Die Leitzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) beeinflussen nicht nur Kredite und Finanzmärkte, sondern auch die Zinsen auf Tagesgeld und Festgeld. Am Donnerstag, 29. Oktober, steht die nächste Entscheidung der Währungshüter an. Den für Anleger und Sparer relevanten Einlagezins haben die Währungshüter zuletzt im September auf 2,5 Prozent angehoben. Folgt nun der nächste Zinsschritt?

Vor dem Termin zeichnet sich bei den Prognosen der Experten ein recht eindeutiges Bild ab. Eine Expertin verrät zudem, was der morgige Termin für die Sparzinsen bedeuten kann. Welche Banken Sparern aktuell bereits 4,0 Prozent oder mehr Zinsen zahlen, lesen Sie in einem separaten Text.

Alle Informationen zum Livestream und zu kommenden EZB-Terminen finden Sie in unserem Ratgeber „EZB-Zinsentscheid: Wann? Termine und Livestream im Überblick“. Auch die US-Notenbank Fed entscheidet diese Woche über den weiteren Zinskurs – Prognosen finden Sie in einem separaten Text.

EZB-Zinsentscheid am Donnerstag: Expertin teilt wichtige Prognose für Sparer

„Für den Oktober-Entscheid gehe ich von einer Zinspause aus“, sagt Jasmin Ehlert, Chefanalystin der Zinsplattform Raisin, gegenüber unserer Redaktion. Konstantin Veit, Portfoliomanager beim Vermögensverwalter Pimco, stimmt zu: „Ich gehe davon aus, dass die EZB den Einlagensatz bei ihrer Sitzung im Oktober unverändert bei 2,5 Prozent belassen wird.“

Für die EZB bleibt die Entscheidung ein Balanceakt: Einerseits treiben gestiegene Energiepreise die Inflation an. Andererseits würden höhere Zinsen die Konjunktur belasten. „Die EZB ist deswegen weiterhin vorsichtig, die Zinsen nicht unnötig zu erhöhen“, erklärt Ehlert.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde
Christine Lagarde entscheidet gemeinsam mit den Mitgliedern des EZB-Rats erneut über die Zinsen im Euroraum.© Andreas Arnold/dpa | Andreas Arnold

Hinzu kommt eine Entwicklung, die der Notenbank einen Teil der Arbeit abnimmt: Die Turbulenzen an den französischen und anderen europäischen Anleihemärkten haben die Finanzierung bereits verteuert. Unternehmen und Staaten müssen damit höhere Kosten für neues Kapital tragen. Das kann die Wirtschaft bremsen und den Preisdruck dämpfen – auch ohne eine weitere Zinserhöhung der EZB. „Dadurch hat die Notenbank aktuell den Spielraum abzuwarten“, so Ehlert.

Eine Zinspause im Oktober würde allerdings noch kein Ende der Zinserhöhungen bedeuten. Veit rechnet in seinem Basisszenario mit einem weiteren Schritt im Dezember. Auch Michael Field, Chefstratege für die europäischen Märkte beim Analysehaus Morningstar, hält eine Zinserhöhung im Dezember für wahrscheinlicher. Entscheidend bleibt, ob sich der Preisdruck verfestigt. Dafür sieht Veit aktuell keine Hinweise: „Zwar ist die Inflation derzeit erhöht, bislang gibt es jedoch keine Hinweise auf eine nachhaltige Verfestigung des Preisauftriebs.“ Weitere Prognosen für den Leitzins 2026 und 2027 finden Sie in einem separaten Text.

Tagesgeld und Festgeld: „Noch etwas Spielraum nach oben“

Für Sparer bleiben die Aussichten nach Einschätzung von Ehlert vorerst „erfreulich“. Auch wenn die EZB am Donnerstag die Füße stillhalten sollte, könnten Banken ihre Angebote noch verbessern. „Beim Tagesgeld sehen wir bis zum Jahresende noch etwas Spielraum nach oben“, sagt die Raisin-Chefanalystin.

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Dabei bezieht sie sich ausdrücklich auf Angebote ohne kurzfristige Lockzinsen. Die Spitzenkonditionen in diesem Bereich dürften noch leicht zulegen, nach ihrer Einschätzung aber unter der Marke von drei Prozent bleiben. Eine mögliche Leitzinserhöhung im Dezember könnte den Anstieg zusätzlich beschleunigen. Welche Banken derzeit die besten Konditionen bieten, zeigt unser Tagesgeldvergleich. Die neuesten Zinsänderungen finden Sie im Spar-Ticker.

Auch beim Festgeld hält Ehlert punktuelle Verbesserungen noch für möglich. Viel Zeit für weitere Steigerungen könnte allerdings nicht bleiben: Anfang 2027 dürfte das Zinsplateau ihrer Einschätzung nach erreicht sein. „Vor diesem Hintergrund dürfte es sich für Sparerinnen und Sparer lohnen, sich das aktuell hohe Zinsniveau langfristig zu sichern“, rät sie.

