Egal ob bei der Wohnungssuche, beim Abschluss eines Handyvertrags oder beim Beantragen einer Baufinanzierung – die Bonität ist oft ausschlaggebend, wenn es um finanzielle Entscheidungen geht. Doch was genau bedeutet der Begriff eigentlich? Wir erklären, was sich dahinter verbirgt – und haben bei der Schufa nachgefragt, welche Faktoren zu negativen Einträgen führen können.

Definition: Was ist Bonität?

Der Begriff Bonität beschreibt die Kreditwürdigkeit beziehungsweise Zahlungsfähigkeit einer Person. Am häufigsten kommt die Bonität beim Abschluss von Krediten wie beispielsweise Baufinanzierungen und bei der Suche nach einer Mietwohnung zum Einsatz. Aber auch bei Ratenzahlungen und Mobilfunk- sowie Internetverträgen ist sie relevant.

Manche verwechseln den sogenannten Bonitätsnachweis mit der Selbstauskunft. Dabei handelt es sich allerdings um zwei unterschiedliche Dinge: Die eigene Bonität können Verbraucher nicht selbst ermitteln. Sie ist eine objektive Einschätzung der Kreditwürdigkeit durch Dritte. Die Selbstauskunft hingegen ist ein eigens ausgefülltes Dokument und ergänzt die Bonitätsprüfung bei Kredit- oder Mietanfragen.

Ob für ein Auto oder eine neue Küche – bei der Kreditvergabe ist die Bonität entscheidend (Symbolbild)
Ob für ein Auto oder eine neue Küche – bei der Kreditvergabe ist die Bonität entscheidend (Symbolbild)© Christin Klose/dpa-tmn/dpa | Unbekannt

Doch welchen Sinn und Zweck verfolgt die Bonität eigentlich? Sie soll das Risiko eines Zahlungsausfalls einschätzen und Informationen zum Zahlungsverhalten liefern. Wer Rechnungen pünktlich bezahlt und nie Schulden angesammelt hat, hat in der Regel eine gute Bonität. Häufen sich jedoch Zahlungsverfehlungen und Mahnungen, verschlechtert sich die Bonität.

Ein Beispiel: Eine Person möchte eine Wohnung anmieten. Der Vermieter hat bereits die Selbstauskunft erhalten und möchte sich nun zusätzlich durch den Bonitätsnachweis der Schufa absichern. Anhand dieser Daten kann er erkennen, ob der Interessent Zahlungsforderungen bereits in der Vergangenheit zuverlässig nachgekommen ist. Da die Bonität der Person gut ist, schätzt sie der Vermieter als vertrauenswürdig ein – und gibt ihr den Mietvertrag.

Bonität: Wer prüft die Kreditwürdigkeit?

Die Bonität überprüfen sogenannte Auskunfteien und Kreditinstitute. Die bekannteste Auskunftei in Deutschland ist die Schufa –das steht kurz für „Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung“. Die Schufa sammelt und speichert Daten über das Zahlungsverhalten von Privatpersonen und Unternehmen und wertet sie in einem Ranking aus. Zu diesen Daten gehören:

  • Laufende Kredite und Verträge
  • Zahlungsrückstände
  • Mahnungen
  • Inkasso-Verfahren
  • Kontoeröffnungen und -kündigungen
  • Eidesstattliche Versicherungen

Deren Einschätzung nutzen Banken wiederum, um eine eigene Bonitätsprüfung durchzuführen. Zusätzlich zu den Informationen der Schufa ziehen sie noch Einkommensnachweise und monatliche Ausgaben mit ein. Anhand einer internen Bewertung entscheiden sie dann, ob eine Person einen Kredit erhält, oder nicht.

Kreditwürdigkeit: Woraus setzt sich der Bonitätsscore zusammen?

Den „einen“ Schufa-Score gibt es nicht. Stattdessen existieren derzeit noch sechs branchenspezifische Scores (Banken, Sparkassen, Genossenschaftsbanken, Telekommunikation, Handel und Versandhandel/E-Commerce) und mehrere Kunden-Score-Modelle für Unternehmen auf Basis der individuellen Risikopolitik. „Da es nicht den einen Score gibt, können unterschiedliche Faktoren eine Rolle spielen oder gleiche Faktoren je nach Score-Modell unterschiedlich wichtig sein“, erklärt uns eine Sprecherin der Schufa.

