Wer in den vergangenen Tagen einmal auf der Internetseite seiner Bank gewesen ist, dürfte vielleicht einen Hinweis auf das neue Vorsorgedepot bekommen haben. Die staatlich geförderte Altersvorsorge startet am 1. Januar – und Banken, Broker und Versicherer bewerben intensiv ihre Angebote. Die Bundesregierung möchte die private Altersvorsorge mittels Investitionen an der Börse stärken. Doch eine staatliche Alternative zu den Angeboten privater Finanzunternehmen lässt auf sich warten.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Die schwarz-rote Koalition will die Bürgerinnen und Bürger dazu bewegen, sich als Ergänzung zur gesetzlichen Rente stärker selbst um ihre Altersvorsorge zu kümmern. Das neue Altersvorsorgedepot lockt deswegen mit staatlichen Zuschüssen von bis zu 540 Euro im Jahr, wenn Sparer eigenes Geld in Fonds, Anleihen oder ETFs investieren. Für jedes Kind schießt der Staat zusätzlich bis zu 300 Euro dazu.
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Rente: Private Altersvorsorge – Produkte müssen staatlich zertifiziert sein
Die eigenen Einzahlungen sollen zusammen mit den staatlichen Zuzahlungen bis zum Rentenbeginn eine Rendite erwirtschaften, wodurch die im Alter verfügbare Summe wächst. Einfache und kostengünstige Angebote sollen insbesondere diejenigen ansprechen, die bisher vor dem Aktienmarkt zurückschrecken.
Die Produkte der privaten Anbieter müssen staatlich zertifiziert sein und diverse Vorgaben erfüllen – auch was die Kosten betrifft. Unterschiede zwischen den Anbietern und auch spätere Kostensteigerungen sind jedoch möglich, was sich über die Jahre deutlich auf die spätere Rendite auswirken kann.
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Sozialverband warnt vor „Mogelpackung“
Vor einer „Mogelpackung“, bei der „am Ende vor allem die Anbieter verdienen und die Versicherten das Risiko tragen“, warnt die Chefin des Sozialverbands SoVD, Michaela Engelmeier. „Wenn notwendige Beratung aber nur gegen hohe Gebühren zu bekommen ist, die mögliche Renditen deutlich schmälern und damit das Ergebnis der Sparenden verschlechtern, wird das Ziel der Reform verfehlt.“ Es brauche maximale Transparenz, dauerhaft niedrige Kosten und klare Regeln, damit günstige Einstiegskonditionen nicht später durch deutlich höhere Gebühren aufgezehrt würden, sagte Engelmeier dieser Redaktion.
Das zuständige Bundesfinanzministerium beurteilt die bereits verfügbaren Angebote zur Eröffnung eines Altersvorsorgedepots hingegen positiv. Damit es sich mehr Menschen leisten können, fürs Alter vorzusorgen, seien die Kosten gedeckelt. Die Reform sorge zudem dafür, dass sich auch kleine Sparbeiträge auf Dauer lohnen, sagte ein Ministeriumssprecher dieser Redaktion. „Wenn Angebote privater Anbieter diese neuen gesetzlichen Anforderungen erfüllen, dann dürften sie in aller Regel auch kundenfreundlich und günstig sein. Wir sehen bereits, dass es Angebote gibt, die die gesetzlichen Preisvorgaben deutlich unterschreiten, und das begrüßen wir.“
Altersvorsorgedepot: Geeignet für Anleger mit wenig Vorerfahrung
Damit nicht nur Börsenprofis das neue Altersvorsorgedepot und die staatliche Förderung nutzen, sollen die Anbieter immer auch ein besonders unkompliziertes und leicht verständliches Standarddepot im Programm haben, bei dem Kosten und Risiko begrenzt sind. Die Sparer sollen zudem nur wenige Entscheidungen treffen müssen, so ist etwa vorab festgelegt, in welche Fonds das eingezahlte Geld investiert wird.
Geeignet sei dieses Produkt für Anleger, die „wenig Vorerfahrung mit Investitionen an Kapitalmärkten haben und Anlageentscheidungen nicht selbst treffen wollen“, erläutert das Finanzministerium auf seiner Internetseite. Der Standarddepot-Vertrag komme damit „für einen niedrigschwelligen Online-Abschluss“ ohne vorherige Kundenberatung infrage.
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Verzögerung beim staatlichen Standardprodukt
Geplant ist zudem, dass auch der Staat über einen öffentlichen Träger ein solches Standardprodukt anbietet. Dies wäre etwa für Sparer geeignet, die ihre Altersvorsorge nicht in die Hände privater Finanzdienstleister legen wollen. Doch während Banken und andere Anbieter schon um Kunden buhlen, hinkt der Staat mit seinem Angebot hinterher.
Das Finanzministerium sei dazu mit möglichen Trägern im Gespräch, erläuterte der Ministeriumssprecher. Und räumt eine Verzögerung ein: Das öffentliche Standardprodukt werde voraussichtlich erst nach dem Start des Altersvorsorgedepots am 1. Januar 2027 verfügbar sein.
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Rente: Versicherer erwarten „Wettbewerb im besten Sinne“
Im Kreis der Versicherer rechnet kaum jemand mehr ernsthaft mit dem pünktlichen Start des staatlichen Standardproduktes. Verordnungen, Bundestagsbeschlüsse, Ausschreibungen: „Das ist bis zum Jahreswechsel eigentlich nicht mehr zu schaffen“, sagte Moritz Schumann, Vizehauptgeschäftsführer des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), dieser Redaktion.
Das staatliche Angebot sieht Schumann kritisch: „Warum muss der Staat sich dort einmischen und gleichzeitig Schiedsrichter und Mitspieler sein? Es reicht, wenn der Staat die Rahmenbedingungen setzt?“ Versicherer, Neobroker, Banken würden sich ab dem 1. Januar einen „Wettbewerb im besten Sinne“ liefern. „Die Zeit ist knapp, aber die Unternehmen arbeiten mit Hochdruck daran“, so der GDV-Chef.
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Der „Wirtschaftsweise“ und Universitätsprofessor Martin Werding sagte dieser Redaktion, dass viele Anbieter auf hohe Marktanteile zielten, sei zu begrüßen. „Aber ob der Wettbewerb auf Dauer so intensiv bleibt, muss man abwarten.“ Die staatliche Standardversicherung bezeichnete er als ein „überraschendes Reformelement“, das private Anbieter nach schwedischem Vorbild bei den Kosten unter Druck setze. „Bei der Riester-Rente waren die ja oft enorm hoch“, sagte das Mitglied der Alterssicherungskommission. Genau das soll nun vermieden werden.







![Friedrich Merz (CDU) und Bärbel Bas (SPD) im Juni im Bundeskanzleramt. Pressekonferenz [press conference] nach der ?bergabe des Berichts der Altersicherungskommission zur Rentenreform in Berlin](https://img.sparknews.funkemedien.de/413277497/413277497_1790592399_v16_9_1200.jpeg)





