Tankrabatt und Preisdeckel: Die Bundesregierung will die Bürger bei den hohen Spritpreisen jetzt doch sehr schnell und wirksam entlasten. Nach heftigem Ringen einigte sich die Regierung am Freitag grundsätzlich auf ein Maßnahmepaket mit Entlastungen von insgesamt 2,5 Milliarden Euro, wie unserer Redaktion in Regierungskreisen bestätigt wurde. Danach kommt jetzt zum einen der Tankrabatt, den es schon einmal im Mai und Juni gegeben hatte, zurück: Die Energiesteuer soll um 14 Cent pro Liter sinken, inklusive der entsprechend geringeren Mehrwertsteuer liegt die Entlastung dann bei sogar bei 17 Cent – genauso wie im Frühjahr. Mit dieser bis zum Jahresende 2026 befristeten Maßnahme gebe es eine schnell wirkende Lösung für die Bürger, hieß es.
Auch interessant
Der Tankrabatt im Mai und Juni hatte den Staat 1,6 Milliarden Euro gekostet – die Spritpreise waren in dieser Zeit deutlich gesunken, allerdings gaben die Händler nach Expertenanalysen oft nicht die volle Steuersenkung von 17 Cent pro Liter an die Kunden weiter. Gleichzeitig will die Regierung auch eine Preisobergrenze für Benzin und Diesel festlegen. Details dazu waren zunächst noch nicht klar, die Spritpreisbremse soll aber spätestens zum 1. Januar 2027 in Kraft treten.
Die Regierung stellte zugleich eine weitere Entlastung in Aussicht mit Direktzuschüssen für einen Teil der Verbraucher: Die Preisentwicklung und mögliche wirtschaftliche Folgen würden weiter eng beobachtet, um gegebenenfalls besonders betroffene Menschen und Unternehmen zielgerichtet zu entlasten. „Der Bund schafft dafür die Voraussetzungen für einen einkommensbezogenen Direktauszahlmechanismus“, hieß es dazu.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nannte das Paket „ein starkes Signal für unser Land“, Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) meinte, nun würden „die Menschen entlastet und die Abzocke an den Zapfsäulen beendet.“
Der Einigung vorausgegangen waren sehr intensive Gespräche zwischen Kanzleramt, Finanz- und Wirtschaftsministerium. Einbezogen waren auch die Bundesländer, die diesmal an den Finanzlasten zur Hälfte beteiligt werden. Während Wirtschaftsministerin Katharina Reiche (CDU) zuletzt für eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Kraftstoffe von 19 auf 7 Prozent geworben hatte, was einen noch etwas höheren Entlastungseffekt gehabt hätte, setzte sich Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) für einen Preisdeckel ein. Die Finanzierung der Maßnahme ist für Klingbeil eine Herausforderung: Er will eigentlich Entlastungsmaßnahmen für die Bürger durch eine Übergewinnsteuer auf die hohen Gewinne der Mineralölkonzerne finanzieren. Bei einem EU-Finanzministertreffen in Dublin wurde aber am Freitag deutlich, dass eine angepeilte europaweite Regelung dazu vorerst nicht kommen wird.

Montag, Mittwoch, Freitag
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Der Druck ist hoch auf die Bundesregierung, denn Deutschland liegt bei den Spritpreisen im europäischen Vergleich mit an der Spitze. Nur in Dänemark und den Niederlanden zahlen Autofahrer noch mehr als in Deutschland, wie ein aktueller Vergleich des ADAC zeigt. In vielen Ländern, auch in direkter Nachbarschaft, kosten Benzin und Diesel dagegen deutlich weniger. Beispiel Super E10: In Deutschland werden laut ADAC Preise um 2,30 Euro pro Liter aufgerufen, in Polen dagegen zuletzt 1,82 Euro, in Tschechien 1,83 Euro, in Österreich 1,89 Euro, in Luxemburg 1,79 Euro, in Frankreich 2,17 Euro, in Belgien 1,98 Euro, in Schweden 1,51 Euro.
Spannende Politik-Einblicke aus der EU
Grund ist erstens die Besteuerung – in Deutschland ist sie mit Energiesteuer, CO₂‑Abgabe und Mehrwertsteuer relativ hoch und macht oft mehr als die Hälfte des Preises aus, anderswo kassiert der Fiskus wesentlich weniger. Zweitens: In der aktuellen Spritpreis-Krise haben viele europäische Länder auch mit staatlichen Eingriffen reagiert, um die Bürger angesichts der enormen Kosten zu entlasten.
