• Die meisten Menschen sind bereits mit Eifersucht konfrontiert worden
  • Krankhafte Eifersucht kann Beziehungen schädigen oder sogar zerstören
  • Eine Expertin hat den ultimativen Geheimtipp, mit dem Betroffene Eifersucht überwinden

Ein gewisses Maß an Eifersucht ist in Beziehungen normal. Laut einer Umfrage der Dating-Plattform „Lemon Swan“ haben 80 Prozent der Deutschen dieses Gefühl schon einmal in einer Partnerschaft erlebt, 30 Prozent bezeichnen sich sogar als extrem eifersüchtig. Doch während fast jeder das beklemmende Gefühl kennt, wenn der Partner oder die Partnerin vertraut mit jemand anderem lacht, wissen die wenigsten, wie sie diese Unsicherheit gesund verarbeiten.

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Dabei kann Eifersucht das Vertrauen in eine Beziehung erschüttern und diese belasten, wenn sie sich in toxischen Mustern ausdrückt. Zwei Experten erklären, wo die Grenze zur ungesunden Eifersucht liegt und welchen Irrglauben Betroffene unbedingt loslassen müssen, um sie zu überwinden.

Eifersucht kann zum Liebesbeweis werden – durch gesunde Kommunikation

Eifersucht ist nicht automatisch toxisch: Gelegentlich ausgedrückt, kann sie ein Liebesbeweis sein, sagt der Berliner Paartherapeut Alexander Piotrowski. „Paare nutzen dann das Vokabular der Eifersucht, um sich Zuneigung und Interesse zu signalisieren“, sagt er. Solange das Gefühl situativ ist und das Vertrauen in die Beziehung nicht dauerhaft untergräbt, kann Eifersucht die Bindung sogar festigen.

In diesem Fall zeigt sie dem Partner oder der Partnerin: Du bist mir wichtig. Doch Eifersucht kann auch ein Warnsignal sein oder ein Hinweis darauf, dass in der Beziehung etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist. Passend dazu: Krankhaft eifersüchtige Ex: Therapeut erklärt wichtigen Erste-Hilfe-Trick

Eine eifersüchtige Partnerin will ihrem Partner das Handy wegnehmen.
Eifersucht kann jede Beziehung vergiften. Auch Betroffene leiden darunter, doch gegen die Angst hilft eine wichtige Erkenntnis.© Getty Images | DjelicS

Selbst dann könne die Eifersucht Paare stärken, sagt Piotrowski: „In solchen Fällen kann sie ein Anstoß sein, sich über das Erleben in der Partnerschaft auszutauschen, welche Bedürfnisse man hat und wie man sich gegenseitig unterstützen will“, erklärt er. Entscheidend sei, dass solche Gespräche nicht von Vorwürfen, sondern von ehrlicher Selbsterkenntnis geprägt seien.

Experten warnen: Dann wird Eifersucht krankhaft

Während gesunde Eifersucht situativ auftritt und Paare sie durch offene Gespräche entschärfen, entwickelt sich problematische Eifersucht oft zu einem Dauerzustand, der alles überschattet. „Problematisch wird es, wenn Eifersucht nicht mehr als vorübergehende Verunsicherung empfunden wird, sondern als quälende, allgegenwärtige Belastung“, sagt die Diplom-Psychologin und Psychologische Psychotherapeutin Lisa Zimmermann aus Berlin.

„Betroffene erleben sie als ein brennendes Gefühl der Unerträglichkeit, das zu paranoidem bis zwanghaftem Erleben und Verhalten führt“, erklärt die Expertin. Wer in der Eifersucht gefangen ist, versucht verzweifelt, Kontrolle über den vermeintlichen Auslöser zu erlangen. „Das äußert sich oft in ständiger Überwachung des Partners, misstrauischen Fragen oder sogar heimlichen Nachforschungen“, so Zimmermann.

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Doch Kontrolle bringt keine Sicherheit. Im Gegenteil: Das Verhalten des Eifersüchtigen verstärkt oft genau die Ängste, die er zu vermeiden versucht. „Typischerweise entwickelt sich eine toxische Dynamik aus Anklammern und Rückzug“, erklärt die Psychologin. „Durch diese Polarisierung – der eine drängt auf Nähe, der andere zieht sich zurück – eskaliert die Situation oft in ungewollte Verhaltensmuster, die für beide Seiten belastend sind.“

Ein weiteres Warnsignal: wenn Eifersucht in Aggression umschlägt. „Es kann zu verbalen oder schriftlichen Angriffen, penetranten Kontrollanrufen oder sogar körperlichen Übergriffen kommen“, warnt Zimmermann. „Der Eifersüchtige ist emotional so belastet, dass er seine Affekte nicht mehr adäquat regulieren kann und sie ausagieren muss.“ Spätestens dann wird klar: Hier geht es nicht mehr um Liebe, sondern um eine tief sitzende Angst.