EZB-Ratssitzung
Steigende Zinsen kommen Sparern zugute. Sie ermöglichen bessere Konditionen bei Produkten wie Fest- oder Tagesgeld.© Florian Wiegand/dpa | Florian Wiegand

Wer einen Teil seines Geldes länger entbehren kann, sichert sich mit Festgeld den vereinbarten Zinssatz für die gesamte Laufzeit. Geld für unerwartete Ausgaben sollte dagegen verfügbar bleiben. Eine Aufteilung auf Tagesgeld und Festgeld verbindet diese Reserve mit längerfristig planbaren Zinsen.

EZB vor dem Zinsentscheid: Was bedeutet eine Zinspause für Aktien?

„An den Kapitalmärkten ist weiterhin Volatilität zu erwarten“, sagt Ehlert. Anleger sollten sich demnach auf Kursschwankungen einstellen. Die Analystin nennt mehrere Gründe: Hohe Ölpreise belasten Unternehmen, zugleich wachsen die Zweifel daran, ob sich die hohen Investitionen in künstliche Intelligenz auszahlen.

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Hinzu kommen gestiegene Finanzierungskosten. Unternehmen müssen dadurch mehr Geld für Kredite oder andere Formen der Kapitalaufnahme aufbringen. Auch die Konkurrenz durch andere Anlageklassen nimmt zu. „Gleichzeitig sind die Anleiherenditen wieder gestiegen – damit gewinnen Anleihen im Vergleich zu Aktien wieder an Attraktivität“, erklärt Ehlert.

Bauzinsen: Experten erwarten vorerst eine Pause auf hohem Niveau

Für Immobilienkäufer bedeutet eine mögliche EZB-Zinspause nicht automatisch günstigere Kredite. Bauzinsen hängen nicht unmittelbar vom Einlagezins der Notenbank ab. Entscheidend sind vor allem die langfristigen Kapitalmarktzinsen, die wiederum auf Inflations- und Zinserwartungen reagieren.

Bitte beachten:

Aktien, Immobilien und andere Investments sind grundsätzlich mit einem Risiko verbunden. Auch ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals kann nicht ausgeschlossen werden. Ebenso können Kredite eine erhebliche finanzielle Belastung darstellen. Verbraucher sollten ihre finanzielle Situation sorgfältig prüfen und alle Kosten gründlich durchrechnen. Die veröffentlichten Artikel, Daten und Prognosen sind keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Rechten und ersetzen keine fachliche Beratung.

Nach Angaben von Interhyp lagen die Zinsen für Darlehen mit zehnjähriger Zinsbindung Mitte Oktober bei rund 4,5 Prozent. Kurzfristig erwartet die große Mehrheit der vom Kreditvermittler befragten Banken eine Stabilisierung: 80 Prozent rechnen für die kommenden ein bis zwei Monate mit gleichbleibenden Bauzinsen, 20 Prozent mit sinkenden Konditionen. Einen Anstieg erwartet in diesem Zeitraum keines der befragten Institute.

Auf längere Sicht gehen die Einschätzungen dagegen auseinander. Während 60 Prozent der Institute fallende Bauzinsen erwarten, rechnen 40 Prozent mit steigenden Konditionen. Zu den Banken, die Aufwärtsrisiken sehen, gehört die Commerzbank. Sie erwartet eine weitere EZB-Zinserhöhung im Dezember und geht im Jahr 2027 von unveränderten Leitzinsen aus.

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Zusätzlichen Druck sieht die Bank in den Staatsfinanzen: „In vielen Staaten sind die Haushaltsdefizite viel zu hoch, ohne Aussicht auf notwendige Haushaltskorrekturen.“ Das spricht aus ihrer Sicht für Aufwärtsrisiken bei den Anleiherenditen und damit auch bei den Bauzinsen.

Wer eine Immobilie finanzieren möchte, kann sich deshalb nicht darauf verlassen, dass eine Zinspause der EZB bald zu günstigeren Angeboten führt. Umso wichtiger bleibt es, konkrete Konditionen mehrerer Banken zu vergleichen und die monatliche Rate mit ausreichend Spielraum zu planen. Unser Kredit-Ticker zeigt die neuesten Änderungen der Banken. Im Baufinanzierungsvergleich finden Sie aktuelle Konditionen.

Quellen:

Jasmin Ehlert, Chefanalystin bei Raisin – Antworten auf Anfrage, Oktober 2026

Konstantin Veit, Portfoliomanager bei Pimco – Marktkommentar, Oktober 2026

„Bauzinsen“, in: Interhyp. Zuletzt abgerufen am 26. Oktober 2026.

Interhyp – Bankenpanel zur Bauzinsentwicklung, Stand: 15. Oktober 2026

Commerzbank – Einschätzung im Interhyp-Bankenpanel, Stand: 15. Oktober 2026

„EZB-Zinsentscheid: Was am 29. Oktober zu erwarten ist“, in: Morningstar, zuletzt abgerufen am 26. Oktober 2026.