Der AfD-Abgeordnete Martin Reichardt muss ein Ordnungsgeld zahlen. Der Bundestag hat am Freitag seinen Einspruch zurückgewiesen. Union, SPD, Grüne und Linke stimmten dafür, nur die AfD-Fraktion dagegen. Anlass war eine Bemerkung Reichardts über die Linke-Abgeordnete Kathrin Gebel. Er hatte ihr am Donnerstag „Unkenntnis über Ihre eigene Klitoris“ vorgeworfen.

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Ordnungsruf im Bundestag: Reichardt mit verbaler Entgleisung bestraft

Die Szene ereignete sich am Ende einer Debatte über Familienpolitik. Reichardt wandte sich an Gebel und den SPD-Politiker Ralf Stegner. Beide hätten ihm „sehr geholfen“, sagte er, Stegner mit einer „unqualifizierten Zwischenfrage“ und Gebel mit ihrer „Unkenntnis über ihre eigene Klitoris“.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Sitzungspräsidentin Andrea Lindholz (CSU) reagierte scharf. Die Bemerkung sei „ein zutiefst beleidigender verbaler Übergriff in die Intimsphäre einer Kollegin“. Dann wurde sie grundsätzlich: „Ich will an dieser Stelle sagen: Es reicht!“ Weil Reichardt bereits mehrfach auf seine Wortwahl hingewiesen worden sei, verhängte sie ein Ordnungsgeld. „Einem respektlosen Umgang auch mit uns Frauen werden wir hier oben entschieden entgegentreten.“

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Reichardts Satz war eine späte Retourkutsche. Im März debattierte der Bundestag über einen AfD-Antrag zu sogenannten „Ehrenmorden“. Gebel warf der AfD damals vor, Gewalt gegen Frauen zur Herkunftsfrage zu machen. „Die von Deutschen begangenen Morde sind Ihnen egal“, sagte sie. Reichardt rief dazwischen, sie habe seiner Fraktion nichts zu sagen. Gebel antwortete unter Applaus von Linken, Grünen und SPD: „Herr Reichardt, die Klitoris hat 3000 Nervenenden, aber Sie sind trotzdem empfindlicher.“ Der Ausschnitt wurde im Sommer auch international tausendfach geteilt.

Auf Instagram korrigierte sich Gebel später selbstironisch. Es seien in Wahrheit 10.000 Nervenenden. Dass man sich da irren könne, sei kein Wunder, denn die Klitoris werde in medizinischen Lehrbüchern erst seit Kurzem korrekt dargestellt. Für sie sei das ein Beispiel dafür, wie lange Frauengesundheit vernachlässigt wurde.

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Reichardt sieht sich im Recht. In seinem Einspruch nennt er die Bemerkung eine „sachliche Feststellung“. Den Begriff habe Gebel schließlich selbst eingeführt und dafür „nicht einmal einen Ordnungsruf“ erhalten. Der Landesvorsitzende der AfD Sachsen-Anhalt ist in dieser Wahlperiode mehrfach vom Präsidium gerügt worden. Seine Einsprüche blieben jedes Mal erfolglos.

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Julia Klöckner über Organspende, Krawall im Bundestag und echte Stimmungskiller
Meine schwerste Entscheidung
 

Vor der Abstimmung am Freitag ordnete Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) den Vorfall ein. Der Vorfall reihe sich ein in Vorwürfe von AfD-Abgeordneten gegenüber weiblichen Kolleginnen, sie seien kinderlos. „Wir sind im Jahr 2026. Frauen und Männer sind gleichberechtigt“, sagte Klöckner. „Diese Übergriffigkeit und Respektlosigkeit lassen wir hier als Präsidium nicht gelten.“ Sie verwies darauf, dass nur 32 Prozent der Abgeordneten Frauen sind. Wenn man das ändern wolle, „dann müssen wir uns auch so verhalten, dass Frauen Lust auf diesen Beruf hier haben“. Künftig werde das Präsidium sofort einschreiten, wenn respektlos mit und über Frauen geredet werde.