Bei ihrer jüngsten Zinssitzung im September 2026 hat die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen erneut angehoben. Der für Sparer wichtige Einlagenzins liegt seitdem bei 2,50 Prozent. In der kommenden Woche steht die nächste Zinsentscheidung an. Für Verbraucher ist jedoch vor allem die längerfristige Entwicklung entscheidend: Erhöht die EZB den Leitzins bis Ende 2026 ein weiteres Mal – und könnte 2027 bereits eine Zinswende folgen? Die Prognosen für den EZB-Leitzins hängen maßgeblich davon ab, wie sich Energiepreise, Inflation und Konjunktur entwickeln. Alle EZB-Zinsentscheid-Termine finden Sie in einem separaten Überblick.

EZB-Leitzins 2026: Steigen die Zinsen bis Jahresende? Datenlage angespannt

Im Juni 2026 hatte der EZB-Rat den Einlagenzins zunächst auf 2,25 Prozent angehoben. Nach einer Pause im Juli folgte im September die nächste Erhöhung auf 2,50 Prozent. Die Notenbank begründete den Schritt mit dem anhaltenden Inflationsdruck infolge des Konflikts im Nahen Osten. Die Teuerung dürfte demnach für längere Zeit über dem angestrebten Ziel von zwei Prozent liegen.

Für die weitere Zinsentwicklung kommt es vor allem darauf an, wie hartnäckig dieser Preisdruck bleibt. In ihren September-Projektionen erwarten die Währungshüter für 2026 eine durchschnittliche Inflation von 3,0 Prozent und für 2027 von 2,5 Prozent. Die Prognose für das kommende Jahr wurde gegenüber Juni angehoben. Auch ohne Energie und Nahrungsmittel dürfte die Teuerung 2027 mit 2,6 Prozent über dem Zielwert liegen.

Pressekonferenz nach EZB-Ratssitzung
Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, entscheidet im Oktober erneut mit ihren Ratsmitgliedern über die Zinsen im Euroraum.© Bernd von Jutrczenka/dpa | Bernd von Jutrczenka

Entscheidend ist deshalb nicht allein, ob Energie teuer bleibt. Für den längerfristigen Zinspfad zählt auch, ob Unternehmen höhere Kosten an ihre Kunden weitergeben und sich der Preisanstieg dadurch auf weitere Waren und Dienstleistungen ausbreitet. Gleichzeitig muss die Notenbank berücksichtigen, wie stark höhere Zinsen die Wirtschaft belasten. Die EZB will von Sitzung zu Sitzung auf Grundlage der verfügbaren Daten entscheiden.

EZB-Leitzins-Prognose 2026: Welches Zinsniveau ist zum Jahresende möglich?

Robert Greil, Chefstratege des Vermögensverwalters Merck Finck, hält die Zinserhöhungen noch nicht für abgeschlossen. Bei den kommenden Terminen der EZB und der US-Notenbank Fed erwartet er zunächst eine Pause. Danach richtet Greil den Blick bereits auf das Jahresende: Man halte „eine weitere Erhöhung im Dezember weiter für wahrscheinlich“, erklärt er in seinem aktuellen Marktkommentar.

Damit könnte der Einlagenzins Ende 2026 über dem heutigen Niveau von 2,50 Prozent liegen. Bei einer weiteren Anhebung um 0,25 Prozentpunkte würde er auf 2,75 Prozent steigen. Die letzte geldpolitische Sitzung der EZB in diesem Jahr findet am 17. Dezember statt. Eine erneute Erhöhung ist allerdings keineswegs sicher.

Zinsen im Euro-Raum steuern auf Rekordtief zu
Eine Zinssenkung gilt derzeit für 2026 als eher unwahrscheinlich.© dpa | A3399 Arne Dedert

Jasmin Ehlert, Chefanalystin der Zinsplattform Raisin, hatte vor der September-Sitzung gegenüber unserer Redaktion noch erwartet, dass der Einlagensatz bis Jahresende bei 2,5 Prozent bleibt. Inzwischen hält sie einen weiteren Zinsschritt im Dezember für möglich: „Für den Dezember rechnen die Märkte noch mit einer weiteren Zinserhöhung, um die hartnäckige Inflation endgültig einzudämmen“, sagt sie. Danach dürfte aus ihrer Sicht aber vorerst Schluss mit den Zinserhöhungen sein. Ob und wann es zu Zinssenkungen kommt, hänge davon ab, wie sich die Inflation weiterentwickelt.

Ihre Einschätzung hat sich damit zwar für das Jahresende verändert. An ihrer grundsätzlichen Zurückhaltung gegenüber weiteren Zinserhöhungen hält sie jedoch fest: Höhere Zinsen könnten die Ursachen eines Energiepreisschocks kaum bekämpfen und zugleich die Konjunktur belasten.

Für Sparer ist die Frage nach dem EZB-Leitzins 2026 ebenfalls wichtig. Denn wenn die Notenbank die Zinsen erneut erhöht, könnten die Konditionen bei Tagesgeld und Festgeld weiter anziehen. Zuletzt waren diese bereits im Aufwind: Einen Überblick über aktuelle Angebote liefern ein Tagesgeld-Vergleich und ein Festgeld-Vergleich. Die besten Tagesgeld-Angebote für sechs Monate zeigt auch ein separater Text.

EZB-Leitzinsen 2027: Energiepreise entscheiden über den weiteren Kurs

Über den Jahreswechsel hinaus wird der Zinspfad noch unsicherer. Mark Dowding, Anlageprofi beim Vermögensverwalter RBC BlueBay Asset Management, hatte in einer früheren Einschätzung die Energiepreise als entscheidenden Faktor genannt. Halten die höheren Energiekosten an und schlagen sie zunehmend auf andere Verbraucherpreise durch, könnte die EZB seiner damaligen Prognose zufolge auch 2027 weitere Zinserhöhungen für nötig halten.

EZB-Ratssitzung
Steigende Zinsen kommen Sparern zugute. Sie ermöglichen bessere Konditionen bei Produkten wie Fest- oder Tagesgeld.© Florian Wiegand/dpa | Florian Wiegand

Lässt der Energiepreisdruck dagegen nach, könnte die Notenbank die Zinsen zunächst unverändert lassen. Unter der Voraussetzung eines abflauenden Preisdrucks hielt Dowding in seinem damaligen Ausblick im Verlauf von 2027 sogar eine geldpolitische Kehrtwende für möglich. Dafür müssten die höheren Energiekosten jedoch an Wirkung verlieren, ohne sich dauerhaft in anderen Preisen niederzuschlagen. Eine sinkende Inflationsrate allein wäre deshalb noch keine Garantie für baldige Zinssenkungen. Ob 2027 tatsächlich eine Zinswende folgt, dürfte damit vor allem davon abhängen, wie nachhaltig der Inflationsdruck bis dahin zurückgeht.

Quellen:

Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck – Marktkommentar, Oktober 2026

Mark Dowding, Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management – Marktkommentar, September 2026

Im Gespräch mit Jasmin Ehlert, Chefanalystin bei Raisin, im September 2026

„Monetary policy decisions“, in: Europäische Zentralbank (EZB), 10. September 2026. Zuletzt abgerufen am 23. Oktober 2026.