Liebe Leserin, lieber Leser,
bei mir steht der Sommerurlaub an. Und da stellt sich mir die Frage: Was passiert in den kommenden zwei Wochen mit dem Newsletter? Die einfachste Lösung wäre: Ich vertröste Sie, meine Abonnentinnen und Abonnenten, mit den Abschiedsworten: Bin dann mal weg. Lesestoff am Sonntag gibt es erst wieder im September. Oder ich nerve meine Familie, setze mich auf die Terrasse der Ferienwohnung und schreibe weiter. Da ich aber weder Sie, meine treuen Leserinnen und Leser, ärgern will, noch meine Familie, bereite ich einfach die Urlaubsausgaben vor. Diese Woche starte ich mit den besten Geschichten unserer Volontärinnen und Volontäre. Schließlich bin ich nicht nur Textchefin, sondern auch Volo-Beauftragte. Und in dieser Doppelfunktion landen die meisten Texte der jungen Kolleginnen und Kollegen ohnehin bei mir, bevor sie veröffentlicht werden.

Montag, Mittwoch, Freitag
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.
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Zunächst ein Wort zu unseren Volos. Alle Tageszeitungen der FUNKE Mediengruppe bilden junge Leute aus. Und alle – FUNKE-weit sind es ungefähr 90 – kommen für ein oder zwei Monate nach Berlin in die Zentralredaktion, um Hauptstadtpolitik zu erleben, um Wirtschaftsbosse und Gesundheitsexperten zu interviewen, um Social-Media-Trends zu entdecken oder Raum zu bekommen für eine große, eigene Recherche. Meist sind drei bis vier Volos bei uns in Berlin. Dafür stellen wir ihnen eine coole WG zur Verfügung. In der Wohnküche veranstalten wir fast jeden Monat den Volo-Salon, bei dem Nachwuchsjournalisten auf Augenhöhe mit erfahrenen Kollegen über Themen sprechen wie: Kontaktpflege, Interviews mit Spitzenpolitikern, Künstliche Intelligenz oder investigative Recherche.
Und nun habe ich mich also auf die Suche nach den besten Texten gemacht, was wirklich eine schwierige Angelegenheit ist. Schließlich sind es ja unsere „Hochleistungs-Volontäre“, wie wir sie gerne intern nennen. Tatsächlich ist ihr Output an exklusiven Geschichten groß.
Cannabis-Legalisierung: Leonie Wiegel telefonierte die Behörden der Länder ab
Zum Beispiel die von Leonie Wiegel, Volontärin der Thüringer Allgemeinen. Sie wollte wissen, was eigentlich aus der Cannabis-Legalisierung der Ampel-Regierung geworden ist. Funktioniert die Idee, dass Clubs Cannabis legal produzieren und an die Mitglieder verkaufen dürfen? Und was ist aus der Prävention geworden? Um das herauszufinden, hat sie die zuständigen Behörden in den Ländern abtelefoniert und Experten gesprochen, darunter den Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Hendrik Streek. Ihre Recherche ist von einschlägigen Medien übernommen worden, denn wie viele Clubs es inzwischen gibt, war bislang nicht bekannt.

Vivien Valentiner vom Hamburger Abendblatt trieb die Frage um, warum Frauen im Schnitt immer noch weniger verdienen als Männer, obwohl sie den gleichen Job machen. Zeigen Frauen weniger Leistung im Job? Sind sie weniger qualifiziert? Oder haben sie einfach nur schlecht verhandelt? Sie sprach mit Juristen, Gewerkschaftsvertretern und Politikern. Eine mögliche Erklärung: mangelnde Transparenz. Denn wie viel Frauen und Männer tatsächlich in einem Betrieb verdienen, werde ziemlich oft unter Verschluss gehalten. Eine umfassende Recherche, die auch den Einfluss des Mindestlohns und den Ausbau der Kinderbetreuung auf die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen berücksichtigt. Klar ist: Eine einfache Antwort gibt es nicht.
Hallo Luke Hoß, was machen sie mit Ihren Diäten?
Wie ist das eigentlich, wenn man mit 23 Jahren in den Bundestag gespült wird, weil die eigene Partei plötzlich einen riesigen Aufschwung hingelegt hat? Wie fühlt sich das an, plötzlich die Diäten der Bundestagsabgeordneten auf dem Konto zu haben? Und wie ist der Alltag eines Politikers in Berlin? Joshua Kipper von der Westfalenpost aus Hagen hat das Luke Hoß von der Linkspartei gefragt. Er ist der jüngste Abgeordnete. Kleiner Spoiler: Behalten will Luke Hoß seine Bezüge nicht. Zumindest nicht ganz.