Eifersucht überwinden: Therapeut erklärt Weg aus der Unsicherheit

Doch wie kommen Betroffene aus diesem Teufelskreis heraus? Die Antwort ist weder einfach noch bequem: Eifersucht loszuwerden bedeutet nicht, die Außenwelt zu kontrollieren. Denn keine Beziehung kann absolute Sicherheit bieten – und Vertrauen entsteht nicht durch ständige Bestätigung, sondern durch innere Stabilität.

Betroffene müssen also lernen, die gesuchte Sicherheit in sich selbst zu finden. „Bei der Überwindung von Eifersucht geht es im Kern darum, mit Unsicherheit umgehen zu lernen“, erklärt Paartherapeut Piotrowski. Viele Menschen erlebten ihre Beziehung zunächst in einer „träumerischen Phase“, in der sie an bedingungslose Loyalität glauben, so der Experte. Irgendwann käme die Erkenntnis: Es gibt keine Beziehung ohne Unsicherheiten.

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Wer Eifersucht überwinden wolle, müsse deshalb bereit sein, sich von der Vorstellung absoluter Treue zu verabschieden und Unsicherheiten auszuhalten, so Piotrowski. „In jeder Beziehung kann es Gefühle geben, die diese Loyalität in Frage stellen“, sagt er. Manche Menschen hätten nur das Glück, in ihrem Beziehungsleben nie mit dieser Realität konfrontiert zu werden.

Umso wichtiger ist eine ehrliche Auseinandersetzung mit dem Gefühl. Piotrowski rät: Betroffene sollen ihre Eifersucht nicht als Feind sehen, sondern als Schutzmechanismus. Er empfiehlt einen inneren Dialog mit der Angst: „Ich sehe dich. Du willst mich vor etwas schützen – das ist gut. Aber ich werde dafür sorgen, dass dieser Schutz nicht mehr nötig ist.“ Wer die Eifersucht verdrängt, riskiert, dass sie an anderer Stelle wieder aufbricht.

Eifersucht loswerden: Ursache liegt selten in der Beziehung

Bei der Entdeckung der eigenen Ängste sollten sich Betroffene daher auf die Suche nach der Wurzel ihrer Eifersucht machen. „Wenn sich Menschen mit der Tendenz zur Eifersucht mit ihrem inneren Erleben auseinandersetzen, stoßen sie häufig auf frühe Verlusterfahrungen oder das Gefühl eines tiefen Mangels“, erklärt Psychologin Zimmermann. Solche emotionalen Verletzungen hinterließen Spuren, die die Betroffenen später unbewusst auf ihre Beziehung projizierten.

Was sich wie die Angst vor dem Verlust des Partners anfühlt, ist in Wirklichkeit oft die alte, schmerzhafte Erfahrung von Zurückweisung oder Enttäuschung in der Kindheit. „Der Partner wird in der Wahrnehmung des Eifersüchtigen zum abweisenden oder unerreichbaren Elternteil“, sagt Zimmermann.

So wiederholt sich das alte Muster immer wieder – bis die Betroffenen bewusst lernen, konstruktiv mit ihren Erfahrungen umzugehen. In diesem Schritt sieht die Psychologin die Chance zur Veränderung. „Im Erwachsenenleben sind Ablehnungserfahrungen nicht existenzbedrohend: Sie sind aushaltbar. Wer sich ihnen stellt, kann aus der Angst innere Stärke entwickeln“, betont Zimmermann.

Jealous husband is peeking his texting wife in bed
Die Gründe für die Eifersucht liegen in vielen Fällen nicht in der aktuellen Beziehung.© Getty Images | praetorianphoto

Eine wichtige Erkenntnis hilft dabei, die Eifersucht zu überwinden

Auch Piotrowski erkennt in dieser Erkenntnis einen entscheidenden Wendepunkt: „Der Moment, in dem man merkt: ‚Ich werde überleben, auch wenn das vermeintlich Schlimmste passiert.‘, verändert alles.“ Die Eifersucht verliere dann ihre Schutzfunktion. „Wer diese innere Gewissheit gefunden hat, muss nicht mehr an der Illusion festhalten, dass absolute Kontrolle Sicherheit bringt“, erklärt der Paartherapeut.

Stattdessen entsteht eine neue Gelassenheit: Vertrauen in sich selbst und in die Beziehung. Eifersucht muss kein unabwendbares Schicksal sein. Sie kann ein Anstoß sein, sich den eigenen Ängsten zu stellen und am Ende in vielen Beziehungen zufriedener zu leben. Der Weg dorthin beginnt mit einer wichtigen Erkenntnis: Sicherheit kommt nicht von außen, sondern von innen.