Geplünderte Geschäfte, Massenproteste und Gewalt: Die Szenen aus Frankreich gehen um die Welt. Angefangen hat die Bewegung als Schülerprotest, zuletzt prägten aber vor allem gewaltvolle Ausschreitungen die Nachrichten aus dem deutschen Nachbarland. Diese Protestwelle breitet sich aus, auch in Italien und Belgien gehen vor allem junge Menschen auf die Straße. Nun könnte die Protestwelle nach Deutschland schwappen: Das Bündnis „Gen Z regelt“ ruft zu bundesweiten Demonstrationen auf. Die Organisatoren hinter den Protesten bleiben unbekannt und die Struktur schattenhaft.
Was ist am 31. Oktober geplant?
Die Initiative „Gen Z regelt“ ruft über ihre Internetseite zu deutschlandweiten Protesten auf. Das Bündnis will gegen marode Schulen, steigende Lebenserhaltungskosten, eine ungerechte Verteilung der Sparmaßnahmen auf Kosten der jungen Generation, die Wehrpflicht, mehr staatliche Überwachung und fehlende Klimaschutzmaßnahmen protestieren. Dabei betont die Gruppe immer wieder ihre friedfertige Absicht: „Wir sehen alle die Bilder aus Frankreich, Belgien, Spanien und anderen Ländern“, heißt es von einem der Organisatoren in der offiziellen Telegram-Gruppe, „für Deutschland gilt klipp und klar: Da ist nicht unser Weg.“ Das Bündnis lehnt offiziell Gewalt und Krawalle in jeder Form ab.
Wer steckt hinter den angekündigten „Gen‑Z‑Protesten“?
Als Betreiber der Website, die als zentrale Plattform der angekündigten Proteste gilt, ist ein gewisser Akram Selo angegeben. Dem „Stern“ gegenüber behauptete der angeblich 18-Jährige, hinter der Initiative stehe eine Gruppe „junger Menschen, die etwas ändern wollen“. Der enge Organisationskreis bestehe aus 20 bis 30 Personen, die sich über TikTok gefunden hätten. Ob es Akram Selo wirklich gibt, konnte bisher nicht bestätigt werden. Die Organisatoren hinter den Protesten bleiben weitgehend anonym, auch auf Kontaktanfragen dieser Redaktion gab es keine Antwort. Das ist nicht das einzig Suspekte an der Bewegung. Am 21. Oktober stand im Impressum der Seite noch eine Adresse aus dem Oberallgäu. Im selben Gebäude ist auch eine Firma namens „Akteno | Geschäftsadresse mieten“ ansässig. Deren Geschäftsmodell ist es, ladungsfähige Adressen für Impressen zur Verfügung zu stellen. Mittlerweile wurde die Adresse geändert. Jetzt ist eine Adresse in der Schweiz angegeben, ebenfalls an einem Akteno-Standort.

Wie eng ist die linksextreme Szene in die Proteste verstrickt?
Es gibt Anzeichen, dass sich hinter „Gen Z regelt“ Akteure aus dem linksextremen Lager verbergen. So postete der offizielle Instagram-Account der Bewegung einen gemeinsamen Aufruf mit dem „Red Media Kollektiv“. Diese kommentierten auf der Plattform X ein Video, in dem französische Protestierende gewaltsam die Polizei zurückdrängen, mit einem Herz. In Leipzig postete „Gen Z regelt“ gemeinsam mit der „Internationalen Jugend Leipzig“, einer Organisation, die laut sächsischem Verfassungsschutz dem Spektrum der „dogmatischen Linksextremen“ zugeordnet wird. Gemeinsam mit der Hamburger Internationalen Jugend postet auch der offizielle Hamburger Account der Protestbewegung. In einem Aufruf auf Instagram spricht ein Vermummter in die Kamera: „Ich bin ein Krawalldeutscher.“ Auffällig ist auch, wie professionell die Anweisungen für den Protest wirken. So wird dazu geraten, sich einen Fake-Namen zuzulegen. Zur Begründung heißt es: „Ohren gibt’s überall.“ Auch Anweisungen für Verhaltensweisen bei Festnahmen sind zu finden.

