Ach, könnte Deutschland doch, was Singapur kann! So oder so ähnlich dürfte Friedrich Merz die Sache sehen: Fünf Prozent Wirtschaftswachstum, erster Platz im Pisa-Ranking, ein knallhartes Strafrecht und ein blitzsauberes Stadtbild – und alle sind nett zum Kanzler und widmen ihm sogar eine Orchidee. Nicht so wie in seinem eigenen Land, das viele gerade als Problemrepublik mit Problemregierung sehen und dem Kanzler allenfalls einen Kaktus gönnen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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An diesem Dienstag liegt dieses Deutschland für Merz 13 Flugstunden entfernt auf der anderen Seite der Erdkugel. Rentenstreit, Stromsteuersenkung, Brandmauerdebatten – das muss jetzt mal ohne ihn gehen. Und die heiß diskutierte Frage, wen die Union für die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vorschlagen wird, soll erst im November beantwortet werden, wenn Merz wieder zurück in Deutschland ist. Natürlich wird er auch auf dieser Reise danach gefragt. Die Kandidatensuche ist DAS Thema in der Hauptstadt, die CSU drängelt schon ungeduldig. Doch wer gehofft hatte, der CDU-Chef werde sich kurzfristig dazu äußern, muss sich weiter gedulden.

Merz in Asien: Der Kanzler wirbt für starke Bündnisse
Der Kanzler ist jetzt erstmal weg. Vier Tage Asien. Drei Länder, zwei Zeitzonen und ein Ziel: Merz will Deutschland absichern – wirtschaftlich, technologisch, und auch sicherheitspolitisch. Der rote Faden seiner Reise nach Singapur, Japan und Südkorea ist auch der rote Faden seiner gesamten Kanzlerschaft: Wenn die Präsidenten Donald Trump, Wladimir Putin und Xi Jinping die Welt unter sich aufteilen wollen, braucht es stabile Partner, die dagegenhalten. Also: Risiken verkleinern, Bündnisse stabilisieren und handeln, bevor es zu spät ist.
In Singapur zieht sich dieser rote Faden auch durch seine Rede im Rahmen der traditionellen „Singapore Lectures“, Vorlesungen von ausländischen Staatschefs und renommierten Politikern. Auch Angela Merkel hat hier schon geredet. Merz zeichnet ein so düsteres wie realistisches Bild: Die internationale Ordnung verschwindet, mittelgroße Länder geraten unter immensen Druck von allen Seiten. Die Botschaft ist klar: Lasst uns unterhaken. In Singapur, Japan und Südkorea sieht Merz Gleichgesinnte im Abwehrkampf gegen die autokratischen Großmachtgelüste.
Merz: Was machen die Partner, wenn Putin beim G20-Treffen auftaucht?
Japan und Südkorea gehören zudem zu den G20-Staaten, die sich Mitte Dezember auf Einladung von Donald Trump in Florida treffen. Möglicherweise werden Merz und seine Gleichgesinnten dann auch auf den russischen Präsidenten sehen. Tumps Einladung an Wladimir Putin steht, ob der Kremlherrscher tatsächlich kommt und wie sich Merz dann dazu verhält, ist ungewiss. Je enger der Draht zu den Verteidigern der alten, regelbasierten Ordnung, also zu Ländern wie Kanada, aber auch Japan und Südkorea, desto besser für Merz und die Europäer.
Die Asienreise hat jedoch auch einen ganz handfesten Grund: Zusammen mit dem Kanzler reist eine große Delegation hochkarätiger Unternehmensvertreter mit – darunter die Spitzen von Siemens, Telekom, Henkel und Airbus. Es geht sowohl um konkrete Aufträge für die deutschen Unternehmen als auch um langfristige Partnerschaften. Der Kanzler ist hier weniger Akteur als Vermittler: Wer in der Kanzlermaschine zum Handschlag anreist, hat einen geldwerten Vorsprung gegenüber der internationalen Konkurrenz.
Kanzler in Singapur: „Mir begegnet hier sehr viel Vertrauen“
Singapur steht nicht zufällig am Anfang der Reise: Zwischen Deutschland und dem indopazifischen Stadtstaat besteht seit Jahrzehnten eine enge wirtschaftspolitische Partnerschaft – den Grundstein legte SPD-Kanzler Helmut Schmidt mit dem Staatsgründer von Singapur, Lee Kuan Yew. Heute sind nach Regierungsangaben fast 2400 deutsche Unternehmen mit 45.000 Arbeitsplätzen in Singapur tätig. Deutschland ist Singapurs wichtigster Handelspartner in Europa; umgekehrt liegt Singapur unter Deutschlands Partnern in Südostasien auf Platz vier.
„Mir begegnet hier sehr viel Vertrauen in den deutschen Standort“, sagt Merz nach seinem Gespräch mit Singapurs Premier Lawrence Wong, und fügt, quasi fürs deutsche Publikum, hinzu: „Manchmal wird der Standort sogar im Ausland besser eingeschätzt als im Inland.“ Die beiden haben sich beim G20-Gipfel in Südafrika persönlich kennengelernt und jetzt wiedergetroffen. Sie verbindet die Idee, dass mit einer starken Wirtschaft, freiem Handel und offenen Märkten auch alles andere sich lösen lässt.
Wie gut es läuft zwischen Deutschland und Singapur, zeigt auch die Geste der Gastgeber am Vormittag im Parlamentsgebäude des Stadtstaats: Seit diesem Dienstag gibt es auf einmal noch jemanden, der Friedrich Merz heißt. Singapur benennt eine Orchidee nach dem Kanzler. Die Pflanze mit den auffällig zimtbraunen Blütenblättern gehört in eine ganze Reihe von Kanzlerorchideen: Zur „Dendrobium Angela Merkel“ und zur „Renanthera Olaf Scholz“ gesellt sich jetzt die „Vanda Friedrich Merz“.

Merz-Reise: Zum Abschluss an die Grenze zu Nordkorea
Am Mittwoch reist Merz nach Japan weiter: Das Land macht gerade vor, wie man von einem übermächtigen Nachbarn unabhängig wird. Ein Beispiel: Japan hat die Vormachtstellung von China im Bereich kritischer Rohstoffe drastisch reduziert – ein Vorbild für Deutschland.
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Zum Abschluss geht es am Donnerstag weiter nach Südkorea. Merz will sich dort auch die demilitarisierte Zone an der Grenze zu Nordkorea anschauen. Chinas Macht und Putins Einfluss sind hier zum Greifen nah.











