Das Harvard College gilt als ein Aushängeschild des US-amerikanischen Bildungssystems. Acht US-Präsidenten brachte die Elite-Universität hervor, darunter Barack Obama und John F. Kennedy. Dazu mehr als 160 Nobelpreisträger, sowie Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Kein Wunder, dass viele gerne in den geschichtsträchtigen Hallen studieren würden. Für den Studienstart im Herbst 2024 bewarben sich 54.008 Interessierte, nur 1970 wurden akzeptiert, eine Rate von knapp 3,65 Prozent. Und nicht nur US-Amerikaner wollen an die renommierte Hochschule im Großraum Boston, insgesamt sind fast 7000 internationale Studentinnen und Studenten dort eingeschrieben. Darunter übrigens auch Prinzessin Elisabeth von Belgien.

Warum die US-Regierung Harvard bestrafen will

Doch die Prinzessin und andere internationale Studenten sollen, so der Wille von US-Präsident Donald Trump, ihr Studium bald nicht mehr in Harvard fortsetzen können. Auch die Aufnahme neuer Studenten aus dem Ausland wurde untersagt. Die US-Regierung hatte die Genehmigung für Austauschprogramme und internationale Studienaufenthalte in der vergangenen Woche mit sofortiger Wirkung ausgesetzt.

Auch interessant

Die Folge war ein Aufschrei, nicht nur unter Wissenschaftlern und Studenten. Die Trump-Administration würde in die Wissenschaftsfreiheit eingreifen, so der Vorwurf. Der Konflikt zwischen Regierung und Elite-Universitäten schwelt schon länger. So wurden mehreren Hochschulen staatliche Fördermittel entzogen, weil sie zu einseitig linke Ideologien fördern würden. Den Ausschluss internationaler Studenten begründete Heimatschutzministerin Kristi Noem unter anderem damit, dass es Harvard nicht gelungen sei, ein sicheres Umfeld für jüdische Studierende zu schaffen.

Eine Universität will vom Streit mit Harvard profitieren

Das Elite-College, bekannt unter anderem für seine exzellente juristische Fakultät, wehrte sich gegen den Entschluss, zunächst mit Erfolg. Eine Bundesrichterin stoppte den Beschluss vorerst, ob es dabei bleibt, ist unklar. Für Studenten bedeutet das eine große Unsicherheit, ein Verlust des Studienplatzes würde in vielen Fällen wohl auch mit dem Verlust der Aufenthaltsgenehmigung einhergehen.

Exklusiv aus den USA – für Sie recherchiert

Die Hong Kong University Of Science And Technology (HKUST) will daraus nun offenbar Kapital schlagen und versuchen, Studenten von Harvard abzuwerben. Die Universität in der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong veröffentlichte eine „offene Einladung an internationale Studenten und Doktoranden, die derzeit an der Harvard University eingeschrieben sind, sowie an diejenigen, die bereits ein Angebot für einen Harvard-Studiengang haben, ihre akademische Laufbahn an der HKUST fortzusetzen.“

The Hong Kong University of Science and Technology, Clear Water Bay...
Der Campus der Hong Kong University Of Science And Technology (Archivbild).© picture alliance / newscom | May Tse

Die Universität werde uneingeschränkte Angebote, vereinfachte Zulassungsverfahren und akademische Unterstützung bereitstellen, um interessierten Studierenden einen nahtlosen Übergang zu ermöglichen, heißt es in der entsprechenden Pressemitteilung. Dazu werde die HKUST unter anderem Hilfe bei der Erlangung von Visa und Unterkünfte zur Verfügung stellen. Offenbar will man in Hongkong von der herrschenden Unsicherheit profitieren und begabte junge Menschen ins Land locken.

Auch in Deutschland würde man sich über Harvard-Studenten freuen

Und tatsächlich ist die HKUST fachliche keine schlechte Wahl. In der aktuellen Universitätsrangliste der „Times Higher Education“ rangiert sie auf Platz 66, was zwar weit hinter Harvard (Platz 3) liegt, in der Gesamtzahl der über 1500 verglichenen Hochschulen aber doch recht hoch. Im Young University Ranking, welches nur Universitäten, die jünger als 50 Jahre sind, erfasst, liegt die 1991 gegründete HKUST sogar auf Platz drei.

Auch interessant

Ob andere Universitäten diesem Beispiel folgen werden, ist unklar. Im Interview mit dieser Redaktion sagte die Wirtschaftsweise und Professorin am Elite-College Berkeley Ulrike Malmendier bereits im März: „Die Entwicklung in den USA ist eine Riesenchance für Deutschland und Europa. Ich weiß, dass sehr viele Leute darüber nachdenken wegzugehen.“ Kulturstaatsminister Wolfram Weimer bot nun Harvard an, einen Exil-Campus in der Bundesrepublik zu gründen. Ein offizielles Übernahmeangebot wie aus Hongkong gibt es in Deutschland aber noch nicht.