Die Europäische Zentralbank (EZB) hat erneut über den Leitzins im Euroraum entschieden. Seit der letzten Senkung um 0,25 Basispunkte steht der Einlagenzins bei 2,00 Prozent – und bleibt auch vorerst dort. Die Entscheidung kam wenig überraschend, dennoch hat sie Auswirkungen auf Sparpläne und Kredite. Welche Folgen sind bei Tagesgeld, Festgeld und Bauzinsen zu erwarten? Finanzprofis haben einen klaren Rat.
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EZB-Zinsentscheid: Zentralbank weitet Zinspause aus
„Die EZB sieht berechtigterweise keinen Anlass für Zinssenkungen“, sagt Michael Heise von der Investmentgesellschaft HQ Trust zur heutigen Entscheidung der Zentralbank. Die Beibehaltung des aktuellen Zinsniveaus habe nahegelegen und sei in der derzeitigen Lage angemessen. „Zum einen war die gesamtwirtschaftliche Produktion im ersten Halbjahr klar aufwärtsgerichtet und zum anderen liegt die Inflation leicht über dem Ziel der Preisniveaustabilität. Das ließ eine Politik der ruhigen Hand erwarten“, urteilt der Profi.
Nach vier Senkungen um insgesamt 100 Basispunkte seit Jahresbeginn hatte EZB-Präsidentin Christine Lagarde zuletzt deutlich gemacht, dass der Lockerungszyklus für 2025 vorerst abgeschlossen sei. So hatten auch andere Finanzexperten den Beschluss der EZB bereits im Vorfeld erwartet.
Konrad Kleinfeld vom Vermögensverwalter State Street Investment Management gehört ebenfalls dazu. „Die geldpolitische Ausrichtung bleibt weiterhin klar datenabhängig“, kommentierte er die Entscheidung. Die EZB beobachte derzeit, wie sich anhaltende Handelskonflikte und geopolitische Spannungen auf Inflation und Wachstum auswirkten.

Baufinanzierung: Schlechte Nachrichten für Kreditnehmer – gute für Sparer
Nach Ansicht von Investment-Profi Heise bringt der heutige Beschluss trotz seiner Vorhersehbarkeit unterschiedliche Folgen mit sich: „Die gute Nachricht für Sparer: Die Einlagenzinsen der Banken dürften in diesem Jahr kaum noch weiter sinken, sondern stabil bleiben“, sagt er. „Die weniger gute Nachricht für Kreditnehmer: Der deutliche Rückgang der kurzfristigen Kreditzinsen dürfte für dieses Jahr beendet sein.“
Der Einschätzung von Heise schließt sich auch Oliver Kohnen vom Kreditvermittler Baufi24 an: „Weitere Zinsschritte nach unten erscheinen in diesem Jahr eher unwahrscheinlich. Der Lockerungszyklus scheint damit zumindest vorläufig beendet – möglicherweise sogar endgültig“, urteilt er. Die geldpolitische Stabilität habe aber noch eine andere Konsequenz.
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„Die Hoffnung auf weiter sinkende Bauzinsen schwindet. Zehnjährige Zinsbindungen liegen vielerorts wieder bei rund 3,75 Prozent – mit Tendenz zur weiteren Erhöhung“, sagt Kohnen. Gleichzeitig ziehen die Immobilienpreise wieder an. Besonders in urbanen Zentren werden weiter steigende Quadratmeterpreise gemeldet, während der Mietmarkt ohnehin schon stark angespannt ist.
Wichtig zu wissen: Der EZB-Leitzins wirkt sich nur indirekt auf die Zinsentwicklung bei Baufinanzierungen aus. Da Baudarlehen zu den langfristigen Anlagen zählen, hängen die Zinsen maßgeblich von Bundesanleihen und Pfandbriefen ab. Steigen die Zinsen für Bundesanleihen, steigen auch die Pfandbriefzinsen und damit die Baufinanzierungszinsen. Entscheidender Faktor ist zudem, wie der Kapitalmarkt künftige EZB-Schritte einschätzt. Banken reagieren häufig vorab und passen ihre Konditionen an.

