- Alina Juravel hatte mit Ende 20 „Cholesterinwerte eines alten, dicken Mannes“
- Davon können laut Ärzten auch junge, schlanke Menschen betroffen sein
- Endlich verbessern sich ihre Werte – dank Omega 3?
Es gibt ein weitverbreitetes Klischee, hohe Cholesterinwerte würden nur übergewichtige Menschen betreffen. Solche, die keinen Sport machen und zu viel Fast Food essen. Ich bin ein gutes Beispiel dafür, dass dies ein Irrglaube ist: Ich bin jung und schlank, rauche nicht, habe keine Probleme mit dem Blutdruck und bewege mich regelmäßig. Trotzdem wurden bei mir bereits in meiner Jugend zu hohe Cholesterinwerte diagnostiziert.

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Als ich Ende 20 war, hieß es schließlich, ich hätte die Cholesterinwerte „eines alten, dicken Mannes“, wie es mein Hausarzt damals salopp ausdrückte. Vor allem vom schlechten LDL-Cholesterin hatte ich zu viel im Blut. Nach medizinischen Richtlinien sollte dieser Wert bei Frauen unter 116 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) liegen. Hier lag ich jedoch bei 175 mg/dl. „Viel zu hoch“, sagte mein Arzt damals. Jahre später sind meine Werte wieder im Normbereich – und das ganz ohne Statine. Habe ich das womöglich mit Nahrungsergänzungsmitteln geschafft? Das habe ich mit zwei Fachärzten besprochen.
Hohe Cholesterinwerte trotz gesunder Ernährung: Was sind die Ursachen?
Heute weiß man, dass überschüssiges LDL-Cholesterin sich in den Gefäßinnenwänden ablagert, was zu Arterienverkalkungen (Arteriosklerose) führen kann. Laut der Deutschen Herzstiftung sind hohe Cholesterinwerte eine der Hauptursachen für verengte Blutgefäße, die im schlimmsten Fall zum Herzinfarkt oder Schlaganfall führen.
Weil ich keine typischen Risikofaktoren für eine mögliche Herzerkrankung aufwies, wurde bei mir lange Zeit eine angeborene Fettstoffwechselerkrankung vermutet, die sogenannte familiäre Hypercholesterinämie. „Wir gehen davon aus, dass etwa eine Person von 250 betroffen ist. Die Dunkelziffer ist hoch, da nicht alle Betroffene diagnostiziert werden“, erklärt mir Dr. Anja Vogt, Fachärztin für Innere Medizin und Leiterin der Stoffwechselambulanz am LMU Klinikum der Universität München. Die Diagnose der familiären Hypercholesterinämie erfolgt in der Regel über eine Kombination aus Blutuntersuchungen, Familienanamnese und gegebenenfalls genetischen Tests.

Bei der familiären Hypercholesterinämie wird weniger Cholesterin aus dem Blut in die Leber aufgenommen. So lagert sich Cholesterin vermehrt in den Wänden der Arterien ab. „Egal, wie gesund die Betroffenen essen oder wie viel Sport sie treiben, bei ihnen wird sich trotzdem Cholesterin in den Arterienwänden ansammeln“, stellt die Expertin klar. Hohe Cholesterinwerte können also durchaus junge und sportliche Menschen betreffen und für sie genauso gefährlich werden.
Cholesterin senken: Warum Ärzte auf Statine setzen
Um Cholesterinwerte zu senken, ist eine Kombination aus Ernährungsumstellung, ausreichend Bewegung, Gewichtsreduktion und gegebenenfalls Medikamenten notwendig. Vor allem, wenn der Lebensstil bereits gesund ist, können Statine sinnvoll sein, um die Cholesterinwerte auf ein gesundes Maß zu senken. „Statine sind wirkungsvolle Medikamente gegen erhöhte LDL-Cholesterinwerte“, bestätigt auch Hon.-Prof. Dr. Martin Merkel, Facharzt für Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie. Statine hemmen ein Enzym, das in der Leber Cholesterin produziert und senken so langfristig die Werte.
Äußerlich gesund und trotzdem schlechte Blutwerte
Auch ich habe mir bereits Gedanken darüber gemacht, ob ich Statine nehmen sollte, um meine Blutfettwerte zu senken. Denn eins ist klar: Mein Lebensstil kann nicht schuld an meinem hohen Cholesterin sein. Seit Jahren bevorzuge ich mediterrane Kost, die reich an ungesättigten Fettsäuren ist. Ich achte darauf, genügend Gemüse und Obst sowie Ballaststoffe zu essen. Hochverarbeitete Lebensmittel wie Wurst oder Fast Food esse ich so gut wie keine. Ich trinke keinen Alkohol, bewege mich viel und achte darauf, wenig Zucker zu mir zu nehmen.
Ich muss zugeben, dass ich lange Zeit Bedenken vor möglichen Nebenwirkungen hatte, was Statine angeht. Schließlich stehen sie im Verdacht, Muskelschmerzen zu verursachen. Je mehr ich mich mit dem Thema jedoch beschäftigte, desto beruhigter war ich. „Ja, es kann Nebenwirkungen geben. Man muss es aber in den Kontext setzen, dass die Folgekrankheiten deutlich schlimmer sind als eventuelle Nebenwirkungen. Und das Medikament kann man ja absetzen“, sagt auch Dr. Anja Vogt zum Thema Cholesterinsenker. Grundsätzlich seien Statine sowie andere Cholesterinsenker gut verträglich.
Omega-3 gegen Cholesterin: Können Kapseln die Werte senken?
Vor meiner letzten Blutuntersuchung, die ich einmal im Jahr habe, war ich also felsenfest davon überzeugt, meinen Arzt dieses Mal nach Statinen zu fragen. Doch als das Ergebnis da war, staunte ich. Denn zum ersten Mal, seit meine Cholesterinwerte regelmäßig kontrolliert werden, waren sie im Normbereich. Mein LDL-Cholesterinwert, der beim letzten Mal bei fast 180 ml/dl lag, ist auf 106 ml/dl gesunken. Und mein Gesamtcholesterinspiegel sank von 270 ml/dl auf 194. „Sehr gut“, urteilte mein Hausarzt.
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Auch wenn ich mich über die Normwerte sehr freue, konnte ich mir zunächst nicht erklären, warum mein Cholesterin auf einmal gesunken ist. Schließlich machte ich nichts anderes, als auch in all den Jahren zuvor. Doch dann fiel mir doch eine Kleinigkeit auf, die ich anders mache: Seit fast einem Jahr nehme ich Omega 3 als Nahrungsergänzungsmittel zu mir.
Omega-3-Fettsäuren sind essenziell – das bedeutet, sie müssen über die Ernährung aufgenommen werden, weil der Körper sie nicht selbst bilden kann. Laut der Deutschen Herzstiftung werden ihnen entzündungshemmende Eigenschaften zugeschrieben und sie sollen dazu beitragen, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu verringern. „Tatsächlich sind Omega-3-Fettsäuren aus Nahrung wertvoll. In fettem Seefisch wie Lachs, Makrele oder Hering, aber auch in Walnüssen, Lein- oder Rapsöl ist davon reichlich enthalten“, erklärt Martin Merkel.
Omega-3: Welche Wirkung haben die Fettsäuren auf Triglyceride?
Aber können Omega-3-Fettsäuren dazu beitragen, das Herzinfarktrisiko zu senken? „Es gibt für die derzeit in Deutschland erhältlichen Präparate keinen wissenschaftlichen Beleg dafür. Wir haben keine verfügbaren Studien, die zeigen, dass das Herzinfarktrisiko durch Omega 3 tatsächlich gesenkt werden kann“, erläutert der Facharzt. Ein Ersatz für Statine können Omega-3-Fettsäuren also ausdrücklich nicht werden: „Das wäre fahrlässig und gefährlich.“

Es gebe jedoch Erkenntnisse, dass Omega 3 sich positiv auf andere Blutfettwerte auswirkt: Triglyceride. Sie werden vor allem durch die Nahrung aufgenommen. „Enthält das Blut zu viel davon, steigt das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall, vor allem dann, wenn auch erhöhte LDL-Cholesterinwerte gemessen werden“, erläutert Martin Merkel. Omega-3-Fettsäuren, vor allem EPA (Eicosapentaensäure) und DHA (Docosahexaensäure), können dazu beitragen, die Triglyceride zu senken.
„Triglyceride lassen sich aber grundsätzlich leichter senken als Cholesterin, insbesondere durch Änderungen im Lebensstil, wie Ernährung und Bewegung sowie vor allem Gewichtsreduktion“, sagt Martin Merkel. Ob meine Cholesterinwerte also tatsächlich durch Omega 3 gesenkt werden konnten, oder andere, mir bislang unbekannte Faktoren, bleibt ein Rätsel. Eins ist jedoch für mich sicher: Sollten die Werte bei meiner nächsten Untersuchung wieder über dem Normbereich liegen, werde ich mir Statine verschreiben lassen.
Dieser Artikel erschien erstmals im März 2025 und wird fortlaufend aktualisiert.








