Wolodymyr Selenskyj lässt sich von Donald Trump nicht einschüchtern. Mit Drohnenangriffen auf Öl- und Energieanlagen bei Sankt Petersburg hat die Ukraine in der Nacht zum Sonntag gezeigt, dass sie ihren Abwehrkampf gegen den Willen des US-Präsidenten fortsetzt. Am wichtigen Petersburg Oil Terminal und einem weiteren Öllager brachen Brände aus. Auch Stromanlagen und ein Rechenzentrum waren betroffen. Die Schäden sind unklar.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Die Botschaft nach Moskau und Washington: Solange Putin ukrainische Städte und Kraftwerke bombardieren lässt, wird Kiew seine Kriegswirtschaft ins Visier nehmen. Ausgerechnet die Ölindustrie also, die Trump durch die Lockerung oder Aussetzung amerikanischer Sanktionen entlasten will.

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Ukraine-Krieg: Selenskyj beklagt Starlink-Drosselung

Der Angriff fällt in eine Phase wachsender Entfremdung zwischen Washington und Kiew. Zugleich leidet die Ukraine weiter unter Einschränkungen der US-Satellitentechnik Starlink und Starshield. Selenskyj widersprach am Samstag Berichten, die Behinderungen seien beseitigt. Tests zufolge funktionieren Verbindungen in EU-Staaten noch bei Tempo 180, in der Ukraine brechen sie schon bei etwa 161 km/h ab. Für schnelle Abfangdrohnen gegen russische Shahed-Flugkörper kann das den Unterschied zwischen Treffer und Fehlschlag bedeuten. Selenskyj vermutet eine „geplante Operation“.

US-Präsident Trump
Macht weiter gegen die Ukraine Front und hilft dem Kreml: US-Präsident Donald Trump.© Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa | Julia Demaree Nikhinson

Wer die Drosselung veranlasste, ist weiter ungeklärt. Zwischen Musks Unternehmen SpaceX und dem Weißen Haus fliegt der Schwarze Peter hin und her. Musk verweist bei der militärischen Variante Starshield auf die alleinige Zuständigkeit der US-Regierung. Nach Informationen von US-Medien kam die Anweisung aus dem Weißen Haus. Trump bestreitet jede Beteiligung.

Außenminister Marco Rubio widersprach am Samstag ebenfalls: Niemand in der Regierung habe eine Einschränkung angeordnet, die Störung sei „einfach passiert“. Seines Wissens funktioniere Starlink wieder. Ob Selenskyj überhaupt wisse, wovon er rede, zog Rubio öffentlich in Zweifel. Zugleich räumte er ein, dass Kiew den gewünschten Starshield-Zugang für Angriffe tief in Russland nicht habe.

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In dieser Woche will Kiew die vollständige Funktionsfähigkeit der Satellitenverbindungen durchsetzen. Unterhändler Rustem Umerow sprach darüber bereits mit Trumps Schwiegersohn und Unterhändler Jared Kushner. Weitere Gespräche sind geplant.

Trump braucht Erfolge vor den Kongresswahlen

Trump indes treibt seine eigene Verständigung mit Putin voran. Er hat Russland-Sanktionen vorerst für 60 Tage ausgesetzt, sondiert russische Diesellieferungen und drängt Selenskyj, Putins Ölindustrie zu verschonen. Vor den Kongresswahlen am 3. November braucht Trump niedrigere Energiepreise und möglichst einen außenpolitischen Erfolg. Putin gewinnt wirtschaftlichen Spielraum, Kiew gerät militärisch und diplomatisch massiv unter Druck.

News aus den USA

Dass Trump die Drosselung persönlich anordnete, ist bisher nicht bewiesen. Dass sie Putin nützt, steht außer Frage. Der Angriff auf Sankt Petersburg macht den Widerspruch dieser Politik sichtbar: Washington sucht den Deal mit Moskau, während die Ukraine ums Überleben kämpft.