- Es gibt inzwischen viele Blutdruckmessgeräte für Zuhause, jedoch bietet nicht jedes Modell eine hohe Messgenauigkeit.
- Auch die falsche Manschettengröße und eine fehlende Speicherfunktion kann die Blutdruck-Kontrolle erschweren.
- Um einen Fehlkauf zu vermeiden, ist es wichtig, auf bestimmte Qualitätsmerkmale zu achten.
Bluthochdruck ist nicht nur ein Problem, das ältere oder vorerkrankte Menschen betrifft. Eine genetische Veranlagung und Risikofaktoren wie Übergewicht, Bewegungsmangel, chronischer Stress und ungesunde Ernährung können den Blutdruck schon früh in einen ungesunden Bereich katapultieren.

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Wer ein Blutdruckmessgerät kaufen möchte, sollte sich vorher informieren. Denn nicht jedes Gerät bietet eine hohe Genauigkeit. Besonders Blutdruckmessgeräte für das Handgelenk sind nicht für jeden die beste Wahl. Ob man auf die Qualität eines Blutdruckmessgeräts vertrauen kann, lässt sich an verschiedenen Merkmalen und Funktionen ablesen.
Wodurch sich ein gutes Blutdruckmessgerät auszeichnet und worauf man beim Kauf achten sollte, hat uns die Kardiologin Dr. Judith Jütte verraten.
Unsere Expertin
Dr. Judith Jütte ist zweifache Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie mit dem Schwerpunkt Hypertensiologie. Seit rund drei Jahren ist sie am Deutschen Herzzentrum der Charité (DHZC) tätig. Sie sagt: „Kardiovaskuläre Krankheiten zu verhindern, bevor sie entstehen, ist möglich – wenn der Patient es will.“
Für wen ist ein Blutdruckmessgerät sinnvoll?
Die meisten Menschen lassen ihren Blutdruck nur beim Hausarzt-Besuch routinemäßig messen. Das reicht aber oftmals nicht aus: „Der Blutdruck sollte regelmäßig von Patienten mit bestehendem Bluthochdruck gemessen werden, um die Therapieeinstellung zu überprüfen und gegebenenfalls anpassen zu können“, erklärt Jütte. So sei der Blutdruck im Sommer bei hohen Temperaturen beispielsweise oft niedriger und brauche mitunter eine Anpassung der Therapie, so die Kardiologin.
Daneben sei es auch für folgende Personengruppen ratsam, ihren Bluthochdruck reglmäßig zu Hause zu messen:
- ältere Menschen
- Risikopatienten mit familiärer Veranlagung
- Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen wie Diabetes mellitus oder einer Nierenschwäche
- schwangere Frauen
Die Deutsche Hochdruckliga rät zudem Frauen in den Wechseljahren, also um das 50. Lebensjahr herum, besonders auf ihren Blutdruck zu achten. In der Menopause steigt das Risiko für Bluthochdruck, da der Östrogengehalt im Blut stark abnimmt. Das weibliche Hormon hat eine blutdrucksenkende und gefäßschützende Wirkung.
Gute Blutdruckmessgeräte sind von Fachgesellschaften zertifiziert
Wie bei jedem Produkt gibt es auch bei Blutdruckmessgeräten große Qualitätsunterschiede. In diesem Fall kann ein Fehlkauf allerdings weitreichende Folgen haben: zum Beispiel, wenn das Blutdruckmessgerät einen normalen Blutdruck anzeigt, obwohl die Normwerte längst überschritten sind. Das Produkt muss demnach eine hohe Genauigkeit bieten.
Ein Kriterium sollte ein Blutdruckmessgerät deswegen in jedem Fall erfüllen: „Empfehlenswert ist es, sich ein von den medizinischen Gesellschaften zertifiziertes und gut validiertes Blutdruckmessgerät zu holen“, so Jütte.

Zu den international anerkannten Institutionen, die Blutdruckmessgeräte validieren, gehören die
- Deutsche Hochdruckliga (DHL)
- Europäische Gesellschaft für Hypertension (ESH)
- Association for the Advancement of Medical Instrumentation (AAMI)
- British & Irish Hypertension Society (BIHS)
Bei Blutdruckmessgeräten wird zwischen zwei Arten von Validierungen unterschieden:
- Klinische Basis-Validierung: Die Messgenauigkeit des Geräts muss an einer Gruppe von Personen mit bestimmten Merkmalen (Alter, Geschlecht, Blutdruck-Niveau) getestet werden, damit es auf dem europäischen Markt verkauft werden darf.
- Spezial-Validierung: Hier müssen Blutdruckmessgeräte zusätzliche Tests bestehen, um für bestimmte Personengruppen zulässig zu sein. Denn bei Schwangeren und Personen mit Vorerkrankungen wie Diabetes oder Niereninsuffizienz können sich die Arterien verändern, was die Werte verfälschen kann.
Blutdruckmessgeräte für Zuhause: Auf die Manschettengröße achten
Neben der medizinischen Validierung sollten die Geräte aber weitere Merkmale mitbringen. So sollte das Blutdruckmessgerät im besten Fall einen Service zur messtechnischen Kontrollprüfung (MTK) beinhalten. Das Gerät wird dann in regelmäßigen Abständen professionell gewartet. Ein Blutdruckmessgerät sollte mindestens alle zwei Jahre neu kalibriert werden.
Judith Jütte rät zudem: „Man sollte darauf achten, dass die ermittelten Ergebnisse genau und reproduzierbar sind. Wir empfehlen, das Gerät beim Arztbesuch dabeizuhaben oder in der Apotheke kontrollieren zu lassen.“ Auch eine gute Speicherqualität zur Dokumentierung der Messwerte und die passende Manschettengröße seien Kriterien, die Interessierte beim Kauf eines Blutdruckmessgeräts berücksichtigen sollten.
Vor allem der richtige Manschettenumfang stellt für die Messgenauigkeit einen wichtigen Faktor dar. Eine Standardmanschette ist etwa 12 bis 13 cm breit und 35 cm lang. Sitzt sie zu locker oder zu fest, kann das zu Messfehlern führen. Bei einem zu festen Sitz, wird häufig ein höherer Blutdruckwert gemessen.
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Blutdruckmessgeräte für den Oberarm liefern genauere Werte
Ärzte setzen in der Regel auf Blutdruckmessgeräte für den Oberarm. Für die Heimnutzung gibt es aber auch Blutdruckmessgeräte für das Handgelenk, bei denen das Messteil direkt an der Manschette angebracht ist.
Grundsätzlich sind beide Arten von Blutdruckmessgeräten einfach zu handhaben. Anders als in der Arztpraxis müssen die Manschetten nicht manuell aufgepumpt werden – sie pumpen sich automatisch auf, wenn der Start-Knopf betätigt wird. Nach wenigen Sekunden ist das Ergebnis auf der Anzeige zu sehen.

