• Die Phase stark sinkender Bauzinsen ist 2026 vorbei, sagt ein Kredit-Profi
  • Günstigere Konditionen sind vor allem mit ausreichender Bonität und Eigenkapital möglich
  • Wer kein Eigenkapital einbringen kann, sollte „kreative Lösungen“ suchen

Die Konditionen für Baufinanzierungen unterlagen im vergangenen Jahr deutlichen Schwankungen. Zum Jahresstart 2026 zeichnet sich bereits ein Aufwärtstrend ab. „Das Jahr 2026 markiert das Ende einer Hoffnung: Die Phase sinkender Bauzinsen ist definitiv vorbei“, sagt Oliver Kohnen vom Kreditvermittler Baufi24. Der Experte sieht eine „neue Normalität“, in der sich die Zinsen stabil in einem Korridor zwischen 3,5 und 4,0 Prozent bewegen könnten.

Gleichzeitig bleibe der Preisdruck hoch. „Da die Neubauquoten bei Weitem nicht ausreichen, um die Nachfrage zu decken, ziehen die Immobilienpreise weiter an – in den Metropolen sahen wir zuletzt Steigerungen von über 3,4 Prozent.“

Das bedeutet für Käufer: „Wer zögert, zahlt 2026 vermutlich nicht nur höhere Zinsen, sondern auch einen höheren Kaufpreis“, so Kohnen. Dabei wird Eigenkapital mehr denn je zum „entscheidenden Faktor“ für die Machbarkeit einer Immobilienfinanzierung. In unserem Baufinanzierungs-Vergleich finden Sie die aktuellen Konditionen unterschiedlicher Banken und Vermittler.

Baufinanzierung ohne Erspartes? Fachmann setzt auf kreative Ansätze

Wenn Eigenkapital zum entscheidenden Faktor wird – haben Immobilienkäufer ohne Ersparnisse dann überhaupt noch eine Chance? „Ja, Vollfinanzierungen bleiben für Kreditnehmer mit Top-Bonität möglich, sind aber kein Selbstläufer mehr“, sagt Kohnen. Kreditnehmer sollten akzeptieren, dass die Banken hierfür Risikoaufschläge verlangen.

„Top-Zinsen sind ohne Eigenkapital kaum erreichbar“, so der Kredit-Profi weiter. Daher rät er zu „kreativen Lösungen“: Dazu zählt Kohnen die Einbindung staatlicher Förderprogramme oder die Beleihung einer bereits abbezahlten Immobilie der Eltern. „Das kann den individuellen Zinssatz oft signifikant senken.“

Oliver Kohnen ist Geschäftsführer bei dem Finanzierungsvermittler Baufi24.
Oliver Kohnen ist Geschäftsführer bei dem Finanzierungsvermittler Baufi24.© Baufi24 | Niklas Marc Heinecke

Zinsbindung bei Baufinanzierung: Was ist 2026 die beste Wahl?

Welche Zinsbindung sinnvoll ist, hängt in erster Linie vom persönlichen Sicherheitsbedürfnis ab. „Wichtiger als kurzfristige Zinserwartungen ist eine gut kalkulierte und leistbare Finanzierung über einen möglichst langen Zeitraum“, sagt Kohnen. Das biete Schutz vor weiteren Anstiegen und gebe den Haushalten die notwendige Planungssicherheit.

„Und aktuell stehen die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen – der wichtigste Taktgeber für Hypothekenzinsen – aufgrund der hohen Staatsverschuldung eher unter Aufwärtsdruck“, warnt Kohnen. Allerdings sollten Kreditnehmer beachten, dass längere Zinsbindungen derzeit nur mit Aufschlägen zu haben sind. Weitere Prognosen zu den Bauzinsen 2026 finden Sie auch in einem extra Artikel. Unser Zinsradar verfolgt außerdem die neuesten Konditionsänderungen am Markt.

Über Oliver Kohnen:

Oliver Kohnen ist ausgebildeter Bankkaufmann und seit 2023 Geschäftsführer beim Finanzierungsvermittler Baufi24. Zuvor war er fast 18 Jahre lang beim Kreditvermittler Interhyp tätig, zuletzt in der Position des Managing Director.

Anschlussfinanzierung: Diese Punkte sind 2026 entscheidend

Wer 2026 hingegen eine Anschlussfinanzierung nach Ablauf der Zinsbindung benötigt, für den seien Schnelligkeit und Vorbereitung nun besonders wichtig. „Käufer sollten ihre Finanzierungsunterlagen stets aktuell halten, um bei kurzfristigen Marktschwankungen nach unten sofort handlungsfähig zu sein“, so Kohnen.

Besonders wichtig ist ein Vergleich. „Wir beobachten weiterhin Zinsunterschiede von bis zu 0,50 Prozentpunkten zwischen den Kreditinstituten“, so Kohnen. Bei den heutigen Darlehenssummen könne ein gründlicher Bankenvergleich über die Gesamtlaufzeit schnell einen fünfstelligen Betrag einsparen.

Quellen:

Im Gespräch mit Oliver Kohnen, Geschäftsführer bei Baufi24, im Januar 2026

Zinskommentar, in: immobilienscout24.de. Zuletzt abgerufen am 07. Januar 2026