Eine Mehrheit der Lehrerinnen und Lehrer glaubt, dass die Themen Wirtschaft und Unternehmertum im Schulunterricht verstärkt behandelt werden sollten. Das geht aus einer aktuellen Studie hervor, die dieser Redaktion vorliegt. Die Untersuchung mit dem Titel „Das Unternehmerbild im Lehrerzimmer“ wurde von der Stiftung Familienunternehmen beauftragt und von einem Forscherteam der Universität Oldenburg verfasst. Im Rahmen der Studie wurden 577 Wirtschaftslehrkräfte befragt.

Unternehmertum im Unterricht: Viele Lehrer haben keine Erfahrung mit Schülerfirmen

Laut Umfrage sind fast 85 Prozent der Lehrkräfte überzeugt: Wissen über Unternehmen und Unternehmertum gehört zur allgemeinen Bildung in der Schule. Etwa 45 Prozent sind zudem dafür, dass unternehmerische Fähigkeiten verpflichtend vermittelt werden sollten.

Neben diesen Punkten befasst sich die Studie auch mit den Erfahrungen der Lehrer. Mehr als zwei Drittel geben an, mit dem Thema Unternehmertum im Unterricht vertraut zu sein. Weniger Lehrer, nämlich 49,6 Prozent, haben ihren Schülern bereits Wissen zu Unternehmensgründungen beigebracht. Mit Schülerfirmen, also mit Projekten, bei denen Schüler wie in einem Unternehmen Produkte entwickeln oder Dienstleistungen anbieten, hat nur eine Minderheit der befragten Lehrer Erfahrungen gesammelt.

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Doch die Studie zeigt: Vielen Lehrkräften ist es wichtig, die wirtschaftliche Bedeutung von Unternehmen in ihrem Unterricht zu behandeln. Gleichzeitig wollen sie eine kritische Auseinandersetzung anregen.

Lehrer beschreiben Unternehmer als „innovativ, risikobereit und hart arbeitend“

Die Untersuchung widmet sich auch den Einstellungen der Lehrer. Unter anderem wurden sie gefragt, wie sie sich Unternehmer vorstellen. So beschreibt eine Mehrheit Firmenchefs als „innovativ, risikobereit und hart arbeitend“. Viele Befragte glauben aber auch, dass sie aus privilegierten Familie stammen.

Unterschiedliche Meinungen gibt es beim Thema Staat und Wirtschaft: Nur jeder fünfte befragte Lehrer bewertet staatlichen Einfluss auf die Konjunktur als positiv. Gleichzeitig befürworten 65 Prozent, wichtige Unternehmen der Infrastruktur zu verstaatlichen.

Das Fazit der Studie: Wirtschaftliche Themen – vor allem Unternehmertum – haben weder im Unterricht noch im Lehramtsstudium genügend Platz. Daher empfiehlt das Forscherteam „eine systematische Verankerung dieser Inhalte“ in Lehr- und Studienplänen.

Deutscher Lehrerverband: „Schule bleibt Ort der Allgemeinbildung“

Auch Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen, betont: „Politik und Institutionen sollten Raum schaffen, damit Wirtschaftswissen und Unternehmertum künftig Teil des Erwachsenwerdens ist.“ Er sieht einen Zusammenhang zwischen der geringen Zahl an Unternehmensgründungen und der fehlenden Vermittlung unternehmerischer Inhalte in Schulen. Schüler werden laut Kirchdörfer „nicht zur Selbstständigkeit ermutigt“.

Gespräch «So sichern wir Wohlstand in Deutschland»
Rainer Kirchdörfer sieht einen Zusammenhang zwischen wenigen Unternehmensgründungen und der fehlenden Vermittlung von unternehmerischen Inhalten in Schulen. © picture alliance/dpa | Britta Pedersen

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Stefan Düll, sieht das anders: Er betont, dass Lehrer wirtschaftliche Grundlagen samt Wissen über Unternehmen und Unternehmertum bereits in verschiedenen Fächern wie Politik, Sozialkunde oder Mathematik behandeln. In einigen Bundesländern gibt es sogar das Schulfach „Wirtschaft“.

Düll erklärt weiter: „Schulen können allerdings nicht alle gesellschaftlichen Themen in voller Tiefe behandeln, ohne den Bildungsauftrag zu überfrachten.“ Der Bereich Wirtschaft und Unternehmertum umfasse viele Aspekte.

Donnerstag

Wirtschaft in Berlin

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Für die Vermittlung dieser Inhalte zieht Düll daher auch die Eltern in die Pflicht. Zudem könnten Unternehmen durch Praktika oder Kooperationen den Schülern Einblicke in ihre Arbeit ermöglichen. Düll ist überzeugt: „Die Schule bleibt ein Ort der Allgemeinbildung – nicht der einseitigen Interessenvermittlung“.