Nach der gescheiterten Drohnen-Attacke am Leipziger Flughafen soll es für russische Staatsbürger in Zukunft noch schwerer als bisher werden, nach Deutschland und in andere europäische Länder einzureisen. Seit dieser Woche macht die Bundesregierung Russland offiziell für den Drohnen-Vorfall von Anfang August verantwortlich. Höhere Hürden bei der Erteilung von Visa sind ein Teil der Antwort darauf. „Wir verschärfen die Einreisekontrollen für russische Staatsangehörige“, sagte Außenminister Johann Wadephul (CDU).

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Bereits bisher gelten für die Einreise in den Schengenraum strenge Regeln.  Fast 3000 Personen und Einrichtungen aus Russland stehen auf EU-Sanktionslisten – darunter Machthaber Wladimir Putin selbst, Außenminister Sergej Lawrow, etliche weitere Vertreter des Regimes, Geschäftsleute und Oligarchen sowie russische Propagandisten. Diesen Personen ist die Einreise nach Europa untersagt, ihre Vermögenswerte sind eingefroren.

Europäische Union: Visa-Abkommen mit Russland liegt auf Eis

Wer nicht auf den Listen steht, kann sich grundsätzlich um ein Visum für den Schengenraum bemühen – also den Verbund jener 29 europäischer Staaten, in dem die Kontrollen an den Binnengrenzen im Prinzip abgeschafft sind. Wer einmal drin ist, kann sich frei bewegen.

Grenzpolizeiinspektion am Flughafen Memmingen
Reisende stehen nach ihrer Ankunft an der Passkontrolle eines Flughafens. Die Einreise von Russen nach Europa ist stark reglementiert.© picture alliance/dpa | Matthias Balk

Es ist für Russen allerdings deutlich schwer als in der Vergangenheit, eine Einreiseerlaubnis zu bekommen: Wenige Monate nach Beginn des Überfalls auf die Ukraine hatte die Europäische Union ein Abkommen über die erleichterte Erteilung von Visa ausgesetzt. Seitdem haben russische Staatsbürger keinen privilegierten Zugang nach Europa mehr. Wer etwa als Tourist oder geschäftlich reisen will oder Verwandte besuchen möchte, muss jetzt für einen Kurzaufenthalt von bis zu 90 Tagen ein teures und aufwendiges Antragsverfahren bei den Botschaften und Generalkonsulaten durchlaufen. Im November 2025 wurden die EU-Vorschriften weiter verschärft: Es gibt jetzt keine Mehrfachvisa für russische Staatsbürger mehr.

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Seit dem Beginn von Putins Angriffskrieg ist die Zahl der in Russland ausgestellten Visa stark gesunken: Sie lag nach EU-Angaben vor 2022 bei rund vier Millionen pro Jahr. 2025 waren es noch knapp 620.000, wie ein Sprecher der Kommission am Donnerstag in Brüssel mitteilte.

Fast 500.000 davon wurden von vier Ländern erteilt, die alle über eine große Tourismuswirtschaft verfügen und wo zahlungskräftige Russen gern gesehen sind: Frankreich, Italien, Spanien und Griechenland. Deutschland erteilte über seine Vertretungen in Russland rund 20.000 Einreisegenehmigungen.  

Die einzelnen Schengenländer verfügen über einen großen Spielraum bei der Bearbeitung der Anträge. Um die Einreise russischer Staatsbürger weiter zu erschweren, könnten also die europäischen Regeln und hierzulande die deutschen Vorschriften verschärft werden – oder beides. Auf EU-Ebene war zuletzt diskutiert worden, gegenwärtigen und ehemaligen Angehörigen der russischen Streitkräfte die Einreise zu untersagen. Frankreich und Italien machten Bedenken geltend. Jetzt wird ein derartiger Schritt zunächst nur vorbereitet, aber noch nicht umgesetzt.

Visumsantrag: In Moskau werden 90 Euro fällig

Nach Angaben der EU-Kommission von Donnerstag arbeitet die Brüsseler Behörde überdies an einem Vorschlag, um die Einreise von Personen zu erschweren, die mit „feindlichen Aktionen von Drittländern“ in Verbindung gebracht werden. Was genau geplant ist, blieb offen.

Wer als Russe ein Schengenvisum aus Deutschland erhalten will, muss sich über eine Servicegesellschaft an die Visastelle der Deutschen Botschaft in Moskau wenden. Im Zuge des Antrags muss nicht nur ein gültiger biometrischer Reisepass vorgelegt werden. Notwendig sind auch detaillierte Angaben zur Person, zum Grund der geplanten Reise und zur finanziellen Situation sowie ein Nachweis darüber, dass eine Reisekrankenversicherung vorliegt. Für einen Antrag werden 90 Euro Visumsgebühr fällig, zuzüglich einer Servicegebühr für den Dienstleister.

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Frauke Brosius-Gersdorf über einen geplatzten Traum und Kaffee in Kalifornien
Meine schwerste Entscheidung
 

Das Verfahren kann sich Monate hinziehen. Laut Deutscher Botschaft soll über den Antrag grundsätzlich innerhalb von 45 Kalendertagen entschieden werden. Aber: „Die Bearbeitungszeit verlängert sich, wenn Unterlagen intensiver geprüft werden müssen oder weitere Recherchen zum Antragsteller oder dem tatsächlichen Reisezweck erforderlich sind.“ Regelmäßig werden Sicherheitschecks vorgenommen. Sind die Unterlagen unvollständig oder gefälscht, werden Bedingungen nicht erfüllt oder gibt es einschlägige Einträge in europäische Datenbanken, wird der Antrag abgelehnt.