Wird US-Präsident Donald Trump, ein 34-fach verurteilter Straftäter, womöglich von Gewissensbissen geplagt? Während eines weitschweifenden Interviews auf dem konservativen Fernsehsender Fox News dachte Trump laut darüber nach, ob er die Möglichkeit habe, „in den Himmel zu kommen“. Nach Ansicht des Präsidenten wären seine Chancen deutlich besser, wenn es ihm gelingt, den russischen Angriffskrieg in der Ukraine zu beenden und einen Friedensvertrag zwischen den Kriegsparteien zu vermitteln.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Während der Frühstückssendung „Fox and Friends“ sprach Trump über den Krieg und sagte plötzlich: „Ich würde gern, wenn das möglich ist, in den Himmel kommen“. Die Handlanger unter den Moderatoren, die sich seit Jahren als loyale Fans des 47. Präsidenten profiliert haben und ihm grundsätzlich keine harten Fragen stellen, fanden seine Ausführungen wie immer unterhaltsam und amüsant. Dann fuhr Trump fort:. „Ich habe aber gehört, dass ich auf dem Totempfahl ziemlich weit unten bin und meine Chancen nicht gut sind.“
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Zwar war Trump noch nie als religiöser Mensch bekannt. Gleichwohl versteht er sehr wohl, dass bibelfeste Evangelikale in den US-Südstaaten und dem sogenannten „Bible Belt“ des mittleren Westens einen bedeutenden Teil seiner politischen Basis ausmachen. Bei politischen Auftritten vor diesen Wählern betont er daher immer wieder seinen „Glauben an Gott“. Auch zitiert Trump hin und wieder den einen oder anderen auswendig gelernten Satz aus der Heiligen Schrift.
Das Attentat auf ihn scheint Trump nachdenklicher gestimmt zu haben
Dass die politische Show aber nicht seinen tatsächlichen Überzeugungen entspricht, das bewies Trump im Juni 2020. Als ihn friedliche Proteste gegen die Ermordung des Afroamerikaners George Floyd irritierten, ließ er die Demonstranten von der Militärpolizei entfernen. Dann marschierte der Präsident in Begleitung von Kabinettsmitgliedern über den Lafayette Square, den kleinen Park vor dem Weißen Haus, und stellte sich mit einer Bibel in der Hand vor die St. John‘s Episcopal-Kirche. Danach gefragt, ob die Bibel ihm gehöre, also „seine“ Bibel sei, antwortete der Präsident: „Es ist eine Bibel“, woraus Beobachter schlossen, dass er keine Bibel besitzt und dies noch nie tat.

Da die eine oder andere Bezugnahme auf die Heilige Schrift politisch durchaus nützlich sein kann, weil sie seinen Stammwählern imponiert, nutzte Trump diesmal den Krieg in der Ukraine als Anlass. Wenn er es schaffen sollte, über ein Friedensabkommen „zu verhindern, dass 7.000 Menschen pro Woche getötet werden“, dann würde ihm dies womöglich das Himmelstor öffnen, meint er.
Dabei ist es nicht das erste Mal, dass der Präsident, der im Juni nächsten Jahres seinen 80. Geburtstag feiern wird, über ein Leben nach dem Tod nachdenkt. Der Anschlag in Pennsylvania im vergangenen Sommer scheint Trump insgesamt nachdenklicher gestimmt zu haben. Auch sagte er in der Vergangenheit, dass „meine Mutter im Himmel ist, bei meinem Vater bin ich mir nicht hundertprozentig sicher“. Nach dem Fernsehauftritt des Präsidenten wurde Regierungssprecherin Karoline Leavitt gefragt, ob Trump die Bemerkungen ernst gemeint habe. „Ich denke schon, dass er das ernst gemeint hat und hoffe, dass er in den Himmel kommt“, antwortete Leavitt. „Das sollten wir übrigens alle hoffen.“





