung oder die Möglichkeit von Sondertilgungen.“

Die anfängliche Tilgung bestimmt, wie schnell Kreditnehmer zu Beginn der Finanzierung ihre Schulden abbauen. Die Zinsbindung legt fest, wie lange der vereinbarte Zinssatz gilt. Sondertilgungen ermöglichen zusätzliche Rückzahlungen neben den regulären Raten.
Raach rät dazu, mehrere Angebote zu vergleichen und diese Punkte gezielt anzusprechen. So könnten Käufer häufig bessere Konditionen oder mehr Flexibilität erreichen. Bei Krediten über mehrere Hunderttausend Euro und Laufzeiten von mehreren Jahrzehnten können laut Raach schon kleine Unterschiede insgesamt mehrere Tausend Euro ausmachen.
Niedrige Monatsrate: Auf die Restschuld kommt es an
Eine niedrige Rate allein macht ein Angebot allerdings noch nicht günstig. „Die Kosten können steigen, wenn die Tilgung zu niedrig angesetzt ist und die Schulden dadurch nur langsam sinken“, erklärt Raach. Bei einem üblichen Annuitätendarlehen fließt ein Teil der Monatsrate in die Zinsen, der andere in die Rückzahlung des Kredits. Fällt dieser Tilgungsanteil gering aus, schont das zunächst das Budget. Dafür bleibt länger eine höhere Restschuld bestehen, auf die Zinsen anfallen.
„Käufer sollten deshalb nicht allein auf die monatliche Rate achten, sondern sich immer auch die voraussichtliche Restschuld am Ende der Zinsbindung zeigen lassen“, empfiehlt Raach. Für diesen Betrag benötigen sie in der Regel eine Anschlussfinanzierung. Sind die Zinsen bis dahin gestiegen, kann die monatliche Belastung höher ausfallen.
Entscheidend sei deshalb, dass der Kredit nicht nur heute ins Budget passe. Auch die spätere Anschlussfinanzierung müsse bezahlbar bleiben – gerade dann, wenn das Zinsniveau höher liegen sollte.
Quellen:
Im Gespräch mit Finanzmarktexperten Rainer Eichwede und Baufinanzierungsexpertin Kathrin Raach von der Bausparkasse Schwäbisch Hall im Oktober 2026.
Markteinschätzung von Peter Reichel, Chief Investment Officer der ODDO BHF, im Oktober 2026.
„Monetary policy decisions“, in: Europäische Zentralbank (EZB), 21. Juli 2022. Zuletzt abgerufen am 28. Oktober 2026.



