Keine ausgewogene Nahrung, nur ein Paar Schuhe, keine Heizung: In Deutschland sollen etwa 1,3 Millionen Kinder und Jugendliche von Armut betroffen sein. Das legt ein Report des Kinderhilfswerks UNICEF dar, der am Mittwoch veröffentlicht wurde.

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Laut dem Bericht sind bestimmte Gruppen von Kindern armutsgefährdeter als andere: Besonders oft von Einkommensarmut betroffen sind Kinder, die mit einem alleinerziehenden Elternteil aufwachsen – hier waren 2023 mehr als doppelt so viele alleinerziehende Haushalte betroffen wie Haushalte mit zwei Elternteilen.
Auch die Anzahl der Kinder in einem Haushalt, ein niedriges Bildungsniveau der Eltern, Arbeitslosigkeit sowie eine Einwanderungsgeschichte gehen mit einem erhöhten Armutsrisiko einher.
Leben Kinder in armen Verhältnissen, so können sie nicht nur materiell, sondern auch in Bezug auf ihre Teilhabe am sozialen Leben eingeschränkt sein. Hierzu gehört etwa, dass sie nicht mit Freundinnen und Freunden Essen gehen, an Ausflügen teilnehmen oder keinen Sportverein besuchen können.
Schlechte Wohnverhältnisse können schwerwiegende Folgen haben
Viele Kinder wachsen laut UNICEF unter „ungünstigen Wohnbedingungen“ auf, heißt konkret: zu wenig Platz für die ganze Familie, dadurch keine Rückzugsräume und überbelegte Kinderzimmer, außerdem kaum Raum zum Lernen, worunter die schulischen Leistungen leiden können.
Auch spielen gesundheitsgefährdende Faktoren innerhalb der Wohnräume hier oft eine Rolle, etwa Feuchtigkeit oder Milbenbefall, die wiederum zu diversen Erkrankungen wie Magen-Darm oder Atemwegserkrankungen führen können.
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Eine mangelhafte Wohnsituation hat laut UNICEF Auswirkungen auf die Stimmung eines Kindes, kann zu Verhaltensproblemen wie Aggression oder Rückzug führen, das Kind zudem psychisch belasten und sozio-emotionalen Stress auslösen.
Darüber hinaus gibt es in Deutschland viele Kinder und junge Menschen, die überhaupt kein eigenes Dach über dem Kopf haben, so UNICEF – Ende Januar 2024 waren mehr als 128.000 Kinder unter 18 Jahren – meist in Begleitung ihrer Familien – in kommunalen Unterkünften untergebracht. Mehr als 2000 Minderjährige sollen zudem auf der Straße oder in Behelfsunterkünften und mehr als 6600 bei Verwandten übernachtet haben.
„In Deutschland bewegt sich zu wenig für Kinder.“
Georg Graf Waldersee, Vorsitzender von UNICEF Deutschland
Zustände, die zum Handeln auffordern sollten und unterstreichen, welche zentrale Rolle Eltern und das weitere Umfeld für das Aufwachsen von Kindern haben, schreibt UNICEF in einer Pressemitteilung. So empfiehlt die Kinderhilfsorganisation etwa, Investitionen in besonders benachteiligte Kinder zu priorisieren und familiäre Ressourcen zu stärken, etwa durch den Ausbau des „Startchancenprogramms“ an Schulen.
„Der Bericht macht deutlich, wie sich Armut auf wirklich alle Lebensbereiche von Kindern nachteilig auswirkt“, so Prof. Dr. Sabine Walter, Vorstandsvorsitzende und Direktorin des Deutschen Jugendinstituts und ab UNICEF-Bericht beteiligt gewesen. Sie betont wie wichtig es sei, „Strukturen so zu reformieren, dass alle Kinder unabhängig von ihrer Herkunft faire Chancen auf ein gutes Aufwachsen haben“.
Georg Graf Waldersee, Vorsitzender von UNICEF Deutschland, betont: „In Deutschland bewegt sich zu wenig für Kinder.“ Er appelliert zudem an die neue Bundesregierung, „gezielt in Kinder zu investieren – insbesondere diejenigen, die von Armut, Ausgrenzung oder fehlenden Chancen betroffen sind“.








