Die Stadt erwachte gerade zum Leben, als in einer spanischsprachigen Kindertagesstätte in Chicago eine Szene die Morgenroutine plötzlich unterbrach. Die Türen der Vorschule Rayito de Sol an der Addison Street öffneten sich wie gewohnt, die Eltern brachten ihre Kinder hinein, einige Lehrer tranken ihren Kaffee. Doch dann tauchten bewaffnete Bundesbeamte der Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) der USA auf. Vor den Augen von Kindern, betreuenden Pädagogen und Eltern nahmen sie eine Lehrerin fest. Die „Washington Post“ schreibt: „Der Vorfall scheint einer der ersten Fälle während Trumps zweiter Amtszeit zu sein, in denen Beamte der Einwanderungsbehörde ein Schulgelände betraten, um eine Verhaftung vorzunehmen.“
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„Ich habe Videomaterial gesehen, sowohl von Eltern, die in der Schlange warteten, um ihre Kinder abzugeben, als auch aus dem Gebäude selbst. Es sind mit die erschreckendsten Videoaufnahmen, die ich in meiner gesamten Amtszeit gesehen habe“, sagte Stadtrat Matt Martin laut „NBC News“. Laut ihm hatten die Beamten die Pädagogin verfolgt und schließlich „ungefragt und gewaltsam“ aus der Einrichtung abgeführt. „Wir hatten bewaffnete Beamte im Gebäude, in dem sich Kinder und Lehrer befanden“, erklärte Martin weiter. Er forderte die „sofortige Freilassung“ der Frau.
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Augenzeuge: „Es zerreißt einem das Herz“
Kurz nach dem Ereignis tauchten zahlreiche Handyvideos in den sozialen Netzwerken auf. Auf einer Aufnahme, die „NBC Chicago“ veröffentlichte, sind ICE-Agenten zu sehen, die vor einem Fahrzeug diskutieren, während sich weinende Eltern und Lehrkräfte, einige mit ihren Kindern auf dem Arm, neben ihnen versammeln. „Ich hörte nur tiefes Weinen – es war wirklich herzzerreißend“, berichtete Augenzeuge Adam Gonzalez, dessen einjähriger Sohn die Klasse der festgenommenen Lehrerin besucht hatte. „Es zerreißt einem das Herz zu wissen, dass jemand, der sich so liebevoll um mein Kind gekümmert hat, jetzt weg ist.“
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Zurückhaltend äußerte sich hingegen die stellvertretende Ministerin für Innere Sicherheit, Tricia McLaughlin. Ihrer Darstellung zufolge habe die Festnahme auf einen fehlgeschlagenen Verkehrsstopp zurückgeführt werden können, bei dem ein Fahrer und die Beifahrerin – die später als Pädagogin identifiziert wurde – die Beamten zunächst ignorierten. Sie seien daraufhin „in ein Einkaufszentrum gerast“ und hätten versucht, in der Kindertagesstätte Schutz zu suchen. Laut McLaughlin habe die Frau schließlich „im Vorraum“ der Einrichtung festgenommen werden können. McLaughlin betitelt auf der Plattform „X“ die festgenommene Frau mehrfach als „illegale Einwanderin“.
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ICE law enforcement did NOT target a Daycare.
— Tricia McLaughlin (@TriciaOhio) 5. November 2025
Officers attempted to conduct a targeted traffic stop of this female illegal alien from Colombia.
Officers attempted to pull over this vehicle, which was registered to a female illegal alien, with sirens and emergency lights, but… https://t.co/ChNhTyAOQc
Kindertagesstätte blieb geschlossen
Sehr viele Fragen blieben nach der Verhaftung zunächst unbeantwortet. Weder die genauen Vorwürfe gegen die Frau noch nähere Details zu den Beweggründen des Mannes, der mit ihr unterwegs war, wurden bekannt. Eltern und Stadtangestellte äußerten jedoch offen ihre Enttäuschung und Bestürzung. „Was heute geschehen ist, wird weder heute noch morgen noch am Ende dieser Woche vergessen sein“, sagte Stadtrat Martin, der nach der Festnahme vor Ort war.
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Die Kindertagesstätte blieb am Mittwoch geschlossen. Eltern wie die Anwältin Tara Goodarzi, deren dreijähriges Kind ebenfalls die Schule besucht, forderten bei „NBC News“ klare Konsequenzen. „Wir müssen dafür sorgen, dass das aufhört. Schulen sollten sichere Orte sein, keine Orte, an denen wir mit unseren Kindern darüber sprechen müssen, warum ihre Lehrerin entführt wird, schreit und vor bewaffneten und maskierten Beamten wegläuft, nur weil sie versucht, die Schule zu betreten“, so die Anwältin.