Am 3. April 2025 hat die Schufa einen neuen, einheitlichen Bonitätsscore vorgestellt, der das bisherige Modell ablösen soll. „Ziel ist es, die Bonitätsbewertung für Verbraucherinnen und Verbraucher verständlich und transparent zu machen. Erstmals wird die Berechnungsformel offengelegt und durch ein Erklärtool nachvollziehbar, sodass der Score auch ohne Fachwissen selbst berechnet werden kann“, so die Angaben der Schufa. „Möglich wurde dies durch eine Reduktion der Kriterien und eine klare Struktur.“

Der neue Score wird von einigen Unternehmen bereits getestet. Laut Schufa soll er ab dem vierten Quartal 2025 über einen kostenfreien Schufa-Account digital einsehbar sein. Um Verbrauchern eine bessere Übersicht zu liefern, gibt es seit 2006 in der Datenkopie einen Basisscore. Dieser basiert auf allen branchenspezifischen Scores und ist mit 40 Prozent beim Banken-Score am stärksten gewichtet. Unternehmen können diesen Score nicht einsehen. Seit 2022 gibt es außerdem einen Score-Simulator, mit dem Verbraucher herausfinden können, was ihre persönliche Kreditwürdigkeit beeinflusst.

Was ist der Schufa-Score?

Der Schufa-Score ist eine Kennzahl und spiegelt die Kreditwürdigkeit (Bonität) einer Person wider. Der Score variiert zwischen 0 und 100 Prozent, wobei ein höherer Wert eine bessere Kreditwürdigkeit anzeigt. Dieser Score ist entscheidend, da er Banken und anderen Kreditgebern als schnelle Referenz dient, um die Wahrscheinlichkeit einer vollständigen und rechtzeitigen Rückzahlung von einem Darlehen durch den Kreditnehmer einzuschätzen.

Mehrere Faktoren beeinflussen den Score, das sind: pünktliche Zahlung von Rechnungen und Kreditraten, die Zahl laufender Kredite, die Häufigkeit von Kontoeröffnungen oder Kreditanfragen und die Dauer der Kredit- und Kontohistorie. Negative Einflüsse wie zu späte oder ausbleibende Zahlungen, die Aufnahme mehrerer Kredite innerhalb kurzer Zeit oder eine hohe Kreditnutzung im Verhältnis zum Einkommen können den Score senken.

Wichtig: „Mal eine Rechnung zu spät bezahlt zu haben, spielt für den Score keine Rolle. Bevor es zu einem Schufa-Eintrag kommt, müssen zwei Mahnungen verschickt worden sein“, gibt die Sprecherin der Schufa Entwarnung. „Die erste Mahnung muss zum Zeitpunkt der Meldung an die Schufa mindestens vier Wochen zurückliegen.“ Außerdem müssen Gläubiger den Schuldner über eine mögliche Meldung informieren. „Nur wenn (Verbraucher) der Forderung nicht widersprechen, kann nach Verstreichen der Frist die Information gemeldet werden.“

Wie kann ich meine Bonität kostenlos prüfen?

Es gibt zwei Wege, um die eigene Bonität kostenlos zu überprüfen – entweder über die Schufa-Datenkopie oder die bonify-App. Dabei handelt es sich um die App einer Tochter der Schufa. In der Schufa-Datenkopie erhalten Sie einen Überblick über Ihre aktuelle Kreditwürdigkeit mit Ihrem Schufa-Basisscore. Der wird einmal im Quartal berechnet.

Trotz schlechter Kreditwürdigkeit Geld leihen? Diese Optionen gibt es

Nach einem Urteil durch den Europäischen Gerichtshof im Dezember 2023 darf der Schufa-Score nicht mehr alleiniges Ausschlusskriterium bei der Kreditvergabe sein. Dennoch stehen die Chancen auf einen Kredit mit einem niedrigen Bonitätsscore nicht allzu gut. Entweder es kommt zur Ablehnung – oder zu deutlich schlechteren Konditionen. Zudem ist die Auswahl an Banken kleiner. Ob eine Baufinanzierung trotz Schufa-Problemen möglich ist, lesen Sie hier.

Eine Alternative für niedrigere Kreditsummen sind sogenannte Peer-to-Peer-Kredite (P2P-Kredit), auch Privatkredite genannt. Dabei vergeben Privatpersonen Kredite an andere Privatpersonen. Das Konzept hat jedoch klare Nachteile: Die Zinsen sind in der Regel deutlich höher, und es fehlt die Kontrolle durch die Bankenaufsicht (Bafin).

Banken im Ausland können ebenfalls eine Option sein. Laut Kerstin Riege-Krause vom Kreditvermittler Dr. Klein spielt die Schufa beispielsweise in der Schweiz und in Liechtenstein keine Rolle. Bei ausländischen Kreditanfragen ist jedoch wichtig, dass die Darlehenssumme in Euro geführt wird. So lässt sich vermeiden, dass der zurückzuzahlende Betrag durch schwankende Wechselkurse höher ausfällt. Zum Weiterlesen: Ohne Schufa zum Kleinkredit? Antworten auf die wichtigsten Fragen

Bonität verbessern: Diese Möglichkeiten haben Kreditnehmer

Eine schlechte Bonität ist kein Grund zum Verzweifeln. Der Wert lässt sich verbessern. Die Schufa hat dafür auf ihrer Website einige Tipps.

