Als Omar Abed Rabuh von den Plänen für die „humanitäre Stadt in Rafah“ hörte, hatte er nur einen Gedanken: „Ich will aus dieser Hölle raus.“ Seit Monaten wurden hunderttausende Palästinenser im Gazastreifen hin- und hergeschoben. Von einer sogenannten humanitären Zone in die nächste. Zonen, in denen es oft genug zu Todesfällen gekommen sein soll; unabhängig lassen sich die Informationen dazu nicht überprüfen. „Viele Menschen in Gaza haben die Nase voll von diesem Krieg und wollen nur raus“, sagt der Palästinenser.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Während des seit dem 7. Oktober 2023 andauernden Krieges im palästinensischen Küstenstreifen wurde sein Haus bei einem israelischen Luftangriff komplett zerstört. Der Journalist und Aktivist hat mehr als fünf Familienmitglieder verloren und musste mehrfach flüchten. Im Juni wurde er von Hamas-Mitgliedern wegen seiner Kritik an der radikal islamistischen Organisation geschlagen und geprügelt. „Sie haben sogar mein Handy beschlagnahmt“, sagt er.

Pläne für Gazastreifen: Palästinenser sieht „vorübergehende Lösung“
Deshalb sei der neue israelische Plan für Rafah ein Hoffnungsschimmer in einer tragischen Realität – trotz der Kritik vieler israelischer Menschenrechtsexperten und ehemaliger Politiker. „Dieser Plan bietet eine vorübergehende, organisierte Lösung, die die Würde der Menschen nach Monaten der Vertreibung und des Leidens bewahrt“, sagt der 31-Jährige aus Gaza-Stadt.
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Vor ein paar Wochen kam die neue Idee des israelischen Verteidigungsministers Israel Katz nach einem Hintergrundgespräch mit Journalisten ans Licht. Konkret geplant ist eine sogenannte „humanitäre Stadt“, die auf den Trümmern der zerstörten Stadt Rafah im Süden des Küstenstreifens errichtet werden soll.
Doch diesen Plänen zufolge gilt: Wer einmal drin ist, darf nicht wieder raus. Damit soll die Macht der Hamas im Gazastreifen geschwächt werden. Omar begrüßt diese Pläne, vermutlich aus Frust über die aktuelle Situation. „Ich warte schon lange auf den Moment, in dem ich die neue humanitäre Zone in Rafah erreichen kann“, sagt er. Denn dies sei, so der 31-Jährige, die letzte Zuflucht und die einzige Rettung vor dem allgegenwärtigen Tod in Gaza. „Es ist ein Ort, an dem man die Bombardements nicht hört und an dem keine israelischen Flugzeuge über einem herumfliegen“, sagte er im Gespräch.

Palästinenser aus Gaza: Der Beginn einer neuen Ära
Die Pläne stoßen jedoch auf viel Kritik, auch unter israelischen Experten und Ex-Politikern. So bezeichnete der israelische Menschenrechtsanwalt Michael Sfard die Pläne als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“. Auch Israels ehemaliger Ministerpräsident Ehud Olmert äußerte sich kritisch über das von Israel geplante Lager für 600.000 Palästinenser im Gazastreifen. Er sagte, sollte es zur Verlegung von Menschen in das Lager kommen, handele es sich hierbei um einen Teil von ethnischer Säuberung. Dabei nutzte Olmert sogar den Begriff „Konzentrationslager“. „Es ist ein Konzentrationslager, tut mir leid“, sagte er.

Für Omar könnte der Plan der Beginn einer neuen Ära sein. Ihm sei es wichtiger, dass die Familien im Gazastreifen einen Ort finden, an dem sie ein Mindestmaß an Stabilität und Frieden zurückgewinnen, statt in Zelten und ständiger Angst zu leben. Er betont: „Wenn das Projekt transparent und mit Garantien umgesetzt wird, ist es ein wichtiger Schritt hin zu einem Leben, das nicht mehr vom Warten auf den Tod geprägt ist.“




