Die Glocken der St. Porphyrius-Kirche im Gazastreifen sind nicht mehr zu hören. Nicht weil es hier keine Christen mehr gibt, sondern weil der Klang von Trauer, Krieg und Tod im Gazastreifen lauter ist. Das Dröhnen der Kampfflugzeuge und der Hubschrauber der israelischen Armee übertönt alles. In dem rund 1500 Jahre alten Gotteshaus klammern sich die Menschen an ihren Glauben, als sei er ein Rettungsring im nahen Mittelmeer.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Zum zweiten Mal in Folge feiern Mousa Ayyad und seine Familie das Osterfest im Schatten des Krieges. Statt mit festlichen Prozessionen begehen die Christen von Gaza das Osterfest im Verborgenen. „Trotzdem bedeutet Ostern für mich Hoffnung auf etwas Besseres“, sagt Ayyad.

Christen in Gaza: Eine kleine Minderheit
Christen sind im Gazastreifen eine Minderheit: Bis 2007 lebten mehr als 5000 Christinnen und Christen in dem kleinen Palästinensergebiet am Mittelmeer. Doch nachdem die radikalislamische Hamas damals die Kontrolle über den Küstenstreifen übernommen hatte, verließen viele ihre Häuser. Heute gibt es dort nicht mehr als 1.100 Christen, das sind weniger als ein Prozent der Gesamtbevölkerung. Mehr als zwei Drittel von ihnen gehören der griechisch-orthodoxen Gemeinde an, es gibt zudem Katholiken und einige evangelische Gläubige.
Nach dem Überfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 verließen etwa 300 bis 500 Christen den Gazastreifen, vor allem Richtung Ägypten. Die koptische Kirche in Ägypten, internationale Organisationen und Diplomaten halfen bei der Flucht ins Nachbarland. „Die Anderen sind zu Binnenflüchtlingen innerhalb des Gazastreifens geworden“, erzählt Ayyad.
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Ostern: Christen im Gazastreifen sind auf der Flucht
Mousa Ayyad ist einer von ihnen. Der 40-jährige palästinensische Christ aus Gaza arbeitet als Verwaltungskoordinator im dortigen Alahli-Krankenhaus. Seit er sein Haus durch einen Luftangriff verloren hat, lebt er mit seiner Frau und seinen vier Kindern in einem Raum der griechisch-orthodoxen Kirche – einem der wenigen halbwegs sicheren Orte im Gazastreifen.
Insgesamt gibt es drei christliche Kirchen, eine griechisch-orthodoxe, eine katholische und eine evangelische. Zwei davon dienen als Unterkünfte für Binnenflüchtlinge – auch für Muslime. „Hier haben etwa 250 Christen Zuflucht gefunden und in der katholischen Kirche sind etwa 390 Christen untergekommen“, erzählt Ayyad in einem Telefongespräch.

Gaza: Keine Osterfeier wegen des Krieges
Auch für die Christen in Gaza ist Ostern eins der wichtigsten Feste. Doch nichts ist wie früher. „Wir vermissen die Zeit vor dem Krieg, als wir unsere Häuser zu Ostern geschmückt und die Kinder neue Kleider angezogen haben. Wir haben gemeinsam gebetet, gesungen, gefeiert“, erinnert sich der Familienvater. „All das ist jetzt fast verschwunden.“ Wegen des Krieges und aus Respekt vor dem Leid der Menschen im Gazastreifen haben die Kirchen beschlossen, keine großen Feiern zu organisieren.
Große Teile des Gazastreifens sind durch den Krieg zwischen der Hamas und Israel zerstört, Häuser sind zerbombt, Schulen zerstört. „Die Menschen sind erschöpft. Viele haben Familienmitglieder verloren, ihre Häuser und ein normales Leben. Hunderttausende sind auf der Flucht. Wir alle sind verzweifelt“, sagt Ayyad. „Früher fühlte sich das Osterfest wie ein Versprechen auf Frieden an. Heute feiern wir mit Tränen in den Augen.“
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Ostern im Gazastreifen: Ein Kampf ums Überleben
Ostern ist für Ayyad und seine Liebsten normalerweise eine Zeit der Familie, der Freunde und der Freude. „Wir haben uns gegenseitig besucht. Wir haben uns mit Freunden getroffen, die Kinder bekommen neue Kleider und Geschenke.“ Auch das gemeinsame Essen mit der Familie habe eine große Bedeutung. „Am meisten vermisse ich mein Zuhause“, erzählt Ayyad: „Jetzt gibt es nicht einmal mehr bunte Eier.“
Die Vorbereitung auf das diesjährige Osterfest sind für Ayyad und seine Familie zu einem Kampf ums Überleben geworden. Es gibt kaum Wasser, Medikamente oder Strom. Der Alltag besteht darin, Essen oder Trinkwasser aufzutreiben. Osterkekse für die Kinder werden dieses Jahr nicht gebacken. „Es kommen kaum Hilfsgüter in den Gazastreifen“, erzählt der Palästinenser. „Gott sei Dank haben die Kirchen Stromgeneratoren. So können wir etwas kochen oder unsere Handys aufladen.“

Palästinenser aus Gaza: „Ostern bedeutet Hoffnung“
Die Christen in Gaza wollen sich an Ostern zum Abendgebet versammeln, erzählt Ayyad – wenn die Sicherheitslage es erlaubt. Die Gläubigen haben Angst, am Abend nach draußen zu gehen, wenn kaum noch Menschen auf der Straße sind. „Aber wenn wir zusammen beten, gibt uns das eine kleine Hoffnung, dass es eines Tages besser wird.“
Die verbliebenen Christen in Gaza geben nicht auf. Ayyad hofft, dass alle Menschen im Gazastreifen, ob Christen oder Muslime, eines Tages wieder in Frieden leben und ihre Feste ohne Krieg feiern können: „Dafür beten wir jeden Tag.“ Noch einmal betont der Palästinenser: „Ostern bedeutet Hoffnung. Am Ende der Karwoche ist Jesus auferstanden, um Hoffnung und Frieden in diese Welt zu bringen.“






