An diesem Donnerstag (6. Juni) entscheidet die Europäische Zentralbank (EZB) über die Leitzinsen im Euroraum und indirekt damit auch über die Fest- und Tagesgeldzinsen. Daten von Verivox zeigen, dass nach dem Festgeld jetzt auch die Tagesgeldzinsen ihren Zenit überschritten haben. Im April und Mai waren die Durchschnittszinsen leicht gesunken. Verkündet die EZB die erwartete Leitzinssenkung, dürfte sich dieser Trend noch deutlich verstärken. 

Verivox-Daten zum Tagesgeld veröffentlicht – „Zinsen haben Zenit überschritten“

Die großen Verlierer der Zins-Rallye sind laut Verivox Sparerinnen und Sparer der Volksbanken und Sparkassen. Fast drei Viertel der Sparkassen und Volksbanken zahlen bis heute weniger als ein Prozent Zinsen aufs Tagesgeld – das geht aus einer Auswertung von Verivox hervor, die unserer Redaktion vorliegt. Dafür haben die Vergleichsexperten die Konditionen von rund 800 Kreditinstituten für eine Anlagesumme von 10.000 Euro ausgewertet.

Berücksichtigt wurden in der Analyse sämtliche Kreditinstitute mit Tages- und Festgeldangeboten, die ihre Zinsen frei zugänglich auf ihrer Website veröffentlichen. Das Ergebnis ist deutlich: „Die Tagesgeldzinsen haben ihren Zenit überschritten“, sagt Verivox-Geschäftsführer Oliver Maier.

Tagesgeldprognose vor EZB-Zinsentscheid: Verivox-Experte macht klare Aussage

„In den Vorwochen haben viele Banken noch abgewartet – doch wenn die EZB wie erwartet die Leitzinsen senkt, müssen Sparer sich darauf einstellen, dass auch die Tagesgeldzinsen noch deutlicher als bisher sinken werden.“ Im Mai sind die Durchschnittszinsen bundesweit verfügbarer Tagesgeldangebote den zweiten Monat in Folge leicht gesunken – von 1,74 auf 1,72 Prozent. Schon in den Vormonaten war die Phase kontinuierlich steigender Zinsen zum Stillstand gekommen.

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Nach einer Serie von zehn Leitzinsanpassungen befindet sich der EZB-Einlagenzins seit September 2023 auf einem Rekordhoch von vier Prozent. Diesen Zinssatz bekommen die Banken, wenn sie Spargelder ihrer Kundinnen und Kunden bei der Zentralbank parken. Als einer der wenigen Anbieter gibt Trade Republic den EZB-Einlagenzins über das Cashkonto eins zu eins an die Kunden weiter – doch oftmals bereichern sich die Banken.

Zinsentwicklung Tagesgeld Verivox
© Pressegrafik | Verivox

Das beste Tagesgeld laut Verivox: Diese fünf Kreditinstitute können überzeugen

„Viele Kreditinstitute haben im letzten Geschäftsjahr Zinsüberschüsse in Rekordhöhe gemacht“, fasst es Maier zusammen. Für viele Tagesgeldanleger war von der Hochzins-Phase aber nichts zu spüren. An einem Großteil der Sparkassen- und Volksbankkunden sei die Rallye bis heute komplett vorbeigelaufen. Profitiert haben all jene Anlegerinnen und Anleger, welche ihr Tagesgeld über eine Direktbank angelegt haben.

Die Verivox-Vergleichssieger beim Tagesgeld sind:

  1. Trade Republic*: 4 % Zinsen über das Cashkonto für Neu- und Bestandskunden
  2. Sparkonto Plus der Bank Norwegian: 3,70 % Zinsen – kostenlose Ein- und Auszahlungen sind aber begrenzt
  3. Tagesgeld der Alisa Bank (über Weltsparen)*: 3,31 % Zinsen ab 5000 Euro Anlagesumme
  4. Tagesgeld der Distingo Bank (über Weltsparen)*: 3,31 % Zinsen
  5. Tagesgeld von wiLLBe (Liechtensteinische Landesbank): 3,80 % Zinsen für bis zu 50.000 Euro

Verivox nennt in der Auswertung noch Tagesgeldangebote mit befristeten Sonderkonditionen – auch Lockangebote genannt. Hier sind die Zinsen an bestimmte Auflagen geknüpft oder aber es gibt die Zinsen nur für Neukunden und auch bloß für wenige Monate. Die TF Bank zahlt für ein Tagesgeld* etwa 3,80 Prozent Zinsen. Die Konditionen gelten aber nur drei Monate lang für Neukunden – im Anschluss gilt ein variabler Basiszinssatz von 1,45 Prozent.

Weitere Tests zu diversen Produkten und Trends finden Sie auf der Themenseite der Berliner Morgenpost.

Keine Zinsen fürs Tagesgeld: Über 20 Banken geben Einlagezins nicht weiter

Das Tagesgeldkonto der Suresse Direkt* und das Tagesgeld der Openbank sind auch Angebote mit befristeten Sonderkonditionen. Hier kommt allerdings dazu, dass beide Banken das Geld der Kunden über die spanische Einlagensicherung schützen. Das Land wird von den großen Ratingagenturen aber nicht top bewertet. Beide Banken werden von Finanztest deshalb in der Liste der nicht empfehlenswerten Banken geführt.