Eine besonders bequeme Anwendung ermöglichen Blutdruckmessgeräte für das Handgelenk, bei denen die Oberbekleidung für die Messung nicht abgelegt werden muss.. Für Menschen mit großem Oberarmumfang sind sie besser geeignet. Da aber der Arm richtig platziert sein muss – die Manschette sollte sich immer auf der Höhe des Herzens befinden – kann es schnell zu Messfehlern kommen.
Jütte gibt zudem zu bedenken: „Die Messung ist störanfälliger, da die kleinen Gefäße im Handgelenk mehr situativen Schwankungen unterliegen.“ Das gelte vor allem für ältere Menschen, deren Gefäße durch Ablagerungen verengt sein können.
Sind Smartwatches mit Blutdruckmessfunktion empfehlenswert?
Mittlerweile gibt es einige Smartwatches, die nicht nur den Puls, sondern auch den Blutdruck messen können. Die Uhren unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Messmethoden. Bei manchen Uhren ist im Armband eine Manschette mit Mini-Pumpe integriert. Andere Smartwatches basieren ihre Messung hingegen auf Sensoren, die zum Beispiel Veränderungen des Blutvolumens in den Gefäßen erfassen.
Gegenüber Blutdruckmessgeräten haben Smartwatches den Vorteil, dass sich mit ihnen jederzeit und überall der Blutdruck ohne Aufwand messen lässt. Zudem kann die Messfunktion in Smartwatches dafür sensibilisieren, dass der Blutdruck ein wichtiger Gesundheitsfaktor ist. Allerdings können Smartwatches in Sachen Präzision nicht mit Blutdruckmessgeräten mithalten. Darum eignen sie sich nicht als einzige Messmethode für Menschen, die auf genaue Werte angewiesen sind.
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Nicht jedes Blutdruckmessgerät für Kinder geeignet
Auch bei Kindern und Jugendlichen kann eine regelmäßige oder tägliche Blutdruckkontrolle notwendig sein. Neben einer genetischen Veranlagung und starkem Übergewicht können auch chronische Erkrankungen, wie Nierenstörungen oder Herzfehler, hormonelle Störungen oder eine tägliche Medikamenteneinnahme Bluthochdruck bei Kindern hervorrufen.
Die Messung zu Hause dient dann der Früherkennung und dem Management von Bluthochdruck. Allerdings ist nicht jedes Blutdruckmessgerät für Kinder und Jugendliche geeignet: Es muss speziell für die Anwendung bei Kindern validiert sein. Zudem sollte die Manschettengröße an den Oberarmumfang des Kindes angepasst werden.
Blutdruckmessgeräte auf Rezept? Krankenkassen zahlen nur in bestimmten Fällen
Wenn Patienten ihren Blutdruck mehrmals täglich kontrollieren müssen, weil sie etwa ihre Medikamenteneinnahme selbstständig anpassen, kann ein Arzt ein Blutdruckmessgerät auf Rezept verschreiben. Bei einer medizinischen Notwendigkeit besteht alle zwei Jahre ein Anspruch auf ein neues Gerät. Die Kosten für die Anschaffung übernimmt dann die Krankenkasse.
Welche Voraussetzungen im Einzelfall dafür erfüllt sein müssen, sollte jedoch zuvor geklärt werden. So dürfen sich Patienten nicht selbst ein Blutdruckmessgerät aussuchen – sie erhalten ein Gerät, das von der Krankenkasse anerkannt ist.
Quellen
Was ist besser: Blutdruck am Handgelenk oder Oberarm messen?, in: herzstiftung.de
Bluthochdruck bei Kindern und Jugendlichen: Ursachen, Symptome und Behandlung, in: barmer.de
Bluthochdruck bei Kindern und Jugendlichen, in: hochdruckliga.de
Bluthochdruck in den Wechseljahren oft unterschätzt, in: ebd.








