Über die Russland-Nähe der AfD ist schon viel geschrieben worden. Aber immer wieder kommt ein neues Ereignis dazu, das Aufmerksamkeit erregt. Im aktuellen Fall geht es um den AfD-Politiker Hans-Thomas Tillschneider aus Sachsen-Anhalt und dessen Tasse der russischen Armee. Der „Bild“-Journalist Paul Ronzheimer hatte sie bei einem Besuch in Tillschneiders Wahlkreisbüro in Querfurt westlich von Halle in einem Regal entdeckt. Die schwarze Tasse zeigte einen roten Stern und trug in kyrillischen Buchstaben die Aufschrift „Armee Russlands“.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Tillschneider ist stellvertretender Landeschef der AfD in Sachsen-Anhalt und Vizefraktionschef der Partei im Landtag in Magdeburg. Von Ronzheimer angesprochen, warum er eine russische Armeetasse im Regal stehen habe, sagte er: „Die hat mir jemand geschenkt. Ich wollte sie jetzt nicht wegtun.“
Der Deutschen Presse-Agentur sagte Tillschneider danach: Es handle sich um ein Mitbringsel von einer Russland-Reise von 2023 oder 2024, über das schon mehrfach berichtet wurde. Er verstehe die Aufregung nicht.
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Besuch in der besetzten Ostukraine geplant
Gemessen an dem Vorfall mit der Tasse wiegt die darin implizierte Nähe der AfD mit Russland jedoch in ihrer Gesamtheit um einiges schwerer. Tillschneiders Nähe zu Russland ist bekannt. Im September 2022 war er einer von drei AfD-Politikern, die in das Land reisten und auch einen Besuch in der besetzten Ostukraine geplant hatten. Die AfD-Spitze distanzierte sich damals, die Politiker brachen ihre Reise ab. Vertreter anderer Parteien warfen der AfD vor, auf der Seite von Russlands Präsidenten Wladimir Putin zu stehen.
Der AfD-Mann gilt darüber hinaus als einer der Hauptautoren des AfD-Wahlprogramms in Sachsen-Anhalt. Dort bezeichnet die Partei Russland als vor dem russischen Großangriff auf die gesamte Ukraine im Februar 2022 wichtigsten Handelspartner des Landes Sachsen-Anhalt und fordert die Abschaffung der wirtschafts- und energiepolitischen Sanktionen. Darüber hinaus soll unter anderem der Russisch-Unterricht gefördert und der Schüleraustausch „wieder belebt“ werden.
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Debatten über Russland-Nähe auch im Bundestag
Im Bundestag gab es immer wieder Debatten über die Russland-Nähe der AfD. In einer Aktuellen Stunde des Parlaments Anfang November 2025 sagte der CDU-Abgeordnete Marc Henrichmann, es gebe eine russlandtreue Schläferzelle innerhalb der Partei. Er warnte, zuvor habe es detaillierte Anfragen von AfD-Landes- und Bundespolitikern zur deutschen Sicherheitsinfrastruktur gegeben. Die SPD-Abgeordnete Sonja Eichwede nannte die AfD Handlanger Moskaus. Ähnlich äußerten sich Politikerinnen und Politiker der Grünen und der Linken.
Solche Vorwürfe weist die AfD zurück.
Eine AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt wäre wegen einer möglichen Russland-Nähe von besonderem Risiko. Die Partei hätte damit dann auch Zugriff auf sensible Daten aus dem Bereich Spionageabwehr. Denn die verschiedenen Bundes- und Landesorganisationen arbeiten eng zusammen und tauschen Informationen aus. Es gibt in anderen Bundesländern sogar schon Überlegungen, ob man Sachsen-Anhalt von diesen Austauschprozessen ausschließen sollte.

Ronzheimer beruft sich auf die Freiheit der Medien
Ronzheimer veröffentlichte zu dem Tassen-Vorfall mit Tillschneider ein Video unter anderem auf „bild.de“ und Youtube. In dem ist zu sehen, wie er Tillschneider darauf hinweist, dass es sich um die Armee handele, die die Ukraine angreife und die in Deutschland einen hybriden Krieg führe. Tillschneider wiegelte ab. Er verbinde mit der Tasse nichts Besonderes. Sie sei ein Geschenk gewesen, er wisse nicht mehr, von wem. „Es ist nicht unser Krieg“, betonte er. Er solidarisiere sich weder mit der russischen noch mit der ukrainischen Armee. „Staaten haben keine Freunde, Staaten haben Interessen.“ Ronzheimer solle doch „mit dieser blöden Tasse“ aufhören.
Tillschneider versuchte, die Veröffentlichung des Videos zu stoppen, Ronzheimer tat es trotzdem und berief sich auf die Freiheit der Medien. Erst in der Woche zuvor hatte Tillschneider eine Podcast-Aufnahme mit dieser Redaktion abgebrochen. Die Chefredakteurin Digitales der Zentralredaktion der FUNKE Mediengruppe, Melanie Amann, hatte ihm kritische Fragen zum Thüringer AfD‑Landesvorsitzenden Björn Höcke gestellt. Auch die Veröffentlichung dieses Podcasts hatte Tillschneider versucht zu unterbinden. Erfolglos. mit dpa










