Viele Paare kommen mit Fragen rund um Sex in unsere Paartherapie. Wie oft ist Sex in der Ehe normal? Muss es überhaupt sein, oder geht es auch ohne? Dazu kommen unterschiedliche Probleme: mein Mann will immer, meine Frau hat nie Lust, meine Frau kann nicht genug bekommen, mein Mann will immer morgens. Klar ist: Zu einer gesunden Beziehung gehört Sex. Verschwindet die Sexualität, deutet das auf ein tieferliegendes Problem hin.

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Auch in unserer Ehe kommen solche Szenen auf: „Kannst du nicht mal sagen, was du möchtest?“, fragte meine Frau und Kollegin mich neulich. Es ging dabei um Sex. Sie war frustriert: „Immer muss ich anfangen.“ Dabei ist dieser Vorwurf ein Stellvertreter für das Gefühl, nicht begehrt zu sein. Oft vermissen Partner die Bestätigung dafür, dass der andere sie weiterhin attraktiv findet. Doch wie können Paare den Knoten lösen?
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Kein Sex in der Ehe: Was normal ist und was nicht
Menschen sind sexuelle Wesen. Gäbe es keine gesellschaftlichen Konventionen, Prägungen und Glaubenssätze, würden wir überall und zu jeder Tageszeit Sex haben – egal, ob uns dabei jemand zuschaut oder nicht. Doch was heute beim Sex als normal gilt, kommt auf die Fragestellung und den gesellschaftlichen Kontext an.
Fragen wir uns zum Beispiel nach dem Sinn des Lebens, gibt der britische Biologe Richard Dawkins in seinem Buch „Das egoistische Gen“ eine verblüffend einfache Antwort: Der evolutionäre Sinn des Lebens ist es, unsere Gene zu verbreiten. Welchen subjektiven Sinn wir als hochentwickelte Lebewesen in unserem individuellen Leben sehen, hängt dagegen eher von unserer Kultur, unseren Werten und unserer Sozialisierung ab.

So kann die Kirche eine Rolle in der psychosexuellen Entwicklung spielen. Auch Rollenbilder, vorgelebt durch Eltern, Geschwister oder Großeltern, prägen unser sexuelles Verhalten und unser Verlangen in der Ehe. In weiten Teilen unserer Gesellschaft ist Sexualität immer noch ein mit Scham besetztes Tabuthema. Warum sagen wir zum Beispiel „Schamlippen“ und nicht „Lustlippen“? Warum findet Sex oft im Dunkeln statt? Und warum sollte man im Freundeskreis nicht darüber sprechen?
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Paartherapeut: Viele Ehepaare können nicht über Sex sprechen
Selbst Ehepaare vermeiden Gespräche über ihre Sexualität und ihre sexuellen Wünsche. Viele Erwachsene haben Vorstellungen wie vor 25 Jahren und nie gelernt, über Sex zu sprechen. Gleichzeitig kam jedes dritte zwölfjährige Kind über das Internet bereits mit Pornos in Berührung. Das ist eine dramatische Entwicklung.
Denn die Pornoindustrie ist ein riesiges Geschäft, das auf eine männliche Vorstellung von Sex zugeschnitten ist. Gute Pornofilme für Frauen und Paare gibt es so gut wie gar nicht. Daraus entsteht eine gesellschaftliche Widersprüchlichkeit: Obwohl Sex ein fester Bestandteil unserer äußeren Welt und überall verfügbar ist, haben viele Erwachsene noch immer keinen offenen Zugang zu ihrer eigenen Sexualität.
Die mit Abstand häufigsten Stellungen in Ehebetten sind die Missionarsstellung, die Reiterstellung oder Sex von hinten. Doch während Sex in Pornos mit allen möglichen Verrenkungen daherkommt, verkennen wir normalen Sex als „Blümchensex“. Die fehlende Kommunikation rückt die Wirklichkeit in den Hintergrund. Wo wir es verlernt haben, natürlichen Sex zu erleben oder locker darüber zu kommunizieren, wird er zum sensiblen Thema: Entweder wir stigmatisieren unsere Sexualität oder machen uns aus Scham darüber lustig.
