In Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin sind die Landtagswahlen vorüber. Angesichts der Erfolge extremer Parteien fühlen sich viele Menschen ohnmächtig. Und fragen sich, was sie jenseits von Wahlen für die Demokratie tun können – trotz vieler Verpflichtungen im Alltag. Möglichkeiten gibt es einige.

Hinhören und diskutieren

Der erste Ansatz ist, im eigenen Umfeld tätig zu werden – insbesondere bei Personen, zu denen man in einer persönlichen, emotionalen Beziehung steht. Dies sei „ein starker Hebel für die Demokratie, weil wir andere Menschen darüber am besten erreichen können“, sagt die Buchautorin und Politik-Podcasterin Sally Lisa Starken, die sich viel mit diesem Thema befasst.

Hintergründe zur Wahl in Sachsen-Anhalt – für Sie recherchiert

Am wichtigsten sei es, hinzuhören, im Gespräch zu bleiben und demokratiefeindliche Aussagen nicht unkommentiert zu lassen. „Man sollte den Menschen das Gefühl geben, dass das, was sie sagen, nicht normal ist – zum Beispiel, indem man nachfragt: Wie kommst du zu deiner Meinung?“, sagt Starken. Wenn man allein in der Öffentlichkeit etwaige Äußerungen höre und sich unsicher fühle, rät sie dazu, sich Verbündete zu suchen. „Blickkontakt zu anderen Anwesenden aufnehmen und um Unterstützung bitten. Meist wirkt es bereits deeskalierend, zusammen zu fragen: ‚Was meinen Sie denn mit Ihrer Äußerung genau?‘“ Eine übersichtliche Hilfestellung, wie man Rassismus im Alltag argumentativ begegnen kann, findet sich beispielsweise bei der Bundeszentrale für politische Bildung.

Außerdem solle man den Kontakt nicht abbrechen. Personen, die sich von der Demokratie abgewendet hätten, berichteten immer wieder, „dass sie den Weg zurück nur geschafft haben, weil Menschen aus ihrem früheren Umfeld noch da waren und an sie glaubten“.

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Ehrenamtliches Engagement

Über diese kleinen Taten hinaus kann man sich ehrenamtlich engagieren, beispielsweise in einer demokratischen Partei oder in Organisationen, die sich für Freiheit und Vielfalt stark machen. Aber auch ein Ehrenamt, das nicht unmittelbar politisch ist, kann demokratische Strukturen festigen. Mögliche Beispiele sind Tätigkeiten in der Elternvertretung von Schulen oder Kindergärten, in Betriebsräten, Kammern und Berufsverbänden sowie in Kirchengemeinden, Gewerkschaften oder dem Naturschutz. Auch Sportvereine können einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Zivilgesellschaft leisten.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Laut Starken ginge es dabei auch um das menschlich tief verwurzelte Bedürfnis der Gruppenzugehörigkeit und Selbstwirksamkeit. „Jeder möchte irgendwo dazugehören. Vereine und Organisationen schaffen dafür Räume, in denen man Gleichgesinnte findet, sich gegenseitig stärkt und Selbstwirksamkeit erlebt.“

Anlaufstellen für ehrenamtliches Engagement sind etwa die Freiwilligenagenturen vor Ort. Sie beraten interessierte Menschen zu den verschiedenen Möglichkeiten des Engagements und vermitteln sie gezielt an geeignete Vereine und Einrichtungen. Ein weiteres Beispiel ist der Projektfinder des Bundesprogramms „Demokratie leben!“, der nach Ort und Postleitzahl sowie nach Programmbereich und Thema filtert.

Landtagswahlen 2026 – spannende Hintergründe

Ehrenamtliches Engagement hat sich in den vergangenen Jahren verändert: Es engagieren sich heute mehr Menschen als noch vor 30 Jahren. Im Jahr 1999 übten 30,9 Prozent der Personen ab 14 Jahren in Deutschland mindestens eine freiwillige Tätigkeit aus, 2024 waren es 36,7 Prozent. Gleichzeitig wird die Form des Engagements flexibler, zeitlich begrenzter und digitaler. Vereine und Organisationen bleiben dabei wichtige Orte, an denen Menschen Gemeinschaft erleben und sich für andere einsetzen. Dabei muss man nicht viel Zeit investieren: 53 Prozent engagieren sich maximal zwei Stunden pro Woche für ihre freiwillige Tätigkeit.

Initiative ergreifen

Beim Projekt „Allzeitorte. Gemeinsam mehr bewegen“ der Robert Bosch Stiftung und des Bundesverbands Soziokultur sollen Menschen an vertrauten Alltags- und Freizeitorten durch gemeinsame Projekte wieder für gesellschaftliche Teilhabe begeistert werden. „Es geht vor allem darum, dass sie wieder miteinander ins Gespräch kommen und Gemeinschaft entsteht“, betonen die Verantwortlichen Barbara Bichler und Nina Lüders.

Ein Beispiel, stellvertretend für etliche andere in ganz Deutschland, ist die „Werkstatt 26“ in Königstein in Sachsen. Hier gibt es verschiedene Angebote, von Kunstkursen über Reparaturcafés bis zu einer Kleiderstube. Außerdem werden durch verschiedene Aktionen bereits kleine Arten demokratischer Teilhabe sichtbar gemacht – etwa, dass man einen Streit geschlichtet oder sich gut informiert hat, erzählt Johannes Dietrich, der sich dort ehrenamtlich engagiert. „Wir haben damit das Bewusstsein für die Demokratie bei einigen gestärkt. Man merkt Veränderungen“, sagt er.

Außerdem kann man selbst die Initiative ergreifen und mit Mitteln wie Petitionen, Bürgerentscheiden, Bürgerforen oder öffentlichen Anhörungen versuchen, politisch Einfluss zu nehmen.

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