Dem Hochschulstandort Deutschland stehen rosige Zeiten bevor. Dieser Eindruck entsteht zumindest bei der Lektüre des Koalitionsvertrags. Die Regierung will Studium und Lehre stärken, marode Universitätsgebäude sanieren, die Exzellenzstrategie grundlegend evaluieren. Und die Mittel vom Deutschem Akademischen Austauschdienst, der Alexander von Humboldt-Stiftung sowie der Max Weber Stiftung erhöhen, um die Internationalisierung voranzutreiben.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Laut Hochschulrektorenkonferenz (HRK) gab es 2024 rund 380.000 internationale Studierende in Deutschland, viele davon aus Indien und China. Außerdem belegen deutsche Unis in EU-weiten Rankings regelmäßig Spitzenplätze. Doch international kommt man bisher nicht an den Platzhirschen vorbei. Oxford, das Massachusetts Institute of Technology (MIT), Harvard – an den britischen und US-amerikanischen Top-Unis ist kein Vorbeikommen. Nun bietet sich jedoch eine unerwartete Gelegenheit.
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Trump greift Harvard an und sorgt damit für Verunsicherung bei internationalen Studierenden
Denn in den USA tobt ein nie dagewesener Konflikt zwischen Bildungsinstitutionen und der Regierung. Präsident Donald Trump führt einen entschiedenen Kampf gegen die Elite-Universität Harvard, die aus seiner Sicht von linkem Gedankengut vereinnahmt ist und Antisemitismus fördert. Leidtragende sind internationale Studierende, denen die Einreise untersagt wird und deren Visa aufgehoben werden sollen.
Das sorgt für Verunsicherung. In Fernost hat man darauf bereits reagiert, so bietet etwa die Hong Kong University of Science and Technology (HKUST) Harvard-Studierenden eine unkomplizierte Übernahme an. Inklusive Unterstützung bei Einreise, Visa-Beantragung und Wohnungssuche.
News aus den USA
Kein Harvard-Campus in Deutschland, dafür mehr Harvard-Studierende?
Doch warum sollte nicht auch Deutschland von der unsicheren Lage der internationalen Bildungselite profitieren? Kulturstaatsminister Wolfram Weimer schlug Harvard bereits vor, einen Exilcampus in Deutschland zu gründen – und kassierte eine Absage. Könnten nicht auch bestehende Universitäten den hoch qualifizierten Studierenden und Forschenden ein angemessenes Lernumfeld und eine neue Heimat bieten?
Eine Abfrage bei vier der renommiertesten deutschen Hochschulen zeigt: Ein Programm wie die HKUST bietet bisher niemand an. Ganz verschlossen scheint man dem aber nicht zu sein. „Wir sind offen für Kooperationen und kurzfristige Unterstützungsmaßnahmen“, heißt es etwa von der Universität Bonn. Angefragt wurden außerdem die Technische Universität München (TUM), die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und die Humboldt-Universität zu Berlin (HU).

Der Anspruch, an den internationalen Spitzenplätzen dranzubleiben, oder diese sogar zu erreichen, lässt sich aus den Antworten herauslesen. So schreibt die Ludwig-Maximilians-Universität: „Wir legen sehr viel Wert darauf, sowohl im Studium als auch in der Forschung die besten Köpfe aus der ganzen Welt zur LMU zu führen und längerfristig an die LMU zu binden.“ Tatsächlich stammen laut Universitätsangaben rund 21 Prozent der LMU-Studierenden aus dem Ausland. An der Technischen Universität München sind es sogar 45 Prozent.
Doch es wäre wohl mehr möglich, heißt es zumindest aus Bonn, wo der Anteil der internationalen Studierenden lediglich bei 15,5 Prozent liegt. So gäbe es immer wieder Fälle, bei denen Interessierte ein Studium wegen Verzögerungen bei der Visa-Vergabe nicht antreten könnten. Auch TUM-Pressesprecher Ulrich Meyer und eine HU-Sprecherin berichten von entsprechenden Einzelfällen. Weitere Probleme laut Meyer: die Wohnungssuche, die eingeschränkte Arbeitserlaubnis und die nötigen Nachweise über finanzielle Sicherheiten.
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Dennoch versuchen die Hochschulen, den Start so einfach wie möglich zu machen. Es gibt individuelle Beratungsprogramme, ein immer weiter wachsendes Studienangebot auf Englisch und Bestrebungen, internationale Absolventen in den deutschen Arbeitsmarkt zu integrieren. Bei einer TUM-Umfrage zeichnet sich ab, dass über 70 Prozent der internationalen Absolventen auch mehrere Jahre nach dem Abschluss noch in Deutschland arbeiten.
Was die deutschen Top-Hochschulen von der US-Elite unterscheidet
So schlecht scheint die Lage der deutschen Hochschulen also nicht zu sein. Das spiegeln auch viele Rankings wider, in Punkten wie der Forschungsumgebung oder den Karrierechancen müssen sie sich nicht verstecken. Abzüge gibt es jedoch oft bei der Lehre. Die Universität Bonn erklärt das so: „Gerade in der Betreuungsrelation – der Zahl der Studierenden pro Dozierenden – unterscheidet sich Deutschland leider noch immer sehr stark von der internationalen ‚Konkurrenz‘.“ Aufgrund höherer Mittel gibt es dort deutlich mehr Lehrende.
Am Ende hängt es also auch am Geld. Elite-Unis in den USA sind oft private Bildungseinrichtungen mit Studiengebühren, Harvard alleine gab 2024 rund 6,4 Milliarden Dollar aus. Die Gesamtausgaben der 217 in der HRK zusammengeschlossenen Hochschulen in Deutschland lagen im selben Jahr bei insgesamt 70,9 Milliarden Euro. Ein klares Missverhältnis.
Exklusive Politik-Hintergründe – für Sie recherchiert
Um Deutschland noch attraktiver für internationale Studierende zu gestalten, hat die Universität Bonn gegenüber dieser Redaktion einen Wunschzettel formuliert, der in Teilen mit den Antworten anderer Top-Unis übereinstimmt. Er beinhaltet einfachere Visa- und Anerkennungsverfahren, mehr bezahlbaren Wohnraum, Stipendienprogramme und gezielte Investitionen in die Internationalisierung der Lehre. Die gute Nachricht: Fast alle diese Punkte werden im Koalitionsvertrag von Union und SPD abgedeckt. Die Umsetzung liegt jetzt bei Dorothee Bär (CSU) im Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt.