Wie oft Sex in der Ehe? Fehlt er, liegt dahinter oft ein anderes Problem
Hat ein Ehepaar keinen Sex, ist das daher ein Hinweis und ein Grund für Nachforschungen in der psychosexuellen Entwicklung des Paares: Oft ist fehlender Sex ein Symptom dafür, dass mindestens einer der beiden Partner keine ausreichende Bindung spürt oder die Sexualität in der Beziehung eher als Unlusterlebnis statt als Lusterlebnis empfindet. Mehr dazu: Flaute im Bett? Mit diesen Tricks kommt die Lust zurück
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Gerne leiten wir Ihre Fragen auch an unsere Beziehungsexperten weiter, wie etwa das Therapeutenpaar Andrea Katz-Straden und Gisbert Straden. Sie geben dann Antwort auf die wichtigsten Fragen.
Viele Paare in unserer Praxis haben ihre Bindung über den alltäglichen Wahnsinn verloren: Meine Frau und ich erleben Turbopaare, belastet mit 50 Stunden Wochenarbeitszeit, Kindern und einem Hausbau. Sie führen einen Lebensstil, der die Stresshormone Adrenalin und Cortisol ständig ans Limit treibt. Tatsächlich kommen bei der Ermittlung des Hormonstatus oft Werte oberhalb der Grenze heraus. Kein Wunder also, dass die Sexualität eines Paares auf der Strecke bleibt.
Der Sex im Urlaub ist deswegen ein untrügliches Zeichen. Funktioniert es auf Reisen gut und zu Hause nicht, sollte das Paar etwas verändern. Wenn der Sex allerdings auch im Urlaub ausbleibt, hat das Paar ein größeres Thema. Denn fehlender Sex kann auch auf ein körperliches oder psychisches Problem hindeuten: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft sexuelle Unlust in ihrem Klassifikationssystem der Krankheiten und Gesundheitsprobleme ICD-10 als Symptom einer sexuellen Funktionsstörung ein.
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Keine Lust auf Sex? Paartherapeuten geben acht Tipps
Natürlich ist Sex in einer Ehe nicht unabdingbar. Ein Paar kann sich auch bewusst dafür entscheiden, auf Sexualität zu verzichten. Ist auch das normal? Meine Frau und Kollegin und ich finden: eher nicht. Unserer Auffassung nach sollten Paare Sex als etwas Wunderschönes erlebten und dadurch ihre Bindung vertiefen. Dafür geben wir in unserer Praxis folgende Tipps:
- Lernen Sie, über Sex zu sprechen. Sollte Ihnen das schwerfallen, nutzen Sie Spiele: Das Kartenspiel „Nackt“ macht es einfacher, Sex in lockerer und leichter Form die Sie über Sex in zu thematisieren.
- Tauschen Sie sich über Ihre Lust aus und teilen Sie, was Sie mögen und was nicht. Nichts muss Ihnen peinlich sein.
- Schaffen Sie im hektischen Paaralltag Inseln für Zärtlichkeit und Intimität. Fangen Sie mit kleinen Inseln an: Küssen Sie sich wieder! Keinen „Großmutter-Kuss“, sondern jeweils einen feuchten, Sechs-Sekunden-Kuss zum Abschied und zur Begrüßung.
- Verbannen Sie Smartphone, iPad und Fernseher aus Ihrem Schlafzimmer. Serien sind Liebeskiller, soziale Medien ebenfalls.
- Verabreden Sie sich zu Sexdates oder, wenn Sie es unverbindlicher möchten, zu „intimen Dates“. Ein Münzwurf bestimmt, wer das nächste Date organisiert. Ein schönes Date kann ein gemeinsames Bad mit Einseifen und anschließendem Eincremen sein.
- Falls Ihnen die Motivation oder neue Ideen fehlen, schauen Sie sich gemeinsam einen Soft- oder feministischen Porno an.
- Gehen Sie zusammen zu einem Tantra-Abend oder melden Sie sich zu einem gemeinsamen Tanzkurs an.
- Der vielleicht wichtigste Tipp: Warten Sie nicht, bis der oder die Andere anfängt. Oft ist das Gegenüber genauso in der Situation gefangen wie Sie.









