Fehlt eigentlich nur noch ein Rund-um-Wassergraben mit gepanzerten Alligatoren. Donald Trumps luxuriöses Privatanwesen Mar-a-Lago in Florida, ohnehin eine der bestbewachten Immobilien Amerikas, verwandelt sich zunehmend in eine militärische Festung. Neuerdings stehen dort sogar Flugabwehrraketen. Zwei Abschussanlagen wurden am Montag auf einer schwimmenden Plattform vor dem Grundstück gesichtet.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Es handelt sich um das Waffensystem Avenger, montiert auf militärischen Geländewagen vom Typ Humvee. Jeder trägt gewöhnlich acht wärmesuchende Stinger-Raketen, dazu ein Maschinengewehr und Infrarotsensoren. Die Raketen können tief fliegende Flugzeuge, Hubschrauber und unter bestimmten Bedingungen Drohnen in mehreren Kilometern Entfernung bekämpfen.

Trumps Secret Service ordnete Aufrüstung an

Was aussieht wie die Verteidigung eines militärischen Vorpostens in einem Kriegsgebiet, soll einen Präsidenten schützen, der in Palm Beach gelegentlich Golf spielt, Gäste empfängt und Hof hält.

Angeordnet hat die zusätzliche Bewaffnung nicht Trump persönlich, sondern der für seinen Personenschutz verantwortliche Secret Service. Das bestätigte das nordamerikanische Luftverteidigungskommando „Norad“. Über Gründe, Kosten und Dauer schweigen die Verantwortlichen. Aus Sicherheitsgründen könne man keine Einzelheiten zu „Taktik, Technik und Einsatzverfahren“ mitteilen, heißt es. Über eine akute zusätzliche Gefährdungslage ist öffentlich nichts bekannt.

Mar-a-Lago: Luftraum bereits besonders geschützt

Dabei ist der Luftraum ohnehin besonders geschützt. Über Mar-a-Lago gelten Flugbeschränkungen; bei Präsidentenbesuchen werden sie erweitert. Seit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus fing „Norad“ dort nach eigenen Angaben mehr als 60 Flugzeuge ab, die Sperrgebiete verletzten. Meist sind solche Vorfälle keine Attentatsversuche. Erst am Wochenende musste eine F-16 aufsteigen. Ein Pilot hatte sich in verbotenes Gebiet verirrt. Der Kampfjet brachte ihn durch ein Flugmanöver zur Kurskorrektur. Die Sache war erledigt.

Warum also zusätzlich Raketen am Boden? Kampfjets und Flugverbote können nicht jede niedrig fliegende oder kurzfristig auftauchende Bedrohung gleichermaßen abwehren, sagen Experten in Washington. Mobile Kurzstreckensysteme schließen eine weitere Schutzlücke. Hinzu komme eine latente Bedrohungslage: Trump überlebte 2024 einen Anschlag; im Juli 2026 prüfte der Secret Service ein mutmaßlich iranisches Video mit Angriffsszenarien gegen seine Autokolonnen.

Wie viel kostet die Maßnahme?

Ganz neu ist die martialische Kulisse nicht. Bereits im August wurde ein Avenger-Paket bei einem Trump-Golfaufenthalt in New Jersey gesichtet. Auch das Weiße Haus verfügt seit den Anschlägen vom 11. September 2001 über bodengestützte Flugabwehr. Bei früheren Präsidenten waren vergleichbare Raketenstellungen an privaten Ferienresidenzen dagegen öffentlich nicht dokumentiert.

Die Maßnahme kostet viel Geld. Schon vier Mar-a-Lago-Besuche Trumps im Jahr 2017 verschlangen laut Rechnungshof 13,6 Millionen Dollar. Was die zusätzliche Raketenabwehr kostet, verrät niemand.

Raketen: Notwendiger Schutz oder martialische Show?

Bleibt die Frage nach der Verhältnismäßigkeit. Militärisch lässt sich ein zusätzlicher Schutz gegen niedrig fliegende Angreifer durchaus begründen. Politisch passt das Bild der Raketen vor dem Privatclub freilich zu einem Präsidenten, der Macht gern möglichst monumental inszeniert.

News aus den USA

Ob hier übertriebene Vorsicht, konkrete Geheimdienstinformationen oder auch ein Schuss martialischer Selbstdarstellung im Spiel sind, bleibt offen. Belegt ist nur die Aufrüstung. Und eine Groteske, die sich ohne Übertreibung beschreiben lässt: Vor einer hermetisch abgeriegelten Luxusvilla in Florida stehen amerikanische Flugabwehrraketen. Als wäre Palm Beach plötzlich Frontgebiet.