ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) ist eine der bekanntesten neuropsychiatrischen Störungen. Sie betrifft sowohl Kinder als auch Erwachsene und zeigt sich durch verschiedene Symptome wie Hyperaktivität oder Impulsivität. In diesem Artikel erfahren Sie die wichtigsten Informationen über Symptome, Diagnose, Ursachen und Behandlung von ADHS.

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ADHS: Das sind die typischen Symptome

ADHS ist eine neurologische Entwicklungsstörung und zählt zu den häufigsten psychiatrischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. Meist macht sie sich erstmals im Vorschul- oder Grundschulalter bemerkbar, manchmal zeigen sich Anzeichen aber schon im Kleinkindalter und können bis ins Erwachsenenleben fortbestehen. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums sind etwa zwei bis sechs Prozent aller Kinder und Jugendlichen von ADHS betroffen, die unter anderem mit krankhaften Störungen der Aufmerksamkeit und motorischer Unruhe einhergehen.

Mädchen mit ADHS spielt unkonzentriert mit einem Stift
ADHS zeigt sich meist schon im Kindes- oder Jugendalter und begleitet Betroffene ein Leben lang.© Getty Images | Marco VDM

Die Anzeichen von ADHS und die damit verbundenen Herausforderungen verändern sich je nach Lebensphase und können unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Typisch sind vor allem drei Kernsymptome:

  • Hyperaktivität (übersteigerter Bewegungsdrang): Betroffene Kinder fallen oft durch ständiges Zappeln, Herumrennen oder wiederholtes Aufstehen während des Unterrichts auf. Viele betroffene Kinder haben ein sehr ausgeprägtes Bedürfnis nach ständiger Bewegung und Schwierigkeiten, längere Zeit ruhig zu sitzen. Im Jugendalter und bei Erwachsenen äußert sich ADHS eher durch innere Unruhe, Anspannung und Schwierigkeiten, den Alltag zu strukturieren.
  • Unaufmerksamkeit (gestörte Konzentrationsfähigkeit): Den betroffenen Kindern, Jugendlichen und auch Erwachsenen fällt es meistens sehr schwer, sich auf eine Tätigkeit zu konzentrieren (z. B. bei Hausaufgaben oder am Arbeitsplatz).
  • Impulsivität (unüberlegtes Handeln): Betroffene sind oftmals impulsiv und handeln, ohne vorher abzuwägen. Sie treffen dadurch häufig vorschnelle Entscheidungen. Kinder mit ADHS unterbrechen oft Gespräche oder platzen dazwischen, ohne abzuwarten, bis sie an der Reihe sind.

Die Hauptsymptome von ADHS treten selten alleine auf. Viele betroffene Kinder und Jugendliche zeigen zusätzlich oppositionelles oder aggressives Verhalten, haben häufiger Schwierigkeiten in der Schule und leiden oft unter emotionalen Problemen wie Ängsten und geringem Selbstvertrauen. Sie werden von Gleichaltrigen oft abgelehnt, was die soziale und familiäre Situation weiter belastet. Manche entwickeln auch Tics, die sich beispielsweise durch Zuckungen äußern können.

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ADHS-Ursachen: Was begünstigt die neurologische Entwicklungsstörung?

Wie das Informationsportal „Neurologen und Psychiater im Netz“ ausführt, sind die genauen Ursachen von ADHS bislang nicht vollständig geklärt. Forscher gehen davon aus, dass sowohl genetische Faktoren als auch zusätzlich Einflüsse wie Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen eine zentrale Rolle spielen. Dabei zeigen Studien, dass es bei Betroffenen zu Veränderungen bestimmter Regelkreise im Gehirn kommt – insbesondere im Zusammenspiel der Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin, die für Aufmerksamkeit und Selbstregulation wichtig sind.

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Familiäre und schulische Einflüsse können die Stärke der Symptome und den Verlauf mitbestimmen. Faktoren wie psychische Erkrankungen der Eltern, familiäre Instabilität, finanzielle Belastungen oder fehlende Erziehungsstrukturen wirken sich häufig verstärkend aus. Allerdings entstehen ADHS-Symptome in der Regel durch das komplexe Zusammenspiel verschiedener Einflüsse.