Tipp 1: Regelmäßig die Schufa-Auskunft überprüfen

Grundsätzlich sollten Verbraucher regelmäßig den eigenen Schufa-Score abfragen. Die offizielle Schufa-Auskunft kostet 29,95 Euro. Es gibt aber auch eine kostenlose Variante. Die oben erwähnte kostenlose Datenkopie ist ausreichend, um die gespeicherten Informationen zu überprüfen. Alternativ können Verbraucher die bonify-App nutzen. So schneidet die bonify-App im Test ab

Tipp 2: Unnötige Girokonten und Kreditkarten schließen

„Girokonten haben in der Regel einen Überziehungsrahmen – den Dispo. Wer also viele Girokonten hat, könnte häufiger einen Dispokredit nutzen“, schreibt die Schufa. Das ist für Banken ein schlechtes Zeichen und erhöht das Rückzahlungsrisiko. Auch wenn Sie Ihren Dispo gar nicht brauchen. Achten Sie daher darauf, nicht mehr benötigte Konten zu schließen. Gleiches gilt für Kreditkarten. Bekanntermaßen „haben ein bis zwei Kreditkarten einen positiven Einfluss auf den Score, mehr eher nicht.“

Tipp 3: Offene Forderungen begleichen und Zahlungsverzögerungen mitteilen

Negative Schufa-Einträge entstehen, wenn Zahlungsaufforderungen über einen längeren Zeitraum ignoriert und Mahnungen bereits gestellt wurden. Um das zu vermeiden, sollten Forderungen grundsätzlich rechtzeitig bezahlt werden. Wer in Verzug gerät, kann versuchen, mit den Gläubigern zu sprechen. Verlängerte Fristen oder Ratenzahlungen können einen Dämpfer in der Bonität verhindern.

Tipp 4: Große Anzahl an Kleinkrediten vermeiden

Die Schufa sagt: lieber ein großer Ratenkredit statt viele kleine. Warum? „Die Aufnahme von Ratenkrediten bedeutet in der Regel eine zusätzliche finanzielle Belastung. Das heißt, dass danach weniger Spielraum für weitere finanzielle Zusatzbelastungen besteht.“ Das sorgt dafür, dass langfristig der Schufa-Score sinkt. „Bevor also drei Kredite über 2500 Euro aufgenommen werden, empfiehlt sich eher ein Kredit über 7500 Euro.“

Schufa
Die Bewertung der Schufa hat Gewicht (Symbolbild)© DPA Images | Andreas Arnold

Fehlerhafter Bonitätsscore: Was jetzt?

Auch der Schufa können Fehler passieren. „Wenn Verbraucherinnen oder Verbraucher Fragen haben oder der Meinung sind, dass etwas nicht mit ihren Daten stimmt, dann können sie gerne direkt unser interaktives Hilfeportal nutzen“, so die Sprecherin der Auskunftei. Dort hat man die Möglichkeit, seine Daten korrigieren zu lassen oder sich als Opfer von Identitätsbetrug zu melden. „Wir setzen dann einen entsprechenden Warnhinweis für Unternehmen, damit nicht weitere Geschäfte unter ihren Namen abgeschlossen werden.“

Bei komplizierten Fällen können Verbraucher das Hilfeportal auch zur Klärung nutzen. Die Anfrage wird an einen persönlichen Ansprechpartner der Schufa weitergeleitet. Wichtig: Verbraucher müssen Nachweise liefern, dass es sich um fehlerhafte Eintragungen handelt.

Aktuelles Urteil: Erledigte Schufa-Einträge müssen sofort gelöscht werden

In einem aktuellen Urteil vom 10. April 2025 hat das Oberlandesgericht Köln entschieden, dass bezahlte Forderungen unmittelbar aus der Schufa gelöscht werden müssen. Bisher war das nicht der Fall. Die Schufa durfte erledigte Forderungen drei Jahre lang speichern. Dadurch blieben negative Einträge weiterhin sichtbar.

Gegen dieses Urteil geht die Schufa in Revision. Die Argumentation der Auskunftei: Das Urteil weiche von der aktuellen Rechtssprechung ab. „Die Speicherfrist zu erledigten Zahlungsstörungen dient den Verbrauchern in Deutschland. Eine Verkürzung hätte höhere Zinskosten zur Folge, die von allen getragen werden müssten“, entnehmen wir der Website. Eine Verkürzung der dreijährigen Speicherfrist würde die Aussagekraft von Bonitätsprüfungen laut Schufa verringern. Schließlich sei statistisch belegt, dass Betroffene ein deutlich höheres Ausfallrisiko aufweisen.