Auf den ersten Blick ist es eine Lappalie: Im Wahlkreisbüro des AfD-Manns Hans-Thomas Tillschneider steht eine Tasse mit der Aufschrift „Armee Russlands“. Wer kennt sie nicht, die Motto-Tassen mit ironisch-radikalen Botschaften, mit Che Guevara oder Josef Stalin? Macht das den Nutzer zum Extremisten? Wohl kaum. Typisch „linke Systemmedien“, höhnt es prompt aus der AfD, dass sie derlei Winzigkeiten aufspießen?

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Aber in Tillschneiders Tasse, angeblich ein Geschenk, steckt mehr als Staub oder kalter Kaffee. Nicht umsonst wollte der AfD-Politiker anwaltlich verhindern, dass der „Bild“-Kollege Paul Ronzheimer sie zeigt. Die Tasse huldigt einer Armee, die in der Ukraine mordet, vergewaltigt, Kinder verschleppt. Und sie steht nicht daheim in der Küche, sondern im Wahlkreisbüro. Und warum keine proukrainische Tasse?

Dr.  Melanie Amann 
Chefredakteurin Digital
Melanie Amann ist Chefredakteurin Digital in der FUNKE Zentralredaktion.© Peter Rigaud | Peter Rigaud

Das Stück Porzellan symbolisiert die AfD-Nähe zu Moskau, und Tillschneider ist einer der lautesten Propagandisten für Wladimir Putins Regime. Das AfD-Programm, das er mitschrieb, fordert eine Rückkehr zu Russischunterricht und Schüleraustausch, und ein Ende der Sanktionen. Tillschneider schwenkt schon mal eine russische Fahne, ist oft Gast in der Botschaft oder brüllt ins Mikrofon: „Unsere Feinde, die sitzen nicht in Moskau! Die sitzen in Magdeburg oder Berlin!“

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AfD-Leute geben sich als Patrioten. Aber wer seine Landsleute eher als Feinde sieht als einen Staat, der mit Drohnen, Wegwerf-Agenten und Schattenflotte hybride Angriffe auf Deutschland führt, ist das ein Patriot? Man sollte die AfD öfter fragen, wo sie steht – auf Seite der eigenen Heimat oder beim russischen Aggressor?