Nur rund ein Viertel (26 Prozent) aller 317 Sparkassen in der Verivox-Analyse zahlt mindestens ein Prozent Zinsen aufs Tagesgeld – bei drei von vier Instituten sind die Zinsen niedriger. Der durchschnittlich angebotene Tagesgeldzins aller Sparkassen liegt bei 0,63 Prozent. 23 Institute und damit sieben Prozent der ausgewerteten Sparkassen bieten überhaupt keine Verzinsung auf dem Tagesgeldkonto.

Für ein Sparbuch (Archivbild) oder Tagesgeld gibt es bei vielen Sparkassen wenig bis keine Zinsen – trotz eines Einlagezinses von vier Prozent.
Für ein Sparbuch (Archivbild) oder Tagesgeld gibt es bei vielen Sparkassen wenig bis keine Zinsen – trotz eines Einlagezinses von vier Prozent.© FUNKE Foto Services | Knut Vahlensieck

Tagesgeld: Viele Volksbank-Kunden gehen laut Verivox fast leer aus

Bei den insgesamt 369 regionalen Genossenschaftsbanken in der Auswertung zeigt sich ein ähnliches Bild. Zu der Gruppe gehören die örtlichen Volks- und Raiffeisenbanken sowie die PSD- und Sparda-Banken. In diesem Segment bietet ebenfalls nur etwas mehr als ein Viertel (28 Prozent) der Banken einen Tagesgeldzins von mindestens ein Prozent – im Schnitt müssen sich die Kunden aber mit 0,65 Prozent begnügen.

Bei 32 regionalen Genossenschaftsbanken bleiben die Ersparnisse auf dem Tagesgeldkonto sogar unverzinst. Diese Praxis ist bei bundesweit aktiven Banken (meist Direktbanken) die absolute Ausnahme. 72 von insgesamt 88 Kreditinstituten dieses Segments (82 Prozent) bieten einen Tagesgeldzins von mindestens ein Prozent. Bloß eine Bank zahlt auf dem Tagesgeldkonto keine Zinsen. Fakt ist aber, dass sich die Tagesgeldzinsen schnell ändern können.

So hat Verivox ausgewertet

Für diese Analyse hat das Vergleichsportal Verivox die Konditionen von rund 800 Banken und Sparkassen für eine Anlagesumme von 10.000 Euro ausgewertet. Berücksichtigt wurden Kreditinstitute mit Tages- und Festgeldangeboten, die ihre Zinsen frei zugänglich auf ihrer Website veröffentlichen. Stichtag der Auswertung war der 1. Juni 2024.

Zu beachten ist: Die Zinsen können sich täglich ändern. Es gelten die jeweiligen Konditionen und Angaben der Bank.

Festgeld statt Tagesgeld? Warum sich die Zinsen wenig ändern werden

Allen voran die variablen Tagesgeldzinsen könnten viele Banken nach dem EZB-Zinsentscheid anpassen. Kann ein Festgeld die Alternative sein? Jüngst hatte Verivox das Festgeld als so lukrativ wie seit Jahren nicht beschrieben. In der jetzigen Auswertung kommen die Vergleichsexperten zu dem Ergebnis, dass die Festgeldzinsen in den Vormonaten bloß geringfügig gesunken sind – vor dem EZB-Zinsentscheid finden Sparer noch gute Zinskonditionen.

Maier erklärt: „Die meisten Banken haben perspektivisch mit sinkenden Zinsen gerechnet und dies in ihren Festgeldkonditionen schon vor Monaten eingepreist. Solange die Notenbank es bei einer Leitzinssenkung im Sommer belässt, rechnen wir nicht mit größeren Ausschlägen bei den Festgeldzinsen.“

Jetzt Festgeld wählen? Wann laut Verivox die Zinsen stark fallen könnten

Sollte Christine Lagarde jedoch eine Leitzinssenkung im Juni verkünden und einen weiteren Zinsschritt für Juli in Aussicht stellen, könnten die Festgeldzinsen noch tiefer in den Keller gehen, vermutet Maier. Für die Verbraucher bedeutet das: Wer sich aktuell für ein Festgeld entscheidet, kann sich Zinsen von rund 3,50 Prozent für längere Zeit sichern und muss sich um die Zinsentwicklung in dieser Zeit keine Gedanken machen.

In unserem Festgeldvergleich für Juni bieten einige Banken noch über drei Prozent Zinsen für ein- bis zweijähriges Festgeld. Zwei Beispiele sind das Festgeld Plus von Klarna* und das Festgeldkonto der Bank of Scotland*. Beide Banken bieten im Vergleich gute Zinsen und eine zugleich stabile Einlagensicherung. Die schwedische Bank Klarna setzt zudem keine Mindestanlagesumme voraus und Sparer können über das Klarna-Bankkonto ein Tagesgeld mit drei Prozent Zinsen beziehen.

+++ Viele News finden Sie in unserem aktuellen Tagesgeld- und Festgeld-Blog +++

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