Bauzinsen nach EZB-Zinsentscheid: „Die Trendwende ist vollzogen“
Für viele Kaufinteressierte hat die EZB-Entscheidung demnach eine klare Folge: Das Zeitfenster für „attraktive Finanzierungen“ schließt sich Kohnen zufolge schneller als erwartet. „Die Tiefphase bei den Zinsen dürfte vorbei sein, die Trendwende ist vollzogen“, so der Kredit-Profi. Nach Wochen ohne größere Bewegung zeichnet sich auch laut dem Kreditvermittler Interhyp seit Mitte Juli ein leichter Aufwärtstrend bei den Konditionen für Immobilienfinanzierungen ab.
Die Experten der Commerzbank bewerten die Lage ähnlich: „Die EZB hat das Ende der Zinssenkungen erreicht. Die Renditen von Bundesanleihen und damit die Baufinanzierungszinsen sollten sich angesichts unveränderter EZB-Leitzinsen in den nächsten Monaten weitgehend seitwärts bewegen.“ Längerfristig könnten durch die Schuldenpolitik der Staaten oder ungelöste Inflationsprobleme jedoch höhere Renditen drohen.
Weitere Entwicklung für 2025: Wie weit sinkt der EZB-Leitzins noch?
Experten scheinen vorerst nicht mehr mit weiteren Zinssenkungen zu rechnen: „Die höheren Projektionen der EZB für das Wachstum in 2025 und die vorerst wohl bei 2 Prozent oder leicht darüber liegende Inflation machen eine Zinssenkung im Oktober unwahrscheinlich. Auch am Jahresende dürfte der Einlagensatz der EZB noch bei 2 Prozent liegen“, vermutet Heise.
Auch Luke Bartholomew vom Vermögensverwalter Aberdeen Investments geht davon aus, dass der Leitzins inzwischen das sogenannte „neutrale Niveau“ erreicht habe und die EZB zunächst die wirtschaftliche Entwicklung beobachten werde. Sollte überhaupt eine Anpassung erfolgen, sei ein Zinsschritt nach oben wahrscheinlicher als eine weitere Senkung – allerdings erst später, wenn die fiskalischen Impulse in Europa wirken.
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EZB-Zinsentscheid: Einfluss auf Tages- und Festgeld
Während Bauzinsen indirekt auf die EZB-Politik reagieren, spüren Sparer die Auswirkungen bei Tages- und Festgeld sofort. Sinkende Leitzinsen drücken üblicherweise die Renditen von Sparprodukten. Marktbeobachter gehen davon aus, dass der massive Rückgang bei Zinsen für Sparer weitgehend durchlaufen ist.

„Die Tagesgeldzinsen dürften weiter langsam sinken, um sich unterhalb des Leitzinses einzupendeln. Festgeldkonditionen bleiben dagegen voraussichtlich auf hohem Niveau“, sagt Jasmin Ehlert, Chefanalystin der Zinsplattform Raisin. Sparerinnen und Sparer sollten ihrer Meinung nach schnell handeln und nicht zu viel Geld auf Tagesgeldkonten liegen lassen.
„Auch die Treppenstrategie ist eine bewährte Lösung, wenn man Wert auf Flexibilität legt. Dabei wird das Kapital in gleiche Teile auf verschiedene Laufzeiten aufgeteilt. Läuft eine Stufe aus, wird das Geld samt Zinsen ausgezahlt, sodass sich Anlegerinnen und Anleger stets die besten Angebote am Markt sichern können“, so Ehlert.
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Bitte beachten:
Aktien, Immobilien und andere Investments sind grundsätzlich mit einem Risiko verbunden. Auch ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals kann nicht ausgeschlossen werden. Ebenso können Kredite eine erhebliche finanzielle Belastung darstellen. Verbraucher sollten ihre finanzielle Situation sorgfältig prüfen und alle Kosten gründlich durchrechnen. Die veröffentlichten Artikel, Daten und Prognosen sind keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Rechten und ersetzen keine fachliche Beratung.