Wie viele Teilnehmer werden zu den Demonstrationen erwartet?
Auf der offiziellen Website werden, Stand Mittwoch 12 Uhr, 145.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwartet. Allerdings gibt es rund um die Anmeldezahlen viel Verwirrung. Klar scheint, dass längst nicht so viele Menschen auf die Straße gehen wollen, wie die verschiedenen Gruppen behaupten. In Erfurt, einer der Städte, wo die Proteste nicht offiziell von der Initiative organisiert werden, zeigt der Zähler für die Teilnehmeranzahl mehr als 10.000 an. In der lokalen Telegramm-Organisationsgruppe sind jedoch Stand Dienstag unter 50 Menschen. Auch in München und Berlin gibt es drastische Unterschiede zwischen angezeigten Teilnehmerinnen und Teilnehmern auf der Website und den Mitgliedern in den Telegrammgruppen.
Wie bereiten sich die Sicherheitsbehörden vor?
Das Bundesamt für Verfassungsschutz zeigt sich alarmiert und warnt vor Einflüssen linksextremer Akteure. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums verweist auf eine klare Unterscheidung zwischen „friedlichen Schülerprotesten und einer gewaltbereiten, extremistischen Szene, die gegebenenfalls die Proteste nutzt, um Gewalt zu verbreiten“. Bei Bedarf würde die Bundespolizei die Länder unterstützen. Allein in Berlin plant die Polizei einen Einsatz mit 1000 Einsatzkräften, so ein Sprecher. Aus Hamburg hieß es, es zeichne sich ein Großaufgebot am Halloween-Wochenende ab. Das betreffe vor allem die Innenstadt. „Auch Drohnen werden zum Einsatz kommen.“

Wie geeint ist die Bewegung?
Innerhalb der Bewegung brodelt es längst. Der Influencer Gianni Matheja („Giannistudiert“) trat erst als Sprecher der Bewegung auf, doch nach wenigen Tagen zog er sich zurück. „Einen gemeinsamen friedlichen Rahmen sehe ich unter diesen Umständen nicht mehr ausreichend abgesichert“, sagte er in seinem Statement. Die Bundesschülerkonferenz geht aus Sorge, instrumentalisiert zu werden, ebenfalls auf Distanz. Auch anderen Gruppen ist die mangelnde Transparenz zu suspekt, um sich anzuschließen.
Wie finanziert sich die Bewegung?
Es gibt eine anonyme Go-Fund-Me-Kampagne, die für die Bewegung private Geldspenden entgegennimmt. Bisher sind dort fast 12.000 Euro zusammengekommen. Das soll laut Spendenkampagne in die Finanzierung, Organisation und Werbematerialien für die Demonstrationen gesteckt werden. Doch Nachweise gibt es dafür keine, auch keine Aufstellung der genauen Finanzierungen oder eine Aufteilung auf die verschiedenen Proteststandorte.
Wie reagiert die Politik auf die angekündigten Proteste?
„Da bildet sich eine unheilvolle Allianz, gerade in Berlin“, warnt der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Alexander Throm (CDU), im Handelsblatt. Es müsse verhindert werden, dass die Demonstrationen von linksextremistischen Kräften und Kriminellen aus dem migrantischen Milieu „gekapert“ werden. Die Sorge wird von den Behörden geteilt: Nach Erkenntnissen des NRW-Verfassungsschutzes mobilisierten sich Akteure aus dem linksextremistischen Spektrum und dem auslandsbezogenen Extremismus – bis hin „zur Verbindung von linksextremistischer Symbolik mit Gewalthandlungen“.
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Die Linkspartei hält dagegen: „Es ist erschreckend, wie die CDU den legitimen Protest junger Menschen gegen die Kürzungspolitik der Merz-Regierung vorverurteilt“, sagt Parteichef Luigi Pantisano. Der Berliner Abgeordnete Tobias Schulze postete auf sozialen Medien das Bild einer eingeschlagenen Scheibe mit einem Lachsmiley. Auch die Junge Union in Berlin-Mitte heizt die Debatte an: Sie fordert um Mithilfe der Bundeswehr, um die „Schülerproteste“ zu unterbinden. Der Einsatz der Armee im Inland ist laut Grundgesetz streng limitiert, die Bundeswehr selbst verweist auf „Lehren aus der deutschen Geschichte“.








