Morgens um halb zehn im Büro lassen sich zwei Gruppen beobachten: Die einen, die gähnend ihren fünften Kaffee trinken und nicht angesprochen werden wollen – zu wenig Schlaf. Und die, die bereits seit acht Uhr fit am Platz sitzen, schließlich ging es bereits am Vorabend um neun Uhr ins Bett.

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Ob man Frühaufsteher oder Nachteule ist, sucht man sich nicht selbst aus – darüber entscheidet der sogenannte Chronotyp. Der ist genetisch festgelegt und bestimmt den natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus eines Menschen. In der Schlafmedizin gibt es verschiedene Chronotypen, die sich grob in „Morgentypen“ (Lerchen), „Abendtypen“ (Eulen) und „Normaltypen“ einteilen lassen. Eine neue Studie, die in der Fachzeitschrift: „The Journal of Prevention of Alzheimer‘s Disease“ veröffentlicht wurde, kommt nun zu dem Ergebnis: Der Chronotyp könnte eine wichtige Rolle dabei spielen, wie schnell Menschen geistig abbauen. Das ist vor allem für die Erforschung von Demenz spannend.
Schlaf und kognitive Leistung: Studie überrascht mit neuen Erkenntnissen
Für die Studie hat ein Team der Universität Groningen aus den Niederlanden Daten von über 23.000 Personen ab 40 Jahren analysiert. Die Daten stammten aus einer Datenbank für öffentliche Gesundheitsforschung. Die Forschenden verglichen Schlafgewohnheiten mit Ergebnissen eines Tests, der die kognitiven Fähigkeiten misst, über einen Zeitraum von zehn Jahren.
Dabei stellten die Studienautoren fest: „In der Gruppe mit dem hohen Bildungsniveau entsprach jede einstündige Erhöhung des Chronotyps einem Rückgang der kognitiven Fähigkeiten um 0,80 Punkte pro Jahrzehnt.“ Bedeutet: Späte Chronotypen (Nachteulen) zeigten im Verlauf des Untersuchungszeitraums einen stärkeren Rückgang ihrer kognitiven Leistungsfähigkeit als Frühaufsteher. Beobachten konnten die Forschenden das allerdings nur bei Personen mit hohem Bildungsniveau. In den Gruppen mit niedrigem und mittlerem Bildungsniveau konnten keine Effekte des Chronotyps auf den geistigen Abbau nachgewiesen werden.
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Studienautoren vermuten als mögliche Ursache Arbeitszeit
Neben Schlafgewohnheiten wurden auch Lebensstilfaktoren wie Rauchen, Alkoholkonsum und körperliche Aktivität erfasst. Allerdings hatten diese Faktoren wenig Einfluss auf das Risiko, in der Denkleistung abzubauen.
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Die Autorinnen und Autoren vermuten, dass Nachteulen mit hoher Bildung häufiger gezwungen sind, sich an starre Arbeitszeiten – von 9 bis 17 Uhr – anzupassen. Das könne zu chronischem Schlafmangel führen, was das Gehirn zusätzlich belaste und den kognitiven Abbau beschleunigen könnte. So ließen sich Ergebnisse womöglich erklären. Eine weitere Vermutung der Forschenden: Gebildete Menschen würden generell über eine höhere geistige Leistungsfähigkeit verfügen. Dadurch könnte der Leistungsabfall dann umso größer sein.
Auch wenn durch weitere Forschung noch mehr Faktoren zum Lebensstil berücksichtigten werden müssten, um sicher von einem Zusammenhang zwischen Schlafrhythmus, Bildung kognitiven Fähigkeiten zu sprechen, zeigt die Studie Hinweise darauf, dass der individuelle Schlaf-Wach-Rhythmus eine wichtige Rolle für die geistige Gesundheit im Alter spielen könnte.








