Washington erlebt den nächsten Abgang mit bekanntem Muster: Offiziell verlässt Lori Chavez-DeRemer das Arbeitsministerium, „um eine Position in der Privatwirtschaft anzunehmen“, wie das Weiße Haus am Montagabend mitteilte. Das ist die sprachlich geglättete Version einer politischen Notbremsung.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Denn Chavez-DeRemer geht nicht nach einer inhaltlichen Niederlage, nicht nach einem leidenschaftlichen Streit über Löhne, Gewerkschaften oder Arbeitsrecht. Die 58-Jährige, eine frühere republikanische Kongressabgeordnete aus Oregon, tritt zurück, weil sich um ihre Amtsführung ein Geflecht aus Skandalen, internen Beschwerden und Ermittlungen gelegt hat. Die Ministerin, die in der Öffentlichkeit nie ein eigenes Profil entwickelte, wurde zuletzt zu einer „unnötigen Dauerbelastung“, wie es in Regierungskreisen hieß.
Ein Sprecher des Weißen Hauses lobte sie zum Abschied dennoch pflichtgemäß. Sie habe „phänomenale Arbeit geleistet“, indem sie „amerikanische Arbeitnehmer schützte, faire Arbeitspraktiken durchsetzte und den Amerikanern half, zusätzliche Fähigkeiten zu erwerben, um ihr Leben zu verbessern“. Überschwängliches Lob, ja, in Wahrheit politische Schadensbegrenzung.
News aus den USA
Lori Chavez-DeRemer: Arbeitsministerin geriet wegen Luxusausgaben unter Druck
Nach den vorliegenden Informationen stand Chavez-DeRemer zuletzt gleich von mehreren Seiten unter Druck. Das Büro des Generalinspektors soll kurz vor dem Abschluss einer monatelangen Untersuchung gestanden haben. Im Raum waren Vorwürfe persönlichen Fehlverhaltens, der missbräuchlichen Nutzung von Ministeriumsressourcen für Privatreisen und eines problematischen Umgangs mit Mitarbeitern.

Ermittler sollen Aussagen von Dutzenden Zeugen eingeholt und Hinweise auf Luxusausgaben wie Hotels, Geländewagen und Mahlzeiten gefunden haben. Parallel schaltete sich mit Senator Chuck Grassley auch noch ein einflussreicher Republikaner im Kongress ein.
Besonders heikel ist, dass sich die Vorwürfe nicht auf einen einzelnen Ausrutscher reduzieren lassen. Private Nachrichten, Beschwerden wegen eines feindseligen Arbeitsumfelds, Vorwürfe gegen Angehörige der Ministerin und bereits erfolgte personelle Konsequenzen im Umfeld deuten auf ein Haus hin, in dem die Führung nicht nur schwach, sondern zersetzend wirkte. Dass Mitarbeiterinnen den Ehemann der Ministerin wegen anzüglicher Annäherungen beschuldigten und ihm der Zutritt zum Ministerium verwehrt wurde, verschärfte den Eindruck einer Ministerin, die ein bisschen too much war, sprich: fehl am Platze.
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„Toxisches Arbeitsumfeld“: Trumps Gewerkschaftsflüsterin muss gehen
Politisch ist der Fall auch deshalb bemerkenswert, weil Chavez-DeRemer einst als ungewöhnliche Personalie galt: eine Republikanerin mit Rückhalt in Teilen der Gewerkschaftswelt, nominiert mit Unterstützung der einflussreichen Teamsters. Sie sollte zeigen, dass Donald Trump auch bei Arbeiterinteressen andocken kann. Nun endet diese Brückenfigur nicht mit sozialpolitischer Handschrift, sondern mit dem Befund eines „toxischen Arbeitsumfelds“, wie Mitarbeiter es beschrieben.
Keith Sonderling soll das Ministerium kommissarisch führen, obwohl er es nach Berichten aus dem Haus faktisch schon bisher leitete. Das ist die nüchterne Pointe dieses Washingtoner Dramas: Die sichtbare Ministerin war offenbar nicht die prägende Kraft – und gerade deshalb fiel sie am Ende umso schneller. In Trumps Kabinett rollt wieder ein Kopf. Nicht wegen großer Politik, sondern wegen kleiner, peinlicher und am Ende zerstörerischer Details.











