Die Zahl der erteilten Langzeit-Visa an russische Staatsbürger ist in den vergangenen Jahren stark gesunken. Während 2022 noch 12.930 sogenannte nationale Visa erteilt wurden, liegt die Zahl 2026 hochgerechnet nur noch bei rund 4500. Damit ist sie auf etwa ein Drittel des Wertes von 2022 gesunken. Dies geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsabgeordneten Clara Bünger hervor, die dieser Redaktion exklusiv vorliegt.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Ausgenommen von diesen Zahlen sind Visa im Rahmen der humanitären Aufnahme und für besonders Schutzbedürftige. Ein nationales Visum ist notwendig für Aufenthalte von mehr als 90 Tagen oder zur Ausübung einer Erwerbstätigkeit, während ein Schengen-Visum für kürzere Verweildauern, etwa zu touristischen Zwecken, gilt.
Stärkste Rückgänge bei Erwerbstätigkeit und Familiennachzug
Wie aus den Zahlen hervorgeht, ist vor allem die Zahl der Visa für Menschen, die in Deutschland arbeiten oder zu ihren Familienangehörigen kommen wollen, deutlich zurückgegangen. Nach vorläufigem Vergleich sind die erteilten Visa wegen Erwerbstätigkeit um rund 90 Prozent zurückgegangen: von 4548 Visa im Jahr 2022 auf hochgerechnet 441 Visa 2026. Zum Zweck des Familiennachzugs ist die Zahl von 5421 Visa im Jahr 2022 auf hochgerechnet rund 1253 in diesem Jahr gesunken – ein Rückgang von rund 77 Prozent.
Anlass der Anfrage war laut Linken-Politikerin Bünger die Mail einer Studentin, die für das Wintersemester 2026/27 zu einem Masterstudium im Bereich Design/Mode zugelassen worden war, deren Visumsantrag aber unter Berufung auf Sicherheitsbedenken abgelehnt wurde. Bei den Visa für russische Studierende ist 2026 ein Rückgang um rund 38 Prozent gegenüber 2022 zu erwarten.
Gleichzeitig ist die Gesamtzahl der bearbeiteten Visaanträge nach offiziellen Angaben des Auswärtigen Amtes gesunken. Während 2022 noch über 22.000 russische Anträge bearbeitet wurden, waren es 2025 nur noch rund 7000. Das Auswärtige Amt verweist darauf, dass nach der Schließung der Generalkonsulate Kaliningrad, Jekaterinburg und Nowosibirsk im Jahr 2023 und St. Petersburg im September dieses Jahres die Bearbeitung nur noch an der Deutschen Botschaft Moskau erfolgt.
Außerdem heißt es auf Anfrage der Redaktion, bei der Erteilung der nationalen Visa würden nach wie vor strenge Maßstäbe gelten, insbesondere Sicherheitsrisiken würden besonders geprüft. Die Entscheidung über alle Anträge erfolge nach den vorgeschriebenen Erteilungsvoraussetzungen, die sich nach dem jeweiligen Aufenthaltszweck richten. Außerdem würden immer auch die Umstände im Einzelfall berücksichtigt. Auf die Frage, wie sich der Rückgang erklärt und ob sich die Entscheidungspraxis bei nationalen Visa verändert hat, wurde nicht gesondert eingegangen.
Linken-Abgeordnete Bünger: „Diesen Ansatz halte ich für grundfalsch“
Im August wurde am Flughafen Leipzig/Halle eine mit Sprengstoff und Zündtechnik präparierte Drohne in der Nähe von mehreren ukrainischen Frachtflugzeugen entdeckt und entschärft. Es wird vermutet, dass Russland hinter diesem Angriff steckt. Als Reaktion darauf kündigte Außenminister Johann Wadephul (CDU) Anfang September an, die Einreisekontrollen für russische Staatsangehörige zu verschärfen. Für kurzfristige Aufenthalte gilt bereits seit 2022 eine restriktive Visavergabe. In der Antwort der Bundesregierung heißt es, es sei nicht beabsichtigt, dass EU-weit weniger nationale Visa an russische Staatsbürger erteilt werden.
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Bünger vermutet, dass die Deutsche Botschaft in Moskau aufgrund des Ukraine-Kriegs deutlich restriktiver über Anträge russischer Staatsbürger auf nationale Visa entscheidet. „Diesen Ansatz halte ich für grundfalsch.“ Sie habe in den vergangenen Jahren unzählige Zuschriften von Menschen aus Russland erhalten, die diesen Krieg ablehnen und es dort aufgrund des restriktiven Klimas nicht mehr aushalten würden. „Ihnen müssen wir die Türe öffnen, statt sie für die verbrecherische Politik ihrer Regierung zu bestrafen.“