Laut Weltgesundheitsorganisation WHO haben in Deutschland eine Million Kinder und Jugendliche sexuellen Missbrauch erfahren. Was macht das mit den Opfern? Und warum haben Täter so oft ein leichtes Spiel? Darüber hat Lisa Maria Eggert von der WAZ in Essen mit einer Frau gesprochen, die als Kind über Jahre hinweg von ihrem Großvater missbraucht wurde. Mit einer bemerkenswerten Mischung aus Nähe und Distanz ist es ihr gelungen, sich auf diese schwere Thematik einzulassen. Geholfen hat ihr dabei auch ein Expertengespräch.
Tatortreiniger erzählt: So ist es, über tote Fliegen zu laufen
Die Recherche von Jan Kumpmann, Westfalenpost, hat einen gewissen Gruselfaktor, denn er hat einen sogenannten Tatortreiniger gesprochen. Der putzt die Wohnung, wenn die Leiche weggebracht wurde. Sein Protagonist gibt einen Einblick in einen ganz besonderen Job, der viel mehr ist als putzen. Denn die hinterlassenen Wohnungen erzählen eine Geschichte, etwa von Einsamkeit und Verwahrlosung. Wie es dort aussieht, lässt sich schon beim Lesen sehen und riechen, wenn Kumpmann seinen Protagonisten sagen lässt, dass am Tatort oft ein schwarzer Teppich aus Fliegen liege, die ebenfalls schon tot seien. „Wenn man da drüber läuft, knirscht das so, wie wenn man durch frischen Schnee läuft.“

Als Theresa Althaus (WAZ) in der Zentralredaktion war, lief gerade der Pelicot-Prozess auf Hochtouren. Zur Erinnerung: Ein französischer Familienvater hatte seine Ehefrau über viele Jahre hinweg betäubt und anderen Männern zur Vergewaltigung überlassen. Dafür wurde er zu 20 Jahren Haft verurteilt. Ein einzigartiger Fall? Keineswegs, fand Theresa Althaus heraus. Dass Frauen betäubt und missbraucht werden, passiere auch in Deutschland, so ihre Recherche, die ziemlich kompliziert war. Denn Scham und Angst beherrschen oft die Opfer, die Dunkelziffer sei hoch, bestätigten ihr Opferverbände, Polizei und Beratungsstellen.
Und dann noch: Botox, Christen in Gaza und eine pflegende Mutter
Es gibt noch viele Geschichten, die ich empfehlen möchte, etwa die über Botulinumtoxin, das sich immer mehr Menschen spritzen lassen, um Stirnfalten loszuwerden von Laura Maurya (Westfalenpost). Oder die Recherche von Ahmad Shihabi (Neue Rhein/Neue Ruhr-Zeitung), der seine Kontakte zu Palästinensern nutzte und über Christen in Gaza schrieb. Sarah Schlüter (WAZ) traf eine Mutter, die ihr schwer behindertes Kind pflegt und kaum Anerkennung findet.
Gefallen Ihnen die Geschichten unseres journalistischen Nachwuchses? Dann wird es eine Fortsetzung bei meinem nächsten Urlaub geben. In der kommenden Woche empfehle ich Ihnen die besten persönlichen Geschichten meiner Kolleginnen und Kollegen. Denn auch davon gibt es ziemlich viele.
Ich wünsche Ihnen einen geruhsamen Sonntag,
Ihre Birgitta Stauber
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