Papst Leo XIV. hat die „Barbarei“ des Krieges im Gazastreifen und den „wahllosen Einsatz von Gewalt“ in dem Gebiet verurteilt. Auch UN-Hilfsorganisationen kritisieren das jüngste Vorgehen der israelischen Armee im Gazastreifen und die sich dort verschärfende humanitäre Lage. Die „Hungerkrise“ in Gaza habe „ein neues Ausmaß an Verzweiflung“ erreicht, schrieb das Welternährungsprogramm (WFP) auf X.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Am Sonntag hatte die israelische Armee nahe eines WFP-Hilfskonvois auf eine große Menschenmenge geschossen. Zahlreiche Menschen seien getötet worden. Das UN-Nothilfebüro sprach zudem von einem „verheerenden Schlag“ für die humanitären Bemühungen durch einen neuen „Massenvertreibungsbefehl“ der israelischen Armee für Menschen in der Stadt Deir al-Balah im Zentrum Gazas.
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Menschenmenge naher Hilfskonvoi von israelischer Armee beschossen
Nach Angaben der von der islamistischen Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde in Gaza wurden am Sonntag mindestens 73 Palästinenser in dem abgeriegelten Küstenstreifen getötet, die meisten davon bei einem Vorfall im Norden, berichtete die „Times of Israel“. Laut dem WFP hatte sich eine Menschenmenge einem WFP-Konvoi aus 25 Lkw genähert, als dieser den Grenzübergang Zikim überquerte. Daraufhin sei die Menge unter israelischen Beschuss geraten. Laut der Hamas-Behörde wurden 67 Menschen getötet, wie die Zeitung weiter berichtete.
Die „Times of Israel“ berichtete, es sei nicht sofort klar gewesen, ob sie Opfer der israelischen Armee oder bewaffneter Banden oder von beiden wurden. Die Zeitung zitierte die Armee, wonach Warnschüsse abgefeuert worden seien, „um eine unmittelbare Bedrohung für die Truppen zu beseitigen“. Israels Armee bestritt demnach aber die hohe Zahl an Opfern. Das WFP beklagte, die Menschen hätten lediglich versucht, an Nahrungsmittel zu gelangen, um sich und ihre Familien zu ernähren, „die kurz vor dem Verhungern stehen“.
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Kritik an Gaza Humanitarian Foundation
Um die Verteilung von Lebensmitteln kümmert sich in weiten Teilen Gazas die umstrittene von den USA unterstützte Gaza Humanitarian Foundation (GHF). Israel hatte den neuen Verteilmechanismus nach eigenen Angaben eingeführt, um zu verhindern, dass die Hamas Hilfsgüter abzweigt. Die UN kritisieren, dass die Stiftung zu wenige Verteilzentren im Gazastreifen betreibe und dass Menschen dort und auf dem Weg dahin großen Gefahren ausgesetzt seien.
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Auch die Bundesregierung kritisiert den neuen Verteilmechanismus der Stiftung als nicht ausreichend. Es sei „offensichtlich, dass dieser nicht in ausreichendem Maß die Zivilbevölkerung erreicht und auch nicht nach den humanitären Prinzipien operiert“. Das geht aus einer Antwort des Auswärtigen Amts auf Fragen der Grünen-Bundestagsfraktion hervor. In der Antwort wird die humanitäre Lage im abgeriegelten Gazastreifen als „unerträglich“ bezeichnet.
Immer wieder gibt es Berichte über tödliche Zwischenfälle in der Nähe der GHF-Verteilstellen. Der Vorfall vom Sonntag unterstreiche die zunehmend gefährlichen Bedingungen für humanitäre Maßnahmen, teilte das WFP mit. Vor Einführung des neuen Verteilmechanismus hatten die UN für die rund zwei Millionen Palästinenser in Gaza rund 400 Verteilstationen betrieben. Diese funktionieren weiterhin kaum, weil Israel deren Belieferung so gut wie gar nicht zulässt.
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Israels Armee ruft Menschen auf, sich in den Südwesten Gazas zu begeben
Israels Armee kündigte unterdessen an, ihre Einsätze in Deir al-Balah im Zentrum Gazas auszuweiten und rief die Menschen in mehreren Vierteln dazu auf, sich in den Südwesten zu begeben. Aus Sicht des UN-Nothilfebüros OCHA ist dies ein weiterer Rückschlag für die humanitären Bemühungen. Nach ersten Schätzungen hätten sich zum Zeitpunkt der Anordnung zwischen 50.000 und 80.000 Menschen in dem betroffenen Gebiet aufgehalten, teilte das OCHA mit.
Unter den Betroffenen sind viele Menschen, die in Zelten untergebracht sind. Mindestens 1.000 Familien seien in den vergangenen Stunden aus dem Gebiet geflohen. In dem neu ausgewiesenen Einsatzgebiet befinden sich nach Angaben von OCHA unter anderem mehrere Lagerhäuser für humanitäre Hilfe, vier Kliniken, ein Wasserreservoir sowie eine Pumpstation für Abwässer. „Jede Beschädigung dieser Infrastruktur wird lebensbedrohliche Folgen haben“, warnte OCHA.
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So laufen die Verhandlungen zwischen Israel und der Hamas in Katar
Trotz der andauernden Einsätze der Armee in Gaza hält Israels Generalstabschef Ejal Zamir eine Waffenruhe und ein Abkommen zur Freilassung von Geiseln aus der Gewalt der islamistischen Hamas für zunehmend möglich. „Eure Erfolge im Feld (...) lassen die Niederlage der Hamas näher rücken und erzeugen das Potenzial für einen Geisel-Deal“, sagte der Armeechef nach Militärangaben bei einem Truppenbesuch im Gazastreifen.
Bei indirekten Verhandlungen in der katarischen Hauptstadt Doha ringen Israel und die Hamas seit Monaten um Kompromisse, die eine 60-tägige Waffenruhe und eine Freilassung von Geiseln ermöglichen sollen. Diplomaten aus Katar, Ägypten und den USA fungieren als Vermittler. Israelische Medien berichteten zuletzt von Fortschritten. Ein Durchbruch scheint aber noch nicht in Sicht.
jst/dpa











