Zehn Tage. So lange hielt sich Anthony Scaramucci 2017 im Weißen Haus, bevor Donald Trump seinen damals etwas zu großmäuligen Kommunikationsdirektor wieder vor die Tür setzte. Bis heute gilt der Mann als Sinnbild für das Personalkarussell der ersten Trump-Präsidentschaft. Nun wird eine Frau diesen Negativrekord unterbieten. Katie Zacharia, 41, erst seit Montag neue Pressesprecherin des Präsidenten, steht nach nicht mal einer Woche vor dem Aus. Und wieder hat Trump das Desaster selbst angerichtet.

Trump legt Zacharia Rücktritt wegen Medienkritik nahe

Am Freitagmittag teilte der Präsident vor der Abreise zu einer Wahlkampfveranstaltung in Georgia mit, er habe Zacharia nahegelegt, ihre Rolle zu überdenken. Möglicherweise sei der Posten nichts für sie. Wörtlich sagte Trump: „Wenn ich Du wäre, würde ich es mir noch mal überlegen.” Warum? Weil die Medien sehr schlimm mit ihr umgegangen seien, dieses „Leiden” habe sie nicht verdient.

So klingt im Weißen Haus eine sanfte Kündigung, die noch nicht ausgesprochen ist. „Du musst das nicht machen, wenn Du nicht willst”, sagte Trump wörtlich. Für Zacharia dürfte die Botschaft kaum missverständlich sein: Wer Trump blamiert, verliert im Handumdrehen sein Vertrauen. Aus US-Kreisen heißt es bereits, Zacharia werde den Posten aufgeben.

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Zacharia hält 14-minütige Pressekonferenz

Zacharias Karriere an der wichtigsten Pressetribüne Amerikas begann am Dienstag mit einer völlig verunglückten Premiere. Ihre Pressekonferenz war fahrig, kurz, wenig souverän und ultrakurz: 14 Minuten. Selbst in Trump-freundlichen Medien fiel das Urteil vernichtend aus. Statt über die Politik des Präsidenten zu sprechen, wurde dessen Sprecherin selbst zum Nachrichtenstoff.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Dann kam die Sache mit der angeblichen Anwältin. Zacharia hatte sich wiederholt als Juristin mit anwaltlicher Qualifikation präsentiert. Trump pries sie ausdrücklich als „Attorney“. Tatsächlich besitzt die Absolventin der kalifornischen Pepperdine-Universität keine nachgewiesene Zulassung als Anwältin. Die kalifornische Anwaltsprüfung bestand sie 2011 nicht. Inzwischen räumt sie dies ein. Trump aber, so gab sie am Freitagmorgen bei Fox News zu Protokoll, wurde von ihr im Unklaren gelassen.

Zwei Organisationen legten Beschwerden bei der zuständigen Anwaltskammer ein. Aus einer zweifelhaften Karrierebeschreibung wurde eine Affäre um Glaubwürdigkeit und mögliche rechtliche Konsequenzen.

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Donald Trump: Personalpolitik wird zum Problem

Der eigentliche Skandal aber sitzt eine Etage höher – beim Präsidenten. Trump hatte Zacharia eigenmächtig ausgewählt, nach Recherchen der „Washington Post“ sogar unter Umgehung seiner mächtigen Stabschefin Susie Wiles. Eine sorgfältige Überprüfung ihrer Qualifikationen hätte die Ungereimtheiten im Lebenslauf womöglich binnen Stunden aufgedeckt. Stattdessen bekam Zacharia einen der sichtbarsten Posten der amerikanischen Regierung, offenbar weil sie dem Präsidenten gefiel und seine Botschaften in konservativen Fernsehsendungen zuverlässig verteidigte. Dass Trump „jetzt Fürsorge heuchelt und der Presse den Schwarzen Peter zuschiebt, ist typisch für ihn”, sagen US-Medienvertreter in Washington.

Das Auswahlprinzip des Präsidenten laute stets Loyalität vor Kompetenz. Die Rechnung präsentiert sich nun wenige Wochen vor den Kongresswahlen. Der Fall erinnert an Kimberly Guilfoyle. Die frühere Verlobte von Trumps Sohn Donald Jr. verlor gerade ihren Botschafterposten in Griechenland nach Vorwürfen fragwürdiger Geldforderungen und persönlicher Vorteilsnahme, die sie bestreitet. Auch sie beging in Trumps Augen den Kardinalfehler: Sie brachte den Präsidenten in Verlegenheit.

Dabei offenbart sich ein Grundproblem seiner Personalpolitik. Trump verlangt bedingungslose Gefolgschaft, verwechselt Fernsehpräsenz mit Regierungsfähigkeit und macht Untergebene für Fehlentscheidungen verantwortlich, die er selbst getroffen hat.

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Blamage für Republikaner droht: Sprecherin soll zurücktreten

Für die Republikaner kommt der Vorgang zur Unzeit. Am 3. November droht ihnen bei den Midterms der Verlust ihrer Kongressmehrheiten. Ausgerechnet jetzt demonstriert ihr Präsident, dass er nicht einmal die Besetzung seines wichtigsten Sprachrohrs zuverlässig organisieren kann.

Die Blamage ist perfekt. Nicht allein für eine überforderte Sprecherin. Sondern für einen Präsidenten, der sich gern als unfehlbarer Personalchef inszeniert. Und dessen jüngste Personalentscheidung nach wenigen Tagen zum politischen Totalschaden wird.