Der frühere BND-Chef August Hanning, gegen den jetzt wegen Spionagevorwürfen ermittelt wird, war ein Mann mit zwei Gesichtern: Wenn er als Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND) mit der Bundesregierung zu tun hatte, war er der nette, unauffällige Herr im grauen Anzug. Ein verlässlicher Chef, der nach außen für mehr Transparenz sorgte und nach innen für brauchbare Berichte – so schätzte ihn der damalige Kanzler Gerhard Schröder (SPD), der ihn zum BND-Chef gemacht hatte, so lobten ihn Sicherheitspolitiker.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Doch es gab auch die andere Seite: Hanning liebte das Risiko. Der heute 80-Jährige reiste gern persönlich und geheim an jene Krisenherde, mit denen der BND zu tun hatte. Er besuchte im Jahr 2000 das Kriegsgebiet in Tschetschenien, um die Dimension des Konflikts zu verstehen und sich über islamistischen Terrorismus zu informieren – russische Scharfschützen begleiteten ihn durch Sandsack-Barrieren. Der russische Präsident Wladimir Putin schätzte den deutschen Geheimdienstchef, denn der BND half Moskau mit Informationen über die Rebellen. Immer wieder reiste Hanning in geheimer Mission in Länder, in denen sich neue Krisen anbahnten.
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Er bremste aber auch die Bemühungen, dem unschuldigen Guantanamo-Häftling Murat Kurnaz die Einreise nach Deutschland zu erlauben. Hanning spielte eine wichtige Rolle in den Verhandlungen zwischen Israel und der Hisbollah, er begleitete als BND-Chef ihren historischen Gefangenenaustausch. Einmal flog er mit einer Bundeswehrmaschine nach Beirut, in der auch freigelassene Hisbollah-Führer wie Mustafa Dirani und Scheich Abdul-Karim Obeid saßen. „Ein guter Agent“, wusste Hanning, „zeichnet sich dadurch aus, dass er nicht auffällt.“

Seine Geschäftstätigkeiten brachten Hanning Probleme
Diese Art von Kriseneinsätzen unterscheidet Hanning bislang vom heutigen BND-Chef Martin Jäger: Der war in seiner Karriere zwar öfter da, wo es brennt – aber nicht im Geheimen, stets in offizieller Mission, etwa als Botschafter in Kabul und in Kiew.
Der parteilose Hanning, der den BND von 1998 bis 2005 führte, hatte schon vor seinem Präsidentenamt Geheimdienst-Erfahrung. Der studierte Jurist, verheiratet und Vater von drei Töchtern, arbeitete acht Jahre im Kanzleramt in der für den BND zuständigen Fachabteilung, zuletzt als Abteilungsleiter. Davor war er Geheimschutzbeauftragter in der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik in Ost-Berlin, zuständig unter anderem für den Häftlingsfreikauf. In Hannings Zeit fiel auch die Entscheidung für den Umzug des BND nach Berlin.
Von 2005 bis 2009 war Hanning Staatssekretär im Bundesinnenministerium unter Minister Wolfgang Schäuble (CDU). Danach im Ruhestand ging er daran, Erfahrung und Netzwerk zu gutem Geld zu machen: unter anderem in der von ihm gegründeten Beratungsfirma Hanning Consult, als Russlandchef der britischen Beratungsfirma G3 oder als Mitglied in der Sicherheitsfirma System 360, die im Entführungsfall der Unternehmer-Familie Block eine wichtige Rolle spielt und Ziel von Razzien war, die Hanning jetzt in Bedrängnis bringen.
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Es ist nicht die erste Geschäftstätigkeit, die unglücklich endet. Ärger hatte Hanning vor allem mit seinem Aufsichtsratsmandat in der lettischen Bank PNB Banka an der Seite unter anderem des früheren Nato-Generalsekretärs Anders Fogh Rasmussen. Der lettische Finanzsektor war berüchtigt für seine Geldwäschegeschäfte – und die PNB Banka bereits im Fadenkreuz der Bankenaufsicht. Die Bank musste Insolvenz anmelden. Auch gegen Hanning begann ein Schadenersatzprozess, in dem er sich dagegen wehrte, dass die lettische Justiz zwei Drittel seiner Beamten-Pension pfändet.