Kann Deutschland davon lernen? Ein Überblick über wichtige Maßnahmen bei unseren Nachbarn:
Frankreich: Gezielte Entlastung für Bürger und Branchen
Frankreich gibt gezielte Hilfen für Gruppen, die besonders unter dem Preisschub leiden. Eigentlich sollten die Maßnahmen Ende September auslaufen, werden jetzt aber verlängert. So erhalten Arbeitnehmer, die aus beruflichen Gründen viel fahren müssen, aber sehr wenig verdienen, eine Hilfe von 100 Euro ausgezahlt. Drei Millionen Personen kommen nach den Berechnungen der Regierung dafür infrage. Darüber hinaus gibt es in Frankreich direkte Unterstützung für Branchen, die besonders unter den stark gestiegenen Dieselpreisen leiden: Landwirte erhalten einen Zuschuss von 15 Cent pro Liter, Baufirmen von 20 Cent und Fischer von 35 Cent. Die Staatsfinanzen im zweitgrößten EU-Land sind aber in einem katastrophalen Zustand, weshalb es die Regierung ablehnt, mit Subventionen auf breiter Front gegen die hohen Spritpreise anzugehen.

Österreich: Spritpreis-Bremse
Die Kraftstoffbesteuerung ist in Österreich ohnehin niedriger als in Deutschland, doch die Regierung hat im April auch eine flexible Spritpreis-Bremse eingeführt: Aktuell wird die Mineralölsteuer um 1,9 Cent pro Liter gesenkt. Außerdem sind die Tankstellen verpflichtet, Preissenkungen bei internationalen Preisnotierungen verbindlich an die Kunden weiterzugeben.
Exklusive Einblicke: Hinter den Kulissen der Politik
Sie interessieren sich für politische Hintergründe und wollen wissen, was in der Hauptstadt hinter verschlossenen Türen passiert? Dann ist der Newsletter „Hauptstadt Inside“ von Jörg Quoos, dem Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion, genau das Richtige für Sie. Dreimal pro Woche fasst er zusammen, was Sie wissen müssen – und ordnet die Geschehnisse ein. Hier können Sie sich anmelden.
Belgien: Gesetzlicher Höchstpreis
Die Kraftstoffpreise in Belgien sind reguliert, schon seit 1974 nach der ersten Ölkrise. Das Wirtschaftsministerium berechnet jeden Werktag einen gesetzlichen Höchstpreis auf der Grundlage einer Vereinbarung mit der Mineralölwirtschaft. In die Kalkulation fließen die internationalen Großhandelsnotierungen für Benzin und Diesel ein, eine Marge für die Unternehmen und die Steuern. Klingbeil will das belgische Modell auf Deutschland übertragen. Erst in dieser Woche hat Premierminister Bart De Wever aber klargestellt, dass seine Regierung angesichts der hohen Spritpreise keine finanziellen Hilfen für Autofahrer plant. „Die Kassen sind leer“, sagt er.
Tschechien: Mehr Wettbewerb, weniger Steuern
Die deutlich niedrigeren Preise liegen zum einen an der geringeren Besteuerung, zum anderen an der Marktstruktur. Gemessen an der Einwohnerzahl gibt es doppelt so viele Tankstellen wie hierzulande, deshalb ist der Wettbewerb stärker.
Kroatien: Staatlicher Höchstpreis
Es gibt ein drastisches System staatlich regulierter Höchstpreise. Die Regierung legt jede Woche verbindliche Höchstpreise fest, die landesweit für Standardkraftstoffe gelten. Schon seit längerer Zeit liegt der Benzinpreis in Kroatien auf diese Weise bei stabilen 1,73 bis 1,74 Euro. Die Preisbindung gilt aber nicht für Autobahntankstellen. Von der Regulierung sind zudem Premium-Kraftstoffe mit Additiven ausgenommen.
Mehr Politik-News
Italien: Steuersenkung
Bislang gilt ein Tankrabatt für Diesel über eine Steuersenkung. Die Entlastung wurde mehrmals verlängert, sie ist von zeitweise 17 Cent pro Liter auf aktuell 6,1 Cent gesunken. Im Oktober soll die Steuersenkung nach jetzigem Stand auslaufen. Aber zum Ausgleich werden in Italien kleine Pkw und Motorräder sowie die weitverbreiteten Motorroller nächstes Jahr komplett von der Kfz‑Steuer ausgenommen. Nach offiziellen Angaben umfasst die Maßnahme insgesamt etwa 14,5 Millionen Fahrzeuge.
Luxemburg: Flexibler Preisdeckel
Das Land erhebt wesentlich geringere Steuern auf Benzin und Diesel als Deutschland. Außerdem legt das luxemburgische Wirtschaftsministerium verbindliche Höchstpreise für Kraftstoffe fest, in der Regel zweimal im Monat, nur bei starken Schwankungen im internationalen Handel auch öfter. Tankstellen dürfen günstiger verkaufen, aber die Obergrenze nicht überschreiten.











