Die jüngste Diagnose des ehemaligen US-Präsidenten Joe Biden – ein aggressiver, hormonempfindlicher Prostatakrebs mit Knochenmetastasen – hat weltweit für Aufsehen gesorgt. Abseits der politischen Debatte und dem persönlichen Schicksal lenkt die Nachricht die Aufmerksamkeit auf eine der häufigsten Krebserkrankungen bei Männern. „Diese Aufmerksamkeit ist enorm wichtig, denn wir gehen nicht nur von einer Verdopplung der Prostatakrebsfälle, sondern auch der Mortalität durch diese Krebsart in den nächsten 20 Jahren aus“, betont Peter Albers, Direktor der Klinik für Urologie am Universitätsklinikum Düsseldorf. „Und dagegen müssen wir etwas tun.“

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In Deutschland erkranken aktuell laut dem Zentrum für Krebsregisterdaten des Robert Koch-Institut (RKI) jährlich über 70.000 Männer an Prostatakrebs – das entspricht etwa jedem vierten Krebsfall bei Männern. Besonders tückisch: Im Frühstadium verursacht Prostatakrebs kaum Symptome. Wie gefährlich macht das Prostatakrebs – und was kann man tun, um ihn frühzeitig zu erkennen und wirksam zu behandeln? Antworten auf die wichtigsten Fragen.
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Was genau ist Prostatakrebs?
Die Prostata, auch Vorsteherdrüse genannt, ist eine etwa kastaniengroße Drüse unterhalb der Blase. Sie spielt eine wichtige Rolle für die Fruchtbarkeit. Entarten dort Zellen, können sie zunächst unbemerkt wachsen. Ein Tumor entsteht. Diagnose: Prostatakrebs. Die Erkrankung verläuft jedoch oft schleichend und bleibt im Frühstadium symptomlos. In späteren Stadien kann sich der Tumor über das Blut- oder Lymphsystem ausbreiten und streuen – etwa in die Knochen, wie bei Joe Biden.
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Welche unterschiedlichen Arten von Prostatakrebs gibt es?
Medizinisch unterscheiden Fachleute verschiedene Arten von Prostatatumoren, in der Fachsprache Prostatakarzinom genannt – abhängig von Aggressivität, Wachstumsgeschwindigkeit und Hormonabhängigkeit.
- Adenokarzinom der Prostata: Diese Form macht über 95 Prozent aller Prostatakrebsfälle aus. Sie entsteht aus den Drüsenzellen und ist auch die Form, die bei Biden diagnostiziert wurde. Andere, weniger häufige Arten sind etwa duktale Adenokarzinome, Plattenepithelkarzinome, kleinzellige Prostatakarzinome oder Übergangszellkrebs
- Niedrig- versus hochaggressiv: Der sogenannte Gleason-Score bewertet, wie stark die Krebszellen des Tumors von normalen Zellen abweichen. Ein sehr hoher Score von 9 oder 10 spricht laut Krebsinformationsdienst für eine besonders aggressive Form. Bei Joe Biden lag der Wert bei 9.
- Hormonsensitiver Prostatakrebs, kurz mHSPC: Das Wachstum wird durch männliche Geschlechtshormone wie Testosteron gefördert. Biden leidet laut Berichten an genau dieser Form. Um das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen, wird der Testosteronspiegel gesenkt oder seine Wirkung gezielt unterdrückt. „Es wäre sehr unüblich, wenn Biden auf eine Hormontherapie nicht ansprechen würde“, meint Albers – trotz Knochenmetastasen.
- Kastrationsresistenter Prostatakrebs, kurz mCRPC: Hier reagiert der Tumor nicht mehr auf Hormontherapien. Diese Variante ist besonders schwer behandelbar.
Was sind erste Anzeichen für Prostatakrebs?
„Tatsächlich merkt man Prostatakrebs erst einmal gar nicht“, betont Albers, der zusätzlich am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg arbeitet. Typische Beschwerden und Symptome treten häufig erst bei fortgeschrittener Erkrankung auf und sind oft unspezifisch. Dazu zählen unter anderem häufiger Harndrang, ein abgeschwächter Harnstrahl, Blut im Urin oder Schmerzen beim Wasserlassen. Letzteres beklagte auch der ehemalige US-Präsident und ließ sich daraufhin untersuchen.
Zudem können auch Erektionsstörungen oder Schmerzen im unteren Rücken und in den Knochen auftreten. Letzteres deutet häufig auf Metastasen hin. Die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) betont: Männer sollten diese Anzeichen ernst nehmen und ärztlich abklären lassen – auch ohne akute Beschwerden. Das gelte insbesondere für Männern über 45 Jahre.
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Die Symptome von Prostatakrebs im Überblick:
- Häufiger oder nächtlicher Harndrang
- ein abgeschwächter Harnstrahl
- Schmerzen beim Wasserlassen
- Blut im Urin oder Sperma
- Erektionsstörungen
- Rücken und/oder Knochenschmerzen bei fortgeschrittener Erkrankung
Was erhöht das Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken?
Die Ursachen für Prostatakrebs sind vielfältig. Das wichtigste Risiko ist das Alter: Über 80 Prozent der Betroffenen sind bei der Diagnose über 60 Jahre alt. Eine familiäre Vorbelastung verdoppelt bis verdreifacht das Erkrankungsrisiko. Laut dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) erhöhen zudem hormonelle Faktoren – insbesondere ein hoher Testosteronspiegel – sowie ein ungesunder Lebensstil mit wenig Bewegung, fettreicher Ernährung und Übergewicht das Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken.
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Vorsorgeuntersuchungen: Wie wichtig ist eine gute Früherkennung?
In Deutschland haben Männer ab dem 45. Lebensjahr Anspruch auf eine jährliche urologische Vorsorgeuntersuchung. Diese wird von den Krankenkassen bezahlt. Die Vorsorgeuntersuchung umfasst ein Gespräch sowie aktuell eine Tastuntersuchung der Prostata durch den Enddarm. Diese hat jedoch gerade bei jungen Männern eine hohe Falsch-Positiv-Rate. Laut der neuen Version der S3-Leitlinie Prostatakarzinom soll daher nun verstärkt der sogenannte PSA-Test durchgeführt werden. Dieser Bluttest zur Bestimmung des Prostataspezifischen Antigens, kurz PSA, kann Hinweise auf Veränderungen geben.
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Lange galt der PSA-Test umstritten, da er auch bei gutartigen Veränderungen erhöht sein kann. Diese Einschätzung ist jedoch mittlerweile überholt. Den PSA-Wert im Alter von 45 bis etwa 52 Jahren einmalig bestimmen zu lassen, hält Peter Albers, Direktor der Klinik für Urologie am Universitätsklinikum Düsseldorf für „maximal sinnvoll“. Der Test kostet zwischen 15 und 40 Euro. Mehr Details und alles Wichtige zum PSA-Test erfahren Sie hier.
Prostatakrebs: Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Wird der Krebs früh entdeckt und ist noch auf die Prostata begrenzt, bestehen sehr gute Heilungschancen. Zu den Standardverfahren zählt die vollständige operative Entfernung der Prostata. Diese sogenannte radikale Prostatektomie hat häufig Inkontinenz und Impotenz zur Folge. Auch eine gezielte Strahlentherapie ist möglich. „Bei sehr langsam wachsenden Tumoren kann auch ein aktives Beobachten ausreichen“, so Albers.
Bei fortgeschritteneren Stadien, wie im Fall von Joe Biden, kommen andere Therapien zum Einsatz. Biden leidet laut offizieller Mitteilung an einem „aggressiven, hormonempfindlichen Prostatakarzinom mit Knochenmetastasen“. Diese Form spricht in vielen Fällen gut auf eine sogenannte Hormontherapie an, die das Wachstum hormonabhängiger Tumorzellen stoppt. Fachsprachlich wird sie auch Antihormontherapie, Hormonentzugstherapie oder Hormonentzugsbehandlung genannt. Zusätzlich können Chemotherapie, Strahlentherapie oder neuere zielgerichtete Medikamente sinnvoll sein.

Wie gut sind die Heilungschancen? Wie hoch ist das Sterberisiko?
Die Überlebensrate hängt stark vom Zeitpunkt der Diagnose ab. Ist der Tumor auf die Prostata beschränkt, liegt die Fünf-Jahres-Überlebensrate laut RKI bei über 90 Prozent. Bei Metastasen sinkt sie deutlich, dennoch gibt es auch in diesen Fällen wirksame Therapien, die den Krankheitsverlauf bremsen können und die Lebensqualität erhalten. „Bei Knochenmetastasen gilt man aber grundsätzlich als nicht mehr heilbar“, räumt Urologe Albers ein. So sei es leider auch bei Biden. „Von zehn Jahre Überlebenszeit, wie teilweise zu lesen ist, würde ich schon aufgrund des Alters und der Ko-Morbidität nicht ausgehen.“
Wie stirbt man an Prostatakrebs?
Diese Frage gehört zu den häufigsten Suchanfragen – und so makaber sie scheinen mag, sie ist berechtigt. Denn wenn Prostatakrebs nicht rechtzeitig erkannt oder behandelt wird, kann er tödlich verlaufen. Besonders gefährlich wird es, wenn sich der Krebs bereits im Körper ausgebreitet und Metastasen gebildet hat. Häufig breitet sich der Tumor auf die Knochen, Lymphknoten oder Leber aus.
Laut dem Deutschen Krebsforschungszentrum ist das größte Problem im Endstadium daher gar nicht der Tumor selbst, sondern die Komplikationen: starke Schmerzen, Nierenversagen durch Harnabflussstörungen, Lähmungen bei Wirbelsäulenbefall oder eine generelle Erschöpfung des Körpers durch die Ausbreitung des Krebses.
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Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin betont, dass Patienten in dieser Phase in der Regel palliativmedizinisch betreut werden, um Schmerzen zu lindern und Lebensqualität zu erhalten. Der Tod tritt dann meist nicht plötzlich, sondern als Folge von Organversagen, Infektionen oder extremer körperlicher Schwäche ein. Eine frühzeitige palliative Begleitung kann den Verlauf jedoch erheblich erleichtern
Die Diagnose von Joe Biden unterstreicht die Bedeutung der Vorsorge. Regelmäßige Untersuchungen ermöglichen die frühzeitige Erkennung und Behandlung von Prostatakrebs, was die Heilungschancen erheblich verbessert. Die wichtigste Botschaft lautet deshalb: „Männer sollten ihre Scheu vor der Vorsorge überwinden“, so Albers. „Denn Früherkennung mit PSA kann Leben retten. Das Geld dafür sollte man sich wirklich leisten.“















