Die Ursache von chronischen Schmerzen bleibt für Betroffene und ihre Ärzte oftmals ein Rätsel. Obwohl alte Wunden, Knochenbrüche oder Krankheiten längst geheilt sind, bleiben die Schmerzen bestehen, werden chronisch – und damit selbst zur Krankheit.

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Dabei spiele das Nervensystem dem Körper einen „Streich“, wie Manuela Schmidt, Leiterin einer Forschungsgruppe zu chronischen Schmerzen an der Uni Wien, gegenüber dem Forschungsmagazin „Rudolphina“ erklärt. „Wenn das Nervensystem eine Zeit lang ständig von einem Schmerzreiz aktiviert wird, kommt es irgendwann zu einer Übersensibilisierung – der Schmerz wird in einer Art ‚Gedächtnis‘ gespeichert und immer wieder abgerufen“, sagte Schmidt.
Auf der Suche nach einer Behandlung gegen diesen „Streich“, richtet sich die Aufmerksamkeit von Wissenschaftlern auch auf die Darmflora, die die Gesamtheit der im Darm lebenden Mikroorganismen umfasst. Eine neue Studie zeigt nun, dass sich durch eine experimentelle Behandlung mit Darmmikroben die chronischen Schmerzen von Betroffenen deutlich lindern lassen.
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Fibromyalgie: Darmmikroben gesunder Menschen könnten chronische Schmerzen lindern
In der Untersuchung konzentrierte sich das israelisch-kanadische Forschungsteam auf Fibromyalgie, eine chronische Schmerzerkrankung, zu der Symptome wie Schmerzen in der Nähe von Muskeln und Gelenken, anhaltende Müdigkeit, Schlafstörungen sowie eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit gehören.
In Deutschland erkranken laut der Deutschen Rheuma-Liga rund zwei Prozent der erwachsenen Bevölkerung am Fibromyalgiesyndrom, wobei Frauen sechs bis sieben Mal häufiger betroffen sind. Die genauen Ursachen der Erkrankung seien demnach bis heute nicht bekannt.
Die Forscher verabreichten in der Studie 14 Frauen, deren Fibromyalgie bisher behandlungsresistent blieb, die Darmmikroben gesunder Frauen. Zuvor hatten die Forscher die Teilnehmerinnen mit Antibiotika behandelt. Nach dem Versuch berichteten zwölf von ihnen, dass Symptome wie Schmerzen, Ängstlichkeit und Schlafstörungen zurückgegangen waren. Allerdings klagten sie auch über Müdigkeit – ein Nebeneffekt der Behandlung. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Neuron“ veröffentlicht.
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Darmflora unterscheidet sich in von chronischen Schmerzen betroffenen Menschen
Laut den Forschern liefert die Studie einen weiteren Indiz darauf, dass viele chronische Schmerzerkrankungen auch durch den Darm verursacht und behandelt werden können. Darmmikroben von Menschen mit Fibromyalgie könnten das Immunsystem dazu veranlassen, neuronale Schaltkreise anzugreifen, die an Schmerzen beteiligt sind, vermuten die Studienautoren. Außerdem wandeln die Mikroben von der menschlichen Leber ausgeschiedene Verbindungen zu Molekülen um, die die Schmerzempfindlichkeit ebenfalls beeinflussen können.
Bereits 2019 hatte ein Forschungsteam um den Schmerzwissenschaftler Amir Minerbi erkannt, dass die Darmflora, beziehungsweise das Darmmikrobiom von Frauen mit Fibromyalgie sich von dem gesunder Frauen deutlich unterscheidet. Seitdem erforscht Minerbi an der Technion, der Technischen Universität Israels in Haifa, ob eine Dosis Mikroorganismen aus dem Darm gesunder Menschen die Symptome der Krankheit bekämpfen kann.
Für die nun veröffentlich Studie, an der Minerbi auch beteiligt war, unternahm das Forschungsteam noch weitere Experimente. So transplantierten die Forscher auch winzige Proben von mikrobenbeladenem Kot aus gesunden sowie aus an Fibromyalgie erkrankten Frauen in Labormäuse. Dabei stellten sie fest, dass Mäuse, die Mikroben von Frauen mit Fibromyalgie erhielten, Anzeichen einer höheren Schmerzempfindlichkeit als Reaktion auf Druck, Hitze und Kälte zeigten als Mäuse, die Mikroben von gesunden Frauen erhielten.
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Ursache von Fibromyalgie: Klinische Studie soll Klarheit bringen
In einem weiteren Experiment wurde Mäusen, deren Darmflora Fibromyalgie typische Mikroben enthielt, nach einer Antibiotika-Behandlung der Kot gesunder Frauen transplantiert. Nach der Transplantation zeigten die Mäuse weniger Schmerzsymptome. Dagegen wiesen Mäuse, denen der Kot von sowohl gesunden als auch kranken Frauen transplantiert wurde, keine Besserung auf.
Die Autoren der Studien weisen insbesondere im Hinblick auf den Test an Menschen auch auf die Schwächen der Untersuchung hin. Mit einer so kleinen Versuchsgruppe seien die Ergebnisse mit Vorsicht zu genießen, warnt einer der Autoren gegenüber „Nature“. Eine Kontrollgruppe gab es nicht, außerdem wussten alle Teilnehmer, dass sie die Behandlung erhielten. Ein Placebo-Effekt kann also nicht ausgeschlossen werden.
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Laut „Nature“ arbeiten die Forscher nun an einer großen klinischen Studie, die mehr Klarheit darüber bringen soll, welche Bakterien im Darm genau mit den chronischen Schmerzen in Verbindung stehen.