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ADHS-Diagnose bei Kindern beginnt frühestens ab dem dritten Lebensjahr

Bei Verdacht auf ADHS sollte unbedingt ein spezialisierter Kinder- und Jugendpsychiater oder erfahrener Kinderarzt hinzugezogen werden. Nur sie können mithilfe gezielter Tests und Fragebögen zuverlässig unterscheiden, ob tatsächlich eine ADHS vorliegt oder normale Alterserscheinungen oder andere Erkrankungen dahinterstecken.

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Für eine Diagnose müssen die typischen Auffälligkeiten seit mindestens sechs Monaten bestehen, sich bereits im Vorschulalter zeigen und in mehreren Lebensbereichen auftreten. Eine sichere Diagnose ist frühestens ab dem dritten Lebensjahr möglich.

Was wird im Rahmen der Diagnosestellung berücksichtigt? „Neurologen und Psychiater im Netz“ benennen folgende Aspekte:

  • Gesundheitliche Vorgeschichte der Eltern/der Betroffenen
  • Untersuchung des Körpers und der Nerven: Dabei werden Fein- und Grobmotorik geprüft. Auch Sehen und Hören werden getestet. (Unerkannte Seh- oder Hörschwächen können nämlich ähnliche Symptome wie ADHS hervorrufen – etwa Konzentrationsprobleme.)
  • Testpsychologische Untersuchungen: Dazu gehören Tests, die zeigen, wie gut ein Kind lernen und sich konzentrieren kann. Auch werden seine Fähigkeiten in Lesen, Schreiben und Rechnen überprüft. Außerdem wird geschaut, wie das Kind in der Schule und im Umgang mit anderen zurechtkommt und wie es mit seinen Gefühlen umgeht.
  • Verhaltensbeobachtungen und -bewertung: Es werden Berichte von Eltern, Lehrern oder Erziehern gesammelt, die das Verhalten des Kindes im Alltag beschreiben. Manchmal werden auch Videos aus Alltagssituationen angeschaut. So können die Fachleute herausfinden, welche Stärken und Schwächen das Kind hat.
  • In manchen Fällen werden weitere Untersuchungen gemacht: Zum Beispiel misst man die Hirnströme (EEG), prüft das Herz (EKG) und nimmt Blut ab – vor allem, wenn das Kind Medikamente bekommen soll.

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ADHS-Diagnose bei Erwachsenen: Spezielle Testverfahren und Kriterien

Auch bei Erwachsenen basiert die ADHS-Diagnose weitgehend auf den gleichen Kriterien wie bei Kindern. Für die Diagnose müssen die Symptome seit mindestens sechs Monaten auftreten und mehrere Lebensbereiche wie das Berufs- oder Familienleben beeinträchtigen. Entscheidend ist außerdem, dass einzelne Auffälligkeiten bereits in der Kindheit begonnen haben.

Young businesswoman looking stressed while working at home office
Viele Erwachsene kämpfen mit ADHS – oft ohne es zu wissen© iStock | MilosStankovic

Für Erwachsene, die als Kind keine Diagnose erhalten haben, stehen spezielle Fragebögen wie die Wender-Utah-Rating-Skala zur Verfügung, mit denen Ärzte rückblickend ADHS feststellen können – das ist auch Voraussetzung für eine medikamentöse Behandlung.

Zusätzlich sollten andere mögliche Ursachen, etwa Schilddrüsenerkrankungen, ausgeschlossen werden. Die Diagnostik und Therapie sollten idealerweise von Fachärzten für Psychiatrie oder Psychotherapie übernommen werden, alternativ kann der Hausarzt die ersten Schritte koordinieren. In einigen Universitätskliniken gibt es zudem spezielle ADHS-Sprechstunden.

Für eine erste Einschätzung können Betroffene auf online verfügbare ADHS-Tests zurückgreifen. Wichtig zu wissen ist, dass sie keine ärztliche Diagnose ersetzen.

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ADHS-Behandlung bei Kindern: Nur wenige Methoden wissenschaftlich bewiesen

Aktuell gibt es nur wenige gut wissenschaftlich untersuchte Behandlungsmöglichkeiten, und selbst bei den als wirkungsvoll bezeichneten Verfahren gibt es keine Erfolgsgarantie.

Fachleute des Zentralen ADHS-Netzes empfehlen zur Behandlung der Kernsymptome:

  • Information und Beratung in Anspruch nehmen
  • Verhaltenstherapie
  • Medikamentöse Therapie (z. B. Ritalin)
  • Ergänzende Maßnahmen (z. B. Sprachtherapie, Ergotherapie oder psychomotorische Therapie)

Empfohlene ADHS-Therapien richten sich nach der seit 2018 geltenden S3-Leitlinie der Fachgesellschaften und werden individuell angepasst. Häufig werden zusätzlich Therapien für Begleitprobleme nötig, die von verschiedenen Fachärzten und Therapeuten angeboten werden. Neben diesen therapeutischen Maßnahmen stehen Kindern, Jugendlichen und ihren Familien noch weitere Hilfsangebote zur Verfügung.

Weitere Infos zu dem Thema

ADHS-Behandlung bei Erwachsenen: Unterstützung hängt vom Einzelfall ab

Ob und welche Unterstützung Erwachsene mit ADHS benötigen, hängt davon ab, wie stark sie beeinträchtigt sind und welche eigenen Bewältigungsstrategien sie haben. Während manche trotz ADHS gut im Alltag zurechtkommen, sind andere deutlich eingeschränkter.

Zu Beginn jeder Therapie ist eine umfassende Aufklärung wichtig. Neben fachlicher Behandlung – meist eine Kombination aus Psychotherapie und Medikamenten – können auch Selbsthilfegruppen wertvolle Unterstützung bieten. Die aktuellen Leitlinien empfehlen immer eine individuell angepasste, multimodale Therapie. Dabei spielt die Psychoedukation eine zentrale Rolle: Die Betroffenen werden ausführlich über die Ursachen und Folgen einer ADHS aufgeklärt, Ziele der Behandlung und auch die passende Therapieform werden besprochen.

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Neben Psychotherapie und Medikamenten interessieren sich viele Betroffene auch für ergänzende Ansätze. In bestimmten Fällen können sie sogar mit angepasster Ernährung ihre ADHS-Symptome lindern. Seit der Legalisierung von Cannabis wird zudem diskutiert, ob der Konsum die Symptome bei ADHS lindern könnte. Unsere Autorin hat mit einer Expertin gesprochen und erklärt, warum besonders beim Thema Cannabis Vorsicht geboten ist.

ADHS-Mythen entlarvt: Diese häufigen Aussagen sind falsch

Rund um die ADHS-Erkrankung hört man immer wieder bestimmte Mythen. Viele davon sind falsch und können sogar für Betroffene gefährlich werden. ADHS-Experte Marc Edel ordnet die größten Irrtümer in einem Gastbeitrag für ADHS Deutschland e. V. ein. Einige der häufigsten falschen Annahmen sind:

  • ADHS ist nur eine Erfindung der Pharmaindustrie: Auch wenn die Pharmaindustrie mit ADHS-Medikamenten Geld verdient, ist die Diagnose ADHS unabhängig davon in Klassifikationssysteme aufgenommen worden. Fakt ist: Die Anzahl der Menschen mit ADHS-Diagnose steigt. Das liege allerdings daran, dass die Krankheit immer mehr in der Öffentlichkeit wahrgenommen und eher erkannt wird.
  • Menschen rechtfertigen mit ADHS-Diagnose ihre Faulheit: Tatsächlich fällt es laut Edel vielen Betroffenen nachweislich schwer, ihren Alltag zu organisieren – nicht aus Mangel an Willen, sondern aufgrund ihrer Krankheit. Viele geben sich große Mühe, mit den Symptomen von ADHS ein möglichst normales Leben zu führen. Dennoch gelingt das nicht immer.
  • ADHS ist keine richtige Diagnose: Im Fall der ADHS-Störung handelt es sich laut dem Experten um eine der am gründlichsten erforschten Diagnosen. Die Diagnose sei nach einem langen Forschungs- und Abstimmungsprozess in die zwei wichtigsten psychiatrischen Diagnose-Systeme aufgenommen worden (ICD-10 und DSM-IV/5).

Kann man ADHS heilen?

ADHS gilt derzeit nicht als heilbar, da es sich um eine lebenslang bestehende neurologische Besonderheit handelt. Die Symptome können jedoch durch passende Therapien, Medikamente, Strukturhilfen und Unterstützung oft deutlich gemindert und gut kontrolliert werden, sodass Betroffene ein selbstbestimmtes Leben führen können. Bei vielen bessern sich die Beschwerden mit dem Alter – ganz verschwinden sie aber meistens nicht.

 

 

 

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