Männer kümmern sich noch immer zu wenig um ihre Gesundheit. Besonders den Gang zum Urologen scheuen viele Patienten. Das liegt auch an der bis heute empfohlenen jährlichen Tastuntersuchung der Prostata für Männer ab 45 Jahren. Doch die könnte bald der Vergangenheit angehören – umstritten ist sie ohnehin schon länger.

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Die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) hat vor wenigen Wochen eine neue Version der S3-Leitlinie Prostatakarzinom veröffentlicht. An der Leitlinie für Ärzte haben 22 Fachgesellschaften und Institutionen mitgearbeitet. Eine wichtige Neuerung: Das Abtasten der Prostata zur Früherkennung von Karzinomen wird künftig nicht mehr empfohlen. Stattdessen soll verstärkt auf den sogenannten PSA-Test, dabei wird das Blut auf ein bestimmtes Eiweiß getestet, gesetzt werden. Auch die Magnetresonanztomografie (MRT) der Prostata wird laut Ärzteblatt in der Leitlinie gestärkt.

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Für Patienten bedeutet das: Bluttest und MRT statt Finger im Po. Von dem Schritt erhoffen sich einige auch, dass die Hemmschwelle die Vorsorgeuntersuchung in Anspruch zu nehmen für Männer sinkt.

Gesundheit: Tastuntersuchung beim Urologen schreckt viele Männer ab

Schon seit Jahren weisen Ärzte und Wissenschaftler darauf hin, dass die Tastuntersuchung zu wenig akzeptiert sei. Zudem ist deren Zuverlässigkeit seit Jahren umstritten. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) kamen schon 2023 in einer Studie zu dem Ergebnis, dass die rektale Tastuntersuchung zur Früherkennung von Prostatakrebs bei jüngeren Männern im Alter von 45 Jahren nicht geeignet sei. Sie führe zu einer zu hohen Falsch-Positiv-Rate. Das heißt, nach dem Abtasten des Organs wurde bei deutlich mehr Patienten ein Karzinom vermutet, als durch eine spätere Gewebeentnahme bestätigt wurde. Umgekehrt gab es auch negative Testergebnisse, die sich später als falsch herausstellten. Insbesondere Tumore, die noch besonders klein waren, wurden beim Abtasten übersehen – genau diese sollen jedoch in einer Früherkennung entdeckt werden.

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„Der PSA-Test hat sich in großen randomisierten Studien als eindeutig überlegen erwiesen. Wir sollten mit großem Nachdruck eine risikoadaptierte, bevölkerungsweite Einführung vorbereiten, die bei abklärungsbedürftigen Befunden die Möglichkeit einer MRT-Untersuchung beinhaltet,“ folgerte Agne Krilaviciute vom DKFZ, die Erstautorin der Studie, damals.

Prostata-Untersuchung per Bluttest? Noch müssen Patienten selbst zahlen

Diese Erkenntnis findet sich nun auch in den neuen Leitlinien der DGU. Hauptautor Marc-Oliver Grimm, Direktor der Klinik für Urologie am Universitätsklinikum Jena, sagte dazu jüngst der „Süddeutschen Zeitung“: „Wir Ärzte können einen Tumor erst ertasten, wenn er schon eine gewisse Größe erreicht hat. Dabei kommt es zu vielen falsch-positiven, aber auch vor allem falsch-negativen Befunden.“ Allerdings wolle man die Tastuntersuchung nicht grundsätzlich verbannen, sie könne bei Verdacht weiterhin sinnvoll sein.

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Einen Haken gibt es allerdings noch. Denn die Alternativen zur Tastuntersuchung wie der PSA-Test sind laut dem Regelwerk der Krankenkassen derzeit noch IGeL-Leistungen. Das heißt, Patienten müssen sie selbst zahlen. Damit sich das ändert und künftig die Vorsorge per Bluttest und MRT zur Kassenleistung wird, muss die Politik die Vorgaben ändern. Die neuen Empfehlungen der DGU könnten den Stein ins Rollen bringen.

